Haßfurt
Altersarmut

Am Ende fehlt's den Senioren

Die Gewerkschaft Verdi macht mit einem Aktionsstand in Haßfurt aus soziale Ungerechtigkeiten aufmerksam und sammelt Unterschriften.
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Ein Passant unterschreibt: Um Bundeskanzlerin Angela Merkel auf den Handlungsbedarf aufmerksam zu machen, soll eine Liste mit Unterschriften nach Berlin geschickt werden. Die Unterschrift nehmen Ilse Scholz und Jens-Uwe Frosch (von links) entgegen.  Fotos: Peter Schmieder
Ein Passant unterschreibt: Um Bundeskanzlerin Angela Merkel auf den Handlungsbedarf aufmerksam zu machen, soll eine Liste mit Unterschriften nach Berlin geschickt werden. Die Unterschrift nehmen Ilse Scholz und Jens-Uwe Frosch (von links) entgegen. Fotos: Peter Schmieder
Altersarmut wird immer mehr zu einem Thema, das die Gesellschaft beschäftigt. Am Samstag, dem "Aktionstag Altersarmut", informierte die Gewerkschaft Verdi mit einem Stand in der Haßfurter Innenstadt über die Problematik.

Es erinnert ein bisschen an den Hauptmann von Köpenick, der ohne Pass keine Arbeit und ohne Arbeit keinen Pass bekam. "Wer die Vorsorge braucht, der kann sie sich nicht leisten. Und wer sie sich leisten kann, der bräuchte sie nicht", beschreibt Gewerkschaftssekretärin Marietta Eder das Problem mit der privaten Vorsorge. Denn die Rente hängt vom früheren Einkommen ab. Wer in seinen Jahren als Berufstätiger gerade so über die Runden kam, wird von seiner Rente nicht leben können. Ebenso wenig kann er es sich jedoch leisten, einen Teil seines Einkommens in eine private Vorsorge zu stecken, um später mehr Rente zu bekommen.



Mythen rund ums Alter

"Das Problem ist nicht der Unterschied zwischen Jung und Alt. Das Problem ist der Unterschied zwischen Arm und Reich", heißt es in einem Flyer, den die Gewerkschaft verteilte. Darin verweist Verdi darauf, dass es sich bei vielen Aussagen zum Thema Alter und Kosten um Mythen handle. Zwar stimmt es, dass die Menschen immer älter werden. Dass es nun mehr ältere Menschen gibt, für die die Erwerbstätigen zahlen, müsse aber nicht heißen, dass das gleiche Geld auf mehr Menschen verteilt wird.

Die Gewerkschaft verweist auf den Geburtenrückgang. "Früher zahlten Erwerbstätige für wenige Rentner und viele Kinder, heute ist es umgekehrt", heißt es im Infomaterial. Die Gesamtzahl derer, für die Berufstätige mitbezahlen müssen, sei also nicht merklich gestiegen. Die Gewerkschaft fordert daher, dass Junge und Alte gemeinsam für eine gerechte Verteilung des Reichtums kämpfen.


Unwürdige Verhältnisse

Scharf kritisieren die Gewerkschafter, dass viele Menschen im Rentenalter zusätzlich Minijobs brauchen, um von ihrer Rente leben zu können. Dass viele ältere Menschen, obwohl sie ein langes Berufsleben hinter sich haben, Flaschen sammeln oder bei der Tafel anstehen müssen, bezeichnet Verdi als unwürdig. "Wir fordern: Die Rente muss einen angemessenen Lebensstandard sichern", heißt es im Flyer. "Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass sich was ändern muss", sagt Marietta Eder. Dass normale Einkommen im Alter zu Armut führen, können nicht angehen, schon gar nicht in einem so reichen Land wie Deutschland. Zu verhindern, dass das Rentenniveau weiter abgesenkt wird, sei nur der erste von mehreren notwendigen Schritten.

"Altersarmut ist weiblich", lautet ein Schlagwort im Informationsmaterial. Als Grund dafür, dass Frauen häufiger und heftiger von Altersarmut betroffen sind als Männer, verweist Verdi auf die Zeit, in der gerade Frauen zuhause bleiben, um sich um die Kinder zu kümmern. Frauen im Alter müssen oft mit der Grundsicherung auskommen. So fordert die Gewerkschaft, die Grundsicherung müsse "zum Leben reichen, nicht nur zum Überleben".


Elf Millionen in Gefahr

Verdi warnt, bei der aktuellen Entwicklung könnten bald elf Millionen Menschen in Deutschland von der Altersarmut betroffen sein. Daher ist ab Herbst eine gemeinsame Kampagne mit anderen Gewerkschaften und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) geplant, die auf das Problem aufmerksam machen soll.

Im Gespräch mit der Presse berichteten einige Verdi-Vertreter am Stand in der Kreisstadt über die Resonanz, die an diesem Aktionstag wahrzunehmen war. "Es waren schon einige Menschen da, die in Rente sind und uns gesagt haben, dass sie merken, dass es zu wenig ist", sagt Marietta Eder. "Auch Jüngere denken mit Sorge darüber nach." Unerfreulich fanden die Gewerkschafter dagegen, dass auch einige - überwiegend junge - Passanten sagten, das Thema interessiere sie nicht.

In Haßfurt und anderen Städten sammelten die Verdi-Vertreter von den Passanten Unterschriften. Unter dem Motto "In Würde altern - Armut im Alter" sollen die Unterschriftenlisten zu Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Berlin geschickt werden, um die Regierung darauf aufmerksam zu machen, dass in dieser Thematik Handlungsbedarf besteht.

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