Lembach
Bulldogs

Altes Blech mit Zugkraft in Lembach

Welch große Anziehungskraft die Zugmaschinen früherer Jahrzehnte besitzen, zeigte der Zuspruch beim Treffen in Lembach
Artikel drucken Artikel einbetten
Auch die Jugend ist hoch zu Stahlross dabei, hier schick mit Dirndl und Lederhose. Foto: Günther Geiling
Auch die Jugend ist hoch zu Stahlross dabei, hier schick mit Dirndl und Lederhose. Foto: Günther Geiling
+11 Bilder
Der kleine Eltmanner Stadtteil Lembach war am Wochenende Ziel vieler Oldtimerfreunde. Es waren fast so viele alte Traktoren, Maschinen und Ausstellungstücke zu sehen, wie der Ort Einwohner hat. Hoch über den Dächern des Dorfes hing ein "Oldie" am Kran und machte schon von weitem spektakulär auf das 4. Treffen der "Bulldog- und Kulturfreunde" aus Lembach aufmerksam. Je näher man kam, desto mehr wurde man von alten Fahrzeugen, ihrem Motorengeräusch und Dieselgeruch eingenommen.

Den meisten Fahrern war bei der Einfahrt mit ihren Traktoren auf den Festplatz ihr Stolz über ihren "Oldie" anzusehen. Viele Fahrzeuge glänzten und waren mit Blumen herausgeputzt, andere, Rostlauben, schienen nur für diesen Tag mit Öl überzogen und wieder andere zeigten kleine Accessoires, auf die ihre Besitzer Wert legten.


Interessante Vorführungen

Die Fahrzeuge hatten teilweise auch weitere Wege aus verschiedenen Teilen Frankens auf sich genommen, um nach Lembach zu kommen, denn dort präsentieren die Bulldogfreunde immer wieder ein abwechslungsreiches Programm mit Vorführungen von Maschinen, aber auch von Arbeiten auf dem Felde. Auffallend auch, dass bei den Besitzern der Traktoren alle Altersgruppen vertreten sind. Und meist steht hinter jedem "Oldie" eine ganz besondere Geschichte. Der eine ist vom Opa übernommen, der andere wurde auf einem alten Bauernhof entdeckt, und so mancher wird einfach auch auf dem inzwischen großen "Oldie-Markt" erstanden. Nach einem Festgottesdienst segnete Pfarrer Ewald Thoma die Fahrzeuge.


Natürlich unverkäuflich

Ludwig Jäger aus Knetzgau präsentierte mit sichtbarem Stolz seinen alten Hanomag R 55 mit Baujahr 1956, aber 5700 ccm und 4 Zylindern. "Ich fahre den nur zu solchen Oldie-Treffen aus und habe drei Stück von dieser Sorte. Diesen hier habe ich einmal vor längerer Zeit für 4000 DM gekauft. Mittlerweile habe ich aber circa 20 000 Euro hineingesteckt und er wird heute gehandelt zwischen 30 000 und 40 000 Euro. Natürlich verkaufe ich ihn nicht."

Vielmehr unternimmt er Ausfahrten zum Kreuzberg in die Rhön oder anderen Oldie-Wallfahrten, wie nach Vierzehnheiligen, aber auch ins Fichtelgebirge. Schließlich läuft er 50 km/h und da kann man schon größere Strecken zurücklegen.


Wallfahrt mit Getucker

An einem alten Fendt ist noch die Hinweistafel auf eine "Oldtimer Traktor-Wallfahrt nach Altötting" zu lesen. Robert Lansky, Dietmar Sauer und Ludwig-Josef Engel hatten sich vor wenigen Tagen auf die 360 km lange Tour gemacht und waren mit ihren Traktoren acht Tage lang unterwegs. Dietmar Sauer ist noch ganz begeistert. "Wir hatten unseren Wohnwagen dabei und wurden auf Bauern- oder Aussiedlerhöfen herzlich aufgenommen. Dort konnten wir uns duschen, uns wurde Kaffee gebracht und am Abend gab es unterhaltsame Gespräche mit den Leuten."

Dass eine solche Fahrt auch viele Überraschungen bringt, zeigte Ludwig-Josef Engel aus Roßstadt auf. "Unsere erste Rast mussten wir schon bei Buttenheim einlegen, weil Batterieprobleme auftauchten". Schließlich musste man eine neue kaufen. Um das Ziel in der gewünschten Zeit zu erreichen, mussten die Pilger zehn Stunden am Tag fahren. Aber dann kamen sie in Neuötting an, fuhren zur Kapelle mit anschließender Beichte und gerieten ausgerechnet in dieser Nacht in ein schweres Gewitter mit Starkregen.

Auch der Heimatort von Papst Benedikt, Marktl, sein Geburtshaus und die Kirche suchten die Wallfahrer auf und am Nachmittag fanden sie sich zur Segnung am Kapellenplatz ein. "Pater Andreas hielt dort eine Ansprache über unsere Maschinen und hat unsere Oldtimer unter den Schutz der Gottesmutter gegeben." Über Burghausen und Österreich ging zurück und in Gößweinstein traf man sich wieder mit anderen Bulldogwallfahrern. "Wir werden unsere Altötting-Wallfahrt so schnell nicht vergessen", meinte Ludwig-Josef Engel.


"Hotel" im Bauwagen

Andere Oldiefreunde suchen mehr die Treffen in der näheren Umgebung auf. Dazu zählen auch die Traktorfreunde ausd Dankenfeld, die Familien Schramm, Hauck und Diroll, die mit ihrem John Deer-Lanz erst kürzlich in Frickendorf waren. Manchmal haben sie an diesen Wochenenden auch ihren umgebauten Bauwagen dabei, der inzwischen Stockbetten und vieles andere Nützliche zum Übernachten enthält. Rainer Kleinhenz aus Limbach macht es Spaß, mit seinem alten Holder ED 10 mit Baujahr 1954 Spazierfahrten mit Kindern zu unternehmen. Diesmal saß Sophie neben ihm auf dem "Bock".
Die Bulldogfreunde präsentierten bei ihrem Treffen zahlreiche Aktivitäten. Diesmal konnten die Traktorbesitzer mit ihren alten Rössern auf einen Leistungsprüfstand und über die Zapfwelle die Motorleistung ihrer Trecker testen. Bei angegebenen 80 PS brachte da einer noch nach seinen langen Jahren 72 PS und Organisator Arthur Graser meinte "damit ist er noch sehr rüstig und gut dabei".


Generator aus Eigenbau

Aber es gab noch viele andere interessante Geräte. Helmut Stöckinger aus Geiselwind führte einen "Eigenbau-Stromgenerator" aus dem Jahre 1940 vor. Mit einem Deutzmotor versehen brachte es der Generator auf eine Leistung von drei bis vier Kw, und Stöckinger bewies das mit angeschlossenen Lampen. Auch eine alte Riffelmaschine (eine Art Hobelmaschine) oder eine Maisschälmaschine konnte man bedienen und natürlich gab es eine Ausstellung von vielen alten Handswerkszeugen bis zur alten Dreschmaschine. Auf dem Acker nebenan sah man auch ihr modernes Gegenstück, einen Mähdrescher, bei der Arbeit und es wurden andere Feldarbeiten mit modernen Maschinen gezeigt. Auch für die "Holzmacher" gab es Maschinen zum Anbau an die Traktoren zu bewundern.
Für die Bulldogfreunde Lembach unter der Leitung von Arthur und Thomas Graser gab es für die tolle Organisation viel Lob und der starke Besuch zeigte auch, dass das "Bulldogtreffen in dem kleinen Steigerwaldort bei vielen einen festen Platz im Terminkalender hat.
(gg)
Bild 1:
Bild 2:
Bild 3:
Bild 4:
Bild 5:
Bild 6:
Bild 7:
Bild 8;
Bild 9: F
Bild 10:
Bild 11:
Bild 12:
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren