Zeil am Main
Wirtschaft

"Allmilmö"-Insolvenz in Zeil: Mitarbeiter gehen ohne Abfindung

Sobald der Geschäftsbetrieb bei "Allmilmö" Ende Juni eingestellt wird, sind die verbliebenen rund 100 Mitarbeiter arbeitslos. Die Stimmung ist im Keller.
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Mitarbeiter des Zeiler Möbelwerks verlassen nach Schichtende am Mittwoch um kurz vor 15 Uhr das Betriebsgelände. Das Unternehmen stellt bald die Produktion ein. Foto: Andreas Lösch
Mitarbeiter des Zeiler Möbelwerks verlassen nach Schichtende am Mittwoch um kurz vor 15 Uhr das Betriebsgelände. Das Unternehmen stellt bald die Produktion ein. Foto: Andreas Lösch
Das Ende des Zeiler Möbelwerks ist für die verbliebenen knapp über 100 Mitarbeiter ein schwerer Schlag. "Die Stimmung ist total im Keller", erklärt der Betriebsratsvorsitzende Peter Pottler dem Fränkischen Tag. Denn erst war da die Hoffnung, dass es weitergehen kann beim Zeiler Küchenmöbelbauer, aber in den vergangenen Wochen zeichnete sich immer mehr ab, dass das Unternehmen nicht zu retten ist. Und: "Es hat keiner irgendeine Aussicht, dass Abfindungen gezahlt werden", sagt Pottler. "Es ist ja nichts da."

Mit diesem Satz lässt sich denn auch die Frage nach besagtem Sozialplan gut beantworten, den Insolvenzverwaltung und Betriebsrat für die Mitarbeiter abgeschlossen haben, wie es Insolvenzverwalter Hubert Ampferl in einer Pressemitteilung erklärt hatte. In der war am 30. Mai verkündet worden, dass das Zeiler Möbelwerk "in Ausproduktion" geht: "Der Geschäftsbetrieb wird bis Ende Juni heruntergefahren", die vorhandenen Aufträge bis dahin abgearbeitet.

Das Möbelwerk als Premiumhersteller für Küchen der Marke "Allmilmö" hatte Ende Februar Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt, nachdem der Auftragseingang eingebrochen war. "Die Firma kränkelt schon seit Jahren ", sagt Pottler. Aber nun wurde es ernst: Rechtsanwalt Ampferl war als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt worden und hatte seit 1. Mai - dem Tag der Eröffnung des Insolvenzverfahrens - das Unternehmen weitergeführt.


Keine wirkliche Handhabe

Er fand die Zeiler Möbelwerk GmbH Co. KG jedoch als "eine reine Betriebsgesellschaft" vor, wie er sagt. Er hatte also nur Mitarbeiter, aber keine "betriebsnotwendigen Vermögensgegenstände" wie Gebäude, wesentliche technische Anlagen und Maschinen, geschweige denn die Rechte an der Marke "Allmilmö", was die Verhandlungen mit potenziellen Investoren erschwerte.

Die waren zwar laut Ampferl durchaus an den Mitarbeitern und deren "Made in Germany"-Qualität sowie dem Produktionsstandort Zeil interessiert. Weil aber die Vermögenswerte in Besitz der Schweinfurter "La-Cour-Gruppe" sind, mussten die Kauf-Interessenten (Ampferl: "unzählige potenzielle Investoren aus dem In- und Ausland, insbesondere aus Asien") mit mehreren Parteien verhandeln. Das Zeiler Möbelwerk aus einer Hand gab es nicht.

Wie Betriebsrat Pottler erklärt, war alles "schön säuberlich getrennt, schon seit längerer Zeit". Angesichts der schwierigen Verhandlungen, die zu keinem Ergebnis führten ("Es war eine äußerst komplizierte Insolvenz"), war die Schließung die notwendige Konsequenz (schlechte Auftragslage, fortlaufende Betriebskosten). "Seit gestern haben die ganzen Mitarbeiter ihre Kündigung in der Hand", sagte Pottler dem Fränkischen Tag am Mittwoch (31. Mai). "Ich habe meine auch schon erhalten." Die Kündigungen werden gemäß der dreimonatigen Kündigungsfrist zum 31. August wirksam.


Wer zahlt Gehalt?

Bedeutet das, dass die Mitarbeiter bis dahin ihr reguläres Gehalt bekommen? "Nicht unbedingt", sagt Pottler. Weil die Produktion aller Voraussicht nach nur noch bis Ende Juni, "vielleicht noch bis in den Juli hinein" fortgeführt wird, werden die Mitarbeiter dann wohl "mit sofortiger Wirkung freigestellt". Dann sind sie auf Arbeitslosengeld angewiesen. In den drei Monaten vor der Insolvenzeröffnung (Februar bis April) gab es bereits Insolvenz-Ausfallgeld vom Arbeitsamt, mit dem der Lohn bezahlt wurde. Das sind für Unternehmen "die gewissen Vorteile einer Insolvenz", wie Pottler erklärt.

Der 58-jährige Zeiler ist seit 43 Jahren bei "Allmilmö" und wie viele seiner Kollegen erlebte er die vergangenen Wochen als bitteres Ende einer langen Firmengeschichte (gegründet 1965, folgten "goldene Jahre" mit internationalem Erfolg und zwischenzeitlich rund 1500 Mitarbeitern; 1996 musste "Allmilmö" aber schon einmal Insolvenz anmelden, die La-Cour-Gruppe stieg damals als Investor ein und es ging wieder aufwärts).


Fünkchen Hoffnung

Und nun? Ein Fünkchen Hoffnung bleibt: Mit dem Gesellschafter Johannes La Cour hat Pottler am Dienstag (30. Mai) noch telefoniert; "er sagt, er hat noch nicht alles abgeschrieben". Aber die Ungewissheit und die Erfahrungen in den zurückliegenden Wochen, als immer wieder von Rettung die Rede war, die dann doch nicht zustande kam, stimmen die Mitarbeiter im Möbelwerk nicht wirklich zuversichtlich.

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