Ebern
Seniorenarbeit

"Alle Jahre wieder" mit neuem Sinn

Die Stadt Ebern und das Bayerische Rote Kreuz setzten ein Zeichen gegen Vereinsamung und soziale Kälte. Bei den älteren Bürgern kam die Weihnachtsfeier sehr gut an.
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Eine Bläsergruppe des Blasorchesters Ebern spielte für die Senioren.
Eine Bläsergruppe des Blasorchesters Ebern spielte für die Senioren.
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Aufeinander zugehen; genau hinschauen; nicht nur an Weihnachten; keiner muss alleine sein; älteren und behinderten Menschen zur Seite stehen; neue Mitbürger mit einbeziehen - das waren Botschaften, die von Rednern bei der Seniorenweihnachtsfeier am Sonntagnachmittag in der Frauengrundhalle in Ebern in den Raum gestellt wurden.

Bis auf wenige Plätze war die "Frauengrundhalle" besetzt. Senioren aus Ebern und allen Stadtteilen waren gekommen, um am Zweiten Advent gemeinsam einige ruhige und besinnliche Stunden zu verbringen. Eingeladen hierzu hatte die Stadt Ebern und der Kreisverband Haßberge des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK).
"Unser Sozialbus war heute im Einsatz und hat einige von ihnen hierher gebracht", sagte Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) bei der Begrüßung und wies darauf hin, dass durch die neue Errungenschaft die Mobilität der Senioren erhöht werden könne. Der Bürgermeister würdigte das Engagement der Mitarbeiter in den Seniorengruppen. "Es ist gut, dass es Ehrenamtliche gibt, die sich um Mitmenschen kümmern", so Hennemann.

Nicht nur an Weihnachten sollte man zusammenkommen, sondern auch das Jahr über, sagte er. "Niemand sollte in der Einsamkeit zu Hause sitzen." Aufeinander zugehen sei wichtig, auch im Hinblick auf die Asylbewerber im Bereich Ebern, um diese einzubeziehen. "Ich denke da sind wir in Ebern recht gut aufgestellt", zeigte sich Hennemann überzeugt.


In allen Lebenslagen

Dieter Kirstner, Stellvertretender Kreisbereitschaftsleiter des BRK sah es als "gute Tradition" den Seniorentag durchzuführen. "Das Bayerische Rote Kreuz hat es sich zur Aufgabe gemacht, älteren Mitmenschen und Behinderten in allen Lebenslagen zur Seite zu stehen", sagt Kirstner. Nur Solidarität und praktische Nächstenliebe könne die Welt menschlicher machen. "Veranstaltungen wie die gemeinsame Seniorenweihnachtsfeier können für ein besseres Miteinander beitragen", sagte Kirstner.

Der Gesangverein Eyrichshof unter Stabführung von Alfred Schröder stimmte mit einigen besinnlichen weihnachtlichen Liedern auf die Worte der Geistlichen, Pater Rudolf Theiler und Pfarrer Bernd Grosser ein. "Würde es diese Seniorenweihnachtsfeier nicht geben, müsste man sie ins Leben rufen", sagte Pater Theiler.
Das hat genau die Meinung der 87-jährigen Heidi Bauer aus Eyrichshof getroffen. "Ja es ist gut, dass für ältere Leute so etwas stattfindet", sagte die Seniorin. Sie fährt fort: "Es sind viele hier,, die etwas am Rande der Gesellschaft leben und gerade die haben bei solchen Feiern die Möglichkeit mit anderen in Kontakt zu kommen." Sie selber nahm am Sonntag zum zweiten Mal an der Seniorenweihnachtsfeier teil. "Eine prima Sache, das muss so bleiben", fordert die 87-Jährige mit fester Stimme.


Veränderter Text

Pater Theiler rief dazu auf, sich zu besinnen auf das, was wichtig sei. Der in neue Worte gefassten Text des Liedes "Alle Jahre wieder", den er vorlas, klang in den Ohren der Senioren fremd. Mit seinem umgewandelten Text zeigte Pater Theiler die Hektik und den Stress in der Vorweihnachtszeit auf. "Etwas ironisch sollte es sein", gestand der Geistliche. Er hat wohl auch wachgerüttelt, denn an den Reaktionen der Senioren war zu erkennen, dass auch sie es so empfinden, dass es mit der "ruhigen oder staden Zeit" vor dem Fest nicht gut bestellt ist.
Die biblische Weihnachtsgeschichte war Grundlage der Worte von Pfarrer Grosser, die von Menschen sprach, die irgendwie bedrückt seien. "Die Weihnachtsbotschaft hat einen starken sozialpolitischen Hintergrund, der von der Art, wie wir Weihnacht feiern, oft übersehen wird", sagte Grosser.
"Gerade an Weihnachten genau hinschauen, wo Menschen leiden unter Ungerechtigkeit, Gewalt und Behördenwillkür", rief der Pfarrer den Senioren zu.

Eine Gruppe des Blasorchesters Ebern erfreute die Senioren mit weihnachtlichen Weisen, während sich diese Kaffee und leckeres Gebäck schmecken ließen und ins Gespräch kamen.
Dazu wollte Seniorin Heidi Bauer auch noch etwas sagen: "Mir wäre es lieb, wenn wir zur Musik mitsingen könnten, viele von uns singen gerne." Ein Lied stimmte die Bläsergruppe daraufhin an und forderte zum Mitsingen auf. Allerdings waren die Sänger nicht wirklich zu hören. "Na ja", sagte Heidi Bauer unverdrossen, "im nächsten Jahr sollten Liederblätter ausgeteilt werden, dann können auch mehrere, die den Text nicht auswendig kennen, mitsingen." Die Pfarrer und der Bürgermeister haben es gehört.


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