Ein zerknirscht wirkender 30-jähriger Mann saß am Mittwoch wegen Trunkenheit im Verkehr auf der Anklagebank des Haßfurter Amtsgerichts. Nicht zum ersten Mal, denn er wurde bereits dreimal vorher wegen desselben Delikts verurteilt und stand unter Bewährung. Mit den Worten "Sie sind eine potenzielle Gefahr für alle Verkehrsteilnehmer" versagte ihm Richter Roland Wiltschka eine erneute Bewährungschance und schickte den notorischen Alkoholsünder für sechs Monate hinter Gitter.

Bier statt Kaffee


Bei der Verhandlung ging es um das, was am 15. April dieses Jahres passiert war. An diesem Sonntag war der Angeklagte früh aufgestanden und hatte gegen 8 Uhr einen in der Nähe wohnenden Kumpel besucht. Anstelle von Kaffee begoss man das gemütliche Zusammensein am Feiertag gleich mit Bier. Warum der Zecher dann den Autoschlüssel des Bekannten mitnahm, obwohl er keine Fahrerlaubnis besaß, kann er sich heute auch nicht mehr erklären.
Jedenfalls startete er anschließend - zunächst zu Fuß - seine sonntägliche Sauftour durch diverse Kneipen. Später kam er auf die Schnapsidee, das Auto seines Freundes zu holen. Am Abend fuhr er damit auf der B 26 nach Zeil. Vor der Stadt übersah er eine Linkskurve, donnerte die Böschung runter und landete im Straßengraben. Dabei rammte er so hart einen Baum, dass sich der Wagen überschlug und auf dem Dach liegen blieb.
Wie durch ein Wunder war dem Verunglückten nichts passiert und er konnte unverletzt aus dem Fahrzeug steigen. Verzweifelt rief er per Handy seine Mutter an. Als kurz darauf eine Polizeistreife hielt, bestritt der Unfallverursacher erst, das Auto gesteuert zu haben. Dann kam die Mutter dazu und überredete ihren Sohn, alles zuzugeben.

Massives Alkoholproblem


Der erfahrene Polizeibeamte sagte als Zeuge aus, dass er zwar die "Fahne" riechen konnte, ansonsten sei der Mann aber einsichtig gewesen, und man habe keine alkoholbedingten Ausfälle feststellen können. So habe er weder gelallt noch getorkelt. Auf die Frage des Richters, wie viele Bier es an dem Tag waren, antwortete der Angeklagte: "Gezählt habe ich sie nicht, aber zwölf oder 13 werden es schon gewesen sein." Bei der Blutalkoholuntersuchung stellte man 2,3 Promille fest. Wie sich herausstellte, leidet der von seiner Ehefrau getrennt lebende Mann seit geraumer Zeit unter einem massiven Alkoholproblem. Zu dem Stoff greife er immer wieder, weil seine Ehe kaputt sei und er für fünf Kinder Unterhalt zahlen müsse, erklärte er. "Unter Alkohol", fügte er hinzu, "denkt man nicht so viel über alles nach."
In seinem Plädoyer gab sich Rechtsanwalt Peter Plischke alle Mühe, für seinen Mandanten eine nochmalige Bewährung zu erreichen. Er verwies auf ein Schreiben des Arbeitgebers, der mit den beruflichen Leistungen des Angeklagten hochzufrieden sei. Der Verteidiger schlug eine Bewährungsstrafe, kombiniert mit einer Therapieauflage, vor.

Warnsignale ignoriert


Staatsanwalt Alexander Baum wies jedoch darauf hin, dass der Beschuldigte ein mehrfacher Bewährungsversager sei, der die bisherigen Warnsignale ignoriert habe. Dieser Argumentation schloss sich der Richter mit seinem Urteilsspruch an, indem er darauf hinwies: "Ich hatte in der Vergangenheit schon viel Geduld mit Ihnen." Zudem darf der Verurteilte vor Ablauf von zwei Jahren keine neue Fahrerlaubnis erhalten.