Haßfurt
Verkehr

Ab durch die Mitte

Die Stadt Haßfurt plant, eine kleine Verbindung zwischen dem Gewerbegebiet Ost und der Prappacher Straße zu bauen. Damit soll vor allem die Bundesstraße 26 zu Hauptverkehrszeiten entlastet werden. (Bericht + Kommentar)
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Die geplante Entlastungsstraße im Gewerbegebiet Ost, eingezeichnet auf der Karte. Grafik: Franziska Schäfer
Die geplante Entlastungsstraße im Gewerbegebiet Ost, eingezeichnet auf der Karte. Grafik: Franziska Schäfer
Die meisten Autofahrer aus dem Maintal werden es nur allzu gut kennen: Zu Stoßzeiten an Samstagen oder vor Feiertagen bilden sich auf der Bundesstraße 26 bei Haßfurt Rückstaus, die so manchem den letzten Nerv kosten. Auf der Abbiegespur nach links (von Richtung Innenstadt kommende) ins Gewerbegebiet Ost vergehen für den Wartenden manchmal mehrere Grünphasen, ohne dass er über die Kreuzung käme. Und auch auf der Osttangente bilden sich immer wieder lange Autoschlangen bis zum Kreisel Richtung Ebern.

Die Stadt Haßfurt plant nun, eine Verbindungsstraße vom Gewerbegebiet Ost über den Sterzelbach hoch zur Prappacher Straße zu bauen. Damit sollen die Verkehrsknotenpunkte Osttangente (im Volksmund Aldi-Kreuzung) sowie Godelstatt (Obi-Kreuzung) an der B26 entlastet werden, wie Bürgermeister Günther Werner (WG) dem Fränkischen Tag gestern erklärte. Am Abend zuvor war das Thema im Stadtrat besprochen worden. Dort wurde der Änderung des Flächennutzungsplans im Bereich hinter dem Gewerbegebiet zugestimmt sowie der Änderung und Neufassung des Bebauungsplans "Gewerbegebiet Ost - nördlicher Teil". Damit seien die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen worden, um (frühestens 2016) eine Entlastungsstraße bauen zu können, erklärte Bauverwaltungsleiter Robert Barth. Dazu bedarf es allerdings weiterer Entscheidungsfindungen.

Entlastung um ein Drittel möglich

Verkehrszählungen und Messungen haben laut Bürgermeister Werner ergeben, dass ein Drittel der Verkehrsteilnehmer, die in die Straße Godelstatt fahren, anschließend über die Osttangente fahren. Diesen Weg könnten sie sich künftig sparen, wenn eine Verbindung direkt aus dem Gewerbegebiet zur HAS 10 (Prappacher Straße) führt: Von dort aus kann dann die Osttangente über den Kreisverkehr erreicht werden, und vor allem Autofahrer aus Richtung Sylbach, Königsberg oder etwa Prappach könnten so ihre Ziele erreichen, ohne die Aldi- oder Obi-Kreuzung nutzen zu müssen. Das städtische Bauamt verspreche sich davon eine Verkehrsentlastung, sagte Werner.

Bei der Stadtratsitzung am Montagabend in Haßfurt hatte Claudia Roschlau vom Ingenieurbüro die Stadträte über die Einbeziehung der Öffentlichkeit und die Einwände von "Trägern öffentlicher Belange" informiert, sprich: Es ging um Bedenken, die etwa bestehen seitens des Wasserwirtschaftsamtes oder des Landratsamtes (insgesamt wurden über 30 Behörden abgefragt, ebenso äußerten sich Landwirte, die im besagten Bereich Grundstücke besitzen). Diese sind laut Roschlau weitestgehend ausgeräumt worden.

Wie Robert Barth erklärte, sei man auf einem guten Weg, für noch bestehende Probleme Lösungen zu finden. Angedacht war die Entlastungsstraße übrigens schon seit dem Jahr 2001, als der (zweiteilige) Bebauungsplan für das Gewerbegebiet beschlossen wurde. Damals und in der Folgezeit sah man allerdings noch keine Notwendigkeit für die Anknüpfung.



Kommentar: Darf's auch ein bissl schneller gehn?


Es ist gut, dass die Stadt Haßfurt reagiert. Den Bürgern sind die langen Wartezeiten entlang der Bundesstraße 26 bei Haßfurt ein Graus. Und das betrifft nicht nur Haßfurter, sondern auch etliche Bewohner vor allem aus dem Maintal und Haßgau, die in der Kreisstadt Einkäufe erledigen wollen. Vor Feiertagen oder an Samstagen steht man lange im Bereich Osttangente und Godelstatt, die Ampeln sind bei viel Verkehr überlastet.

Wenn die Entlastungsstraße über Godelstatt hin zur Prappacher Straße kommt, kann man sich das in etwa so vorstellen, als öffne jemand an einem angestauten Gewässer einen weiteren Abfluss. Die Sackgasse in der Straße Godelstatt zwingt viele Autofahrer zu dem Umweg Osttangente. Wer nach seinem Besuch im Gewerbegebiet nach Sechsthal, Altershausen, Königsberg, Hofheim oder Richtung Hofstetten will, hat künftig eine weitere Option und entlastet so die B26.

Freilich, bis es soweit ist, dauert es noch ein bisschen. Frühestens 2016 kann gebaut werden, möglicherweise auch erst das Jahr darauf. Denn einfach machen, das geht in Deutschland nicht.

Gewiss ist es nicht verkehrt, ein solches Vorhaben gründlich vorzubereiten, Bedenkenträger einzubeziehen und Kompromisse zu finden. Doch für die Verwaltung ist das zeit- und kostenintensiv, der Prozess kann sich über Jahre hinziehen, wenn etwa noch Klagen eingereicht werden. Klar, und durch die Mühlen der Demokratie muss es auch noch: Der Stadtrat beschließt, und auch hier wird mitunter lange diskutiert. Da wünscht man sich schon manchmal eine etwas pragmatischere Politik: Brauch mer? Mach mer! - Ein Traum.
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