Ebern
Abitur

89 Zeugnisse und viel Lob für Eberns Abiturienten

Geschliffene Redemanuskripte und 89 Reife-Zeugnisse prägten die gelungene Abschiedsfeier am Friedrich-Rückert-Gymnasium in Ebern.
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Strahlen für die Kamera: die Abiturienten, Bürgermeister, Sponsoren und Pädagogen vor der Feier am Friedrich-Rückert-Gymnasium in Ebern Fotos: Eckehard Kiesewetter
Strahlen für die Kamera: die Abiturienten, Bürgermeister, Sponsoren und Pädagogen vor der Feier am Friedrich-Rückert-Gymnasium in Ebern Fotos: Eckehard Kiesewetter
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Nein, die Fußball-Weltmeisterschaft wurde mit keiner Silbe erwähnt; ging es doch um erfüllte Erwartungen, um soliden Einsatz und nicht zuletzt um veritable Spitzenleistungen. 89 Abiturienten am Eberner Gymnasium konnten am Freitag ihre Reifezeugnisse in Empfang nehmen, nur ein Prüfling muss nochmals antreten.

Bei einem Gesamtnotendurchschnitt von 2,4 hat Leon Schönecker den Vogel abgeschossen. Er erreichte die Traumnote 1,0. Patricia Schmuhl schloss mit 1,2 ab, Marie Deublein mit 1,4. Sie und viele weitere Schüler wurden bei der Feier für ihre besonderen Leistungen gewürdigt.

Mit dem Ziel, Jurist im Staatsdienst zu werden, plant Primus Schönecker, wie er dem FT sagte, ein Studium an seiner Wunschuniversität Bayreuth. Andere halten Jura "für das trockenste Studium überhaupt", räumt der Eberner ein, für ihn aber stecke darin eine Leidenschaft. Er will Notar werden. Vor Studienantritt steht ihm noch eine Prüfung bevor: Den Führerschein will er jetzt im Schnelldurchgang schaffen.


Der wichtigste Tag

Vom "wichtigsten Tag für ein Gymnasium überhaupt" sprach Studiendirektor Steffen Schlüter. Part des Konrektors war die Begrüßung der Gäste, während Oberstufenbetreuerin Bettina Natterer und Schulleiter Martin Pöhner später die Abiturzeugnisse überreichten.

Pöhner rezitierte Goethes Faust in seiner dunkelsten Stunde, um zu erhellen, wofür sich all die Mühen des Lernens rentieren. Zum Rüstzeug fürs Leben gehöre das an der Schule trainierte Durchhaltevermögen, auch Offenheit für jene Dinge, die einen nicht so interessieren. Wie wichtig dies ist, hätten spätestens diejenigen bemerkt, die für die Abiturprüfung "auf Lücke lernten", also die "Schmalspurvariante" wählten. Die Erfahrung der Zusammenarbeit im Team wertete der Direktor als "ganz zentrale Qualifikation" und lobte die Gemeinschaftsprojekte, die der Jahrgang auf die Beine gestellt habe.

"Sie haben in der Schule viel über andere Menschen gelernt, aber auch über sich selbst", sagte Pöhner und appellierte an die Abgänger, aus dem Vorbild des Dr. Faustus zu lernen. Sie sollten sich nicht wie er von Mephisto verführen lassen, aber eigene Stärken stärken und die eigenen Schwächen zu managen lernen.

Auch Aufgeschlossenheit für andere Kulturen und Sprachen und nicht zuletzt die inhaltlichen Kompetenzen sprach der Oberstudiendirektor an und gestand, er selbst habe manche Dinge dreimal lernen müssen. "Ich verrate Ihnen hier schon mal, das zweite Mal Lernen ist deutlich leichter als das erste Mal." Das Abitur, fasste er zusammen, "ist der Schlüssel zu einem erfolgreichen spannenden, vielseitigen und erfüllten Leben , wenn Sie diesen Schlüssel nutzen."
Hatte der Schulleiter 200 Jahre zurückgeblättert, so verschlug es den Elternbeiratsvorsitzenden Ullrich Nembach zurück in die griechische Antike. Er zitierte den Komödienschreiber Aristophanes mit den Worten "Bildung bedeutet nicht, ein Gefäß zu füllen, sondern ein Feuer zu entfachen". Er würdigte all diejenigen, die den Funken in den Jugendlichen erglühen ließen (die Eltern) oder aber als "ausgewiesene Feuerwerker" (die Lehrer), Flächenbrände auslösten. "Ich bin überzeugt", sagte Nembach den Abiturienten, "dass die wenigsten von Euch als Wasserträger, denn vielmehr als Fackelläufer von der Bühne gehen werden."


Zwei Abi-Jubilare gratulieren

Wilhelm Schneider, heute Landrat im Kreis Haßberge, kehrte einmal mehr ans Friedrich-Rückert-Gymnasium zurück. Er selbst hatte dort vor 40 Jahren sein Abitur abgelegt, der heutige Landtagsabgeordnete Steffen Vogel, der unter den Ehrengästen saß, vor 25 Jahren. Schneider sprach vom "Gipfel der schulischen Bildung" und äußerte, wie auch Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann, die Hoffnung, dass das Wort Abitur (deutsch: davon gehen) nur vorübergehend, etwa für die Zeit des Studiums, gelte. Beide warben für die guten Chancen in der Region und der Stadt. "Kaum eine junge Generation hat nach Schuleende einen so aufnahmebereiten Arbeitsmarkt vorgefunden wie Sie", sagte Schneider. Innovative Unternehmen und schlagkräftige Handwerksbetriebe suchten händeringend nach guten Mitarbeitern, und die Berufsschule in Haßfurt biete Karriereprogramme. Die Region benötige tüchtige und gut ausgebildete junge Menschen, die mithelfen, das Gemeinwesen fortzuentwickeln.


Frankens größtes Klassentreffen

Hennemann pries die demokratische und tolerante Gesellschaft und riet den Abiturienten, nicht den populistischen Blendern auf den Leim zu gehen, sondern sich als gebildete und selbst denkende Menschen am Fortkommen der Gesellschaft zu beteiligen und für Toleranz einzutreten. Um die Rückkehr zu erleichtern, so meinte er spaßig, "organisieren wir jährlich im Juli das größte Klassentreffen in Franken, das Altstadtfest."

Mitreißend lustig witzelten Christin Schley und Erik Simon, die beiden Abiturredner der Q12, über ihr Gymnasium, die Räume, die Ausstattung und die Lehrkräfte. In ihrer pfiffigen Rede persiflierten sie die Abfragen als Schulbeispiele für "soziales Miteinander" und zeigten auf, wie die Erwachsenen als "Digital Natives" in noch smartphonelosen Zeiten versuchten, den damaligen Sechstklässlern mit antiquiertem Equipment Medienkompetenz zu vermitteln. Zum Thema Umwelt fielen ihnen die Klimazonen des Planeten ein, die sich im Schulhaus widerspiegeln, von den "wechselfeuchten Tropen des Biologiesaals" (dort tropft es durchs Dach) bis zur "subpolaren Zone im vierten Stock" während des Winters (wenn die Heizung mal wieder streikt).


Mit "Queen" und viel Pfiff

Für die künftigen Jahrgangsstufen entwickelten die Abiturienten einen "Survival Guide", einen Rucksack voll lustiger, überlebensnotweniger Accessoires.
Ähnlich viel Applaus wie die beiden Redner ernteten die Abiturienten mit einer gelungenen und selbst getexteten Coverversion des Queen-Hits "Don't stop me now", der Stimmung in die vollbesetze Aula brachte. Die Musiklehrer Kathleen Hümmer und Max Ludwig betreuten den musikalischen Part und den Auftritt der Big Band.

Für die Abiturienten steht am Samstag erst einmal der Abiturball an, ehe es in der kommenden Woche für die meisten für sieben Tage zur Abiturfahrt an die Costa Brava geht.

DIE EHRUNGEN AM EBERNER GYMNASIUM
Beste Abiturnote Leon Schönecker, Ebern (1,0); Patricia Schmul, Hafenpreppach (1,2); Marie Deublein, Unterpreppach (1,4); Lisa Mederle, Itzgrund (1,5).

Einser-Noten im Abitur: Melanie Fenzlein, Untermerzbach; Kristin Kuhn,Pfarrweisach; Elena Lurz und Marcus Menzel, beide Ebern, Anna-Lena Schneider, Gerach.

Kursbeste: Elena Lurz (moderne Fremdsprachen); Michael Karl, Heilgersdorf (Latein); Nicolaus Mußmächer, Eyrichshof, Marie Deublein, Max Dressel, Rentweinsdorf (alle drei Physik); Katrin Dötschel, Dürrenried (alle Biologie); Marie Deublein (Mathematik); Patricia Schmul (Chemie und Mathematik) und Leon Schönecker (Gesellschaftswissenschaften und Mathematik).

Beste Seminararbeiten:
Lisa Mederle, Pülsdorf, Frank Geuß, Ebern, und Nicolaus Mußmächer.

Engagement im Schulleben
Lara Amend , Ebern (Sport); Tom Engelhardt, Schottenstein, Paul Schad, Ebern, Patricia Schmul (künstlerischer Bereich); Eva Arnold, Jesserndorf (künstlerischer Bereich und Schülermitverantwortung/SMV)
Erik Simon, Memmelsdorf (Technik); Marina Schmitt, Reckendorf, und Lea Schmidt-Hammer, Untermerzbach (beide Schulsanitäter).
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