Untermerzbach
Reichspogromnacht

80 Jahre unvergessen: Gedenkfeier zieht Lehren aus der Vergangenheit

In der Synagoge in Memmelsdorf fand zum Gedenken an die Reichspogromnacht eine Gedenkfeier statt.
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Die ehemalige Landtagspräsidentin Barbara Stamm (rechts) hielt in der Synagoge in Memmelsdorf eine Gedenkrede zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht.  Fotos: Christian Licha
Die ehemalige Landtagspräsidentin Barbara Stamm (rechts) hielt in der Synagoge in Memmelsdorf eine Gedenkrede zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht. Fotos: Christian Licha
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Zum Gedenken an die Reichspogromnacht vor 80 Jahren wurde in einer Gedenkfeier am Samstag in Memmelsdorf an die schrecklichen Ereignisse damals erinnert. Bis zum letzten Platz gefüllt war die Synagoge mit Ehrengästen sowie Mitglieder und Freunden des Trägervereins.

Geschehnisse vor 80 Jahren

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde das jüdische Gotteshaus stark beschädigt. Angehörige der Sturmabteilung (SA) zwangen die männlichen Gemeindemitglieder damals, alle beweglichen Gegenstände aus dem Gebäude herauszuschleppen und diese auf offenem Gelände zu verbrennen. Auf eine Brandlegung des Gebäudes verzichtete man nur wegen der dichten Bebauung in der unmittelbaren Umgebung. Einige Monate später verließen die letzten jüdischen Bewohner den Ort.

"Auch wenn es inzwischen 80 Jahre her ist, dass in Deutschland und bei uns im Landkreis Haßberge Synagogen brannten und unter der Fahne von Rassenhass und Zerstörungswut Menschen gehetzt, gedemütigt, gequält und deportiert wurden, gibt es für diese Ungerechtigkeit keinen Punkt des Vergessens", sagte Landrat Wilhelm Schneider in seiner Ansprache.

Ganz bewusst wolle man an den traurigen Jahrestag erinnern - nicht um 73 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges Schuldfragen zu stellen. Vielmehr müsse es darum gehen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. "Denn dumm ist, wer aus der Geschichte nichts lernt - oder noch schlimmer, nichts lernen will", so der Landrat.

Dass es damals keineswegs eine Spontanaktion war, sondern das Nazi-Regime gezielt zu den Hetzaktionen aufgerufen hat, stellte Landtagspräsidentin (außer Dienst) Barbara Stamm klar, die in ihrer Gedenkrede weiter ausführte, dass es nur sehr wenig Hilfe für die Juden gab, da die Bevölkerung stark eingeschüchtert war.

Mahnung an Jüngere weitergeben

"Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen", mahnte Stamm und forderte auf, die richtigen Lehren für jetzt und die Zukunft daraus zu ziehen. Wichtig sei es, die Erinnerung wach zu halten und den Rechtsstaat und die Demokratie engagiert zu verteidigen. Es müssen Konzepte gegen das Vergessen entwickelt werden und die Ereignisse der damaligen Zeit an die nachfolgenden Generationen als Mahnung weitergegeben werde.

Stamm erinnerte sich an eine Debatte im Landtag, bei der es darum ging, einen Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Dachau für Schulklassen als Pflicht einzuführen. Die ehemalige Landtagspräsidentin hob auch die bereits verstorbene Historikerin Cordula Kappner hervor, die sich sehr stark mit dem jüdischen Leben von damals beschäftigt und hervorragende Aufklärungsarbeit hierzu geleistet hat.

Ebenso gebührte Stamms Dank dem Trägerverein Synagoge Memmelsdorf und hier besonders der ersten Vorsitzenden Iris Wild und ihrem Stellvertreter Herbert Becker, der bereits seit der Gründung des Vereins vor 25 Jahren diesen Posten inne hat.

Musikalisch begleitet wurde die Feier von Karin Meyer-Jungclaussen, die auf dem Akkordeon festliche Lieder aus der jüdischen Kultur spielte. Rabbinerin Antje Yael Deusel aus Bamberg sprach Gebete auf hebräisch und gedachte den Opfern, nachdem Bürgermeister Helmut Dietz die Namen der letzten 18 Mitglieder der jüdischen Gemeinde Memmelsdorf verkündet hatte und für jeden dieser Menschen eine Kerze angezündet wurde. Im Anschluss an die Veranstaltung war noch Raum zu Begegnung und zum Gedankenaustausch. Auch in das Goldene Buch der Gemeinde Untermerzbach sowie in das Gedenkbuch der Synagoge, trug sich Barbara Stamm ein.

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