Heubach
Landwirtschaft

Familienunternehmen aus Heubach: 700 Hektar Getreide "fressen" diese Mähdrescher jedes Jahr

Fritz Paulus aus Heubach bei Ebern führt ein Lohndruschunternehmen, das seit 50 Jahren tätig ist. Vor allem die Technik hat sich seit den Anfängen stark geändert.
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Ein Mähdrescher des Unternehmens Paulus ist auf einem Feld bei Unterpreppach unterwegs.   Die riesige landwirtschaftliche Maschine  füllt das Getreide aus dem  Körnertank auf einen Anhänger. Fotos: Helmut Will
Ein Mähdrescher des Unternehmens Paulus ist auf einem Feld bei Unterpreppach unterwegs. Die riesige landwirtschaftliche Maschine füllt das Getreide aus dem Körnertank auf einen Anhänger. Fotos: Helmut Will
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Großvater, Vater und Sohn. Beim Familienunternehmen Paulus aus Heubach rollen seit einem halben Jahrhundert und über drei Generationen Mähdrescher im Lohndrusch zwischen Pfarrweisach im Norden und Reckendorf im Süden, zwischen Buch im Osten und Neuses a.R. im Westen. Aber auch im sächsischen Spittewitz, dem Hochland nahe Meißen, war Fritz Paulus mit seinen Mähdreschern schon unterwegs.

Schon mit neun Jahren an Mähdreschern interessiert

"Im Jahr dresche ich so um die 700 Hektar Getreide", sagt Fritz Paulus, der in dem Lohndruschunternehmen das Sagen hat. Begonnen hat alles im Jahr 1969. "Damals war ich neun Jahre alt und war schon sehr an den Mähdreschern interessiert. Ich weiß auch noch, wie es angefangen hat", erinnert sich der Unternehmer. Sein Vater Karl Paulus hatte im Jahr 1969 mit Lohndrusch angefangen, weil damals ein anderer Unternehmer mit dem Dreschen nicht nachkam.

"Deshalb haben mein Vater Karl und mein Opa Johann nach der Ernte 1968 entschieden, einen eigenen Mähdrescher anzuschaffen. Anfangs war vorgesehen, nur eigene Flächen mit etwas Lohndrusch zu dreschen. Die Getreideernte 1969 wurde dann mit dem eigenen Mähdrescher eingebracht", sagt Fritz Paulus. Auch Opa Johann hatte damals noch mitzureden. "Er hat für den Kauf des Mähdreschers, es war ein Bautz-Titan mit einer Schnittbreite von 2,70 Metern, etwas beigesteuert." Der Opa habe damals darauf bestanden, dass auch eine neu entwickelte Strohpresse am Mähdrescher angebaut wurde. "Im Nachhinein war das keine gute Entscheidung, weil die Presse hinten nicht verarbeiten konnte, was vorne reinkam", so Fritz Paulus.

Deshalb stand das Erntegerät häufig und konnte nicht eingesetzt werden Es musste oft repariert werden. Selbst Techniker der Firma Bautz haben das nicht auf die Reihe gebracht. Bei der Getreideernte ein Jahr später habe Vater Karl dann entschieden, dass die Presse abgebaut wird.

"Danach lief der Mähdrescher ohne Probleme", schildert Fritz Paulus, der damals zehn Jahre alt war.

Der Lohndrusch brachte offensichtlich etwas ein, weshalb im Jahr 1975 ein zweiter Mähdrescher, ein Gerät der Marke "John Deere" angeschafft wurde. "Damals bekamen wir die von Rotenhan aus Eyrichshof als Kunden hinzu; auch aus Buch ließ ein Landwirt von uns sein Getreide dreschen", erinnert sich Fritz Paulus.

Im Alter von 15 Jahren stieg er selbst auf den Mähdrescher. "Damals hatte ich noch keinen Führerschein, weshalb mein Vater den Mähdrescher auf die Felder fuhr, wo ich von früh bis abends meine Runden drehte." Erfreulich sei gewesen, dass immer mehr Kunden kamen, so dass bald mit einen festen Kundenstamm geplant werden konnte. "Wir selber hatten kein eigenes Land, sondern etwa zehn Hektar Pachtfeld. Landwirtschaft war ein bisschen das Hobby meines Vaters Karl." Auch einige Kühe standen im Stall. Diese wurden nach dem Tod des Großvaters Johann im Jahr 1975 verkauft, der Ackerbau wurde weiter betrieben. 220 Hektar Getreidefläche kamen im Jahr 1984 hinzu, als das Unternehmen Paulus den Auftrag für Lohndrusch von Sebastian von Rotenhan aus Rentweinsdorf erhielt. "Damals kaufte mein Vater Karl einen dritten Mähdrescher", so der heutige Chef. Es war eine Maschine der Marke "New Holland, PF42". Der hatte eine Schnittbreite von 4,57 Metern und es war die erste Rotormaschine mit neuer Technologie, die in Nordbayern verkauft wurde.

Karl Paulus, der Vater, war immer allem Neuen gegenüber aufgeschlossen. Schon ein Jahr später übernahm das Unternehmen Paulus einen von einer anderen Firma gekauften "New Holland, PF42" hinzu. Dieser Betrieb hatte den Lohndrusch aufgegeben. "Den Kundenstamm dieser Firma haben wir mit übernehmen können", beschreibt Fritz Paulus die weitere Entwicklung.

Zu Spitzenzeiten liefen bei der Firma Paulus sieben Mähdrescher, gegenwärtig sind es drei. "Das sehe ich nicht als Rückschritt, weil man heute mit einem Mähdrescher das leisten kann, was früher mit zwei möglich war, die Technik wurde einfach besser", so Fritz Paulus.

Auch am "Aufbau Ost" war das Unternehmen Paulus in den Jahren 1991 bis 1996 beteiligt. Bis zu drei Mähdrescher waren dort eingesetzt, um die riesigen Flächen der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) abzuernten. "Im Osten haben wir auch Mais mit gedroschen." Die im Osten genutzten Mähdrescher seien veraltet gewesen, erzählt Fritz Paulus. "Für mich war das im Nachhinein eine schöne und erfahrungsbringende Zeit; man bekam auch Einblick in die LPGs."

Fritz Paulus leitet das Lohndruschunternehmen seit 2009. "Schon bevor mein Vater Karl vor sechs Jahren verstarb, hatte ich das Organisatorische schon einige Jahre übernommen", schildert er. 700 Hektar Getreide "fressen" seine drei "New-Holland"-Mähdrescher mit Schnittbreiten von 6,10 bis 9,15 Metern jährlich in sich hinein.

Kam man früher abends oder nachts nach Hause, war man von oben bis unten stark mit Dreschstaub bedeckt und hatte wohl auch einigen Schmutz "geschluckt." Anfangs gab es noch keine Kabinen und die Fahrer waren der Sonne und dem Wetter ungeschützt ausgesetzt. Davon können vor allem seine "alten Fahrer", zu denen auch Günter Hafenecker gehört, ein Lied singen. Bis zu zwölf Fahrer waren beim Unternehmen Paulus beschäftigt. Heute sind es drei, Werner Hauck, Michael Streng und Stefan Klaus, sowie Fritz Paulus selbst, die ihre Arbeit in klimatisierten Kabinen auf den Mähdreschern verrichten können. Auch an seine Mutter Hanne denkt Fritz mit Dankbarkeit. "Sie ist jetzt 50 Jahre die gute Seele im Hintergrund." Erfreulich ist es für den Unternehmer, dass seine Fahrer und er über die gesamten Jahre von Unfällen verschont blieben.

Das 50-jährige Bestehen seines Unternehmens hat Fritz Paulus vor einiger Zeit mit 180 Personen, Nachbarn, Fahrern, Kundschaft und Geschäftspartnern in einer seiner Hallen gefeiert. Auf Geschenke verzichtete er und bat um eine Spende für den SV Heubach. 1320 Euro sind zusammengekommen, die der Unternehmer auf 1500 Euro aufstockte.

Zieht er ein Resümee, so lautete es: "Wenn ich zurückblicke, würde ich das wieder so machen. Manchmal gibt es Stress, wenn das Wetter nicht mitspielt, aber auch stressfreie Zeiten, wenn der Wettergott uns wohl gesonnen ist."

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