LKR Haßberge
Wahl

60 Prozent im Kreis Haßberge machen ihr Kreuzchen

Der Landkreis Haßberge baut weiter auf die CSU als stärkste Kraft für Europa. Die Grünen überholen die SPD.
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An vielen Menschen - wie hier symbolisch dargestellt in Ebern - ging die Werbung für die Europawahl achtlos vorüber. Und doch waren die Nichtwähler diesmal in der Minderheit. Mehr als 60 Prozent der Menschen im Landkreis Haßberge gingen zur Wahl. Fotos: Eckehard Kiesewetter
An vielen Menschen - wie hier symbolisch dargestellt in Ebern - ging die Werbung für die Europawahl achtlos vorüber. Und doch waren die Nichtwähler diesmal in der Minderheit. Mehr als 60 Prozent der Menschen im Landkreis Haßberge gingen zur Wahl. Fotos: Eckehard Kiesewetter
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Ein Kreuzchen nur, eine Sache von Sekunden, aber mit gewichtigen Folgen: Die Europawahl brachte an einem sonnenstrahlenden Wahlsonntag viele Menschen im Landkreis auf die Beine - sofern sie nicht im Vorfeld schon zu Hause gewählt hatten. Die Briefwahl, der Trend früherer Urnengänge bestätigte sich einmal mehr, erfreut sich wachsender Beliebtheit. Sie erspart den Weg ins Wahllokal, nicht jedoch den Weg mit dem Stift über den rund 94 Zentimeter langen Stimmzettel auf der Suche nach der Partei der eigenen Wahl.

Nach all dem Getöse um einen drohenden Rechtsruck Europas und um die Zerstörung des europäischen Gedankens überraschte der Wahlzettel bei näherem Hinsehen dann nebenher mit ganz anderen Schwerpunkten: Vier Mal taucht der "Mensch" auf den Zetteln auf, ebenso oft wie das Wort "Sozial". Dem Tierschutz jedoch haben sich gleich fünf der angetretenen politischen Gruppierungen verschrieben.

Daheim schon entschieden

Das alles las sich an diesem Sonntag in den Wahllokalen kaum einer durch. Ruckzuck waren die meisten Wähler fertig, denn ihre Entscheidung hatten sie, wie eine kleine, keinesfalls repräsentative Spontanstraßenumfrage dieser Redaktion ergab, in aller Regel schon zuvor getroffen.

In Ebern gehen viele Menschen nach alter Tradition nach dem Kirchgang zur Wahl - ein nobler Brauch. Diesmal aber herrschte dort ähnliche Geruhsamkeit wie den ganzen Tag über in so gut wie allen Wahllokalen der 26 Kommunen im Landkreis. Hintergrund war die Wallfahrt nach Vierzehnheiligen, weshalb vielen Katholiken "an diesem Tag ein anderes Kreuz noch wichtiger war", wie es ein alter Eberner formulierte.

Während Italien als letztes europäisches Land noch bis 23 Uhr wählte, schlossen hierzulande die Wahllokale um 18 Uhr. Die Schnellmeldungen aus den 170 Wahllokalen des Landkreises (Briefwahlbezirke eingerechnet) wurden sogleich bei der Kreiswahlleitung in Haßfurt geprüft, wo Regierungsrätin Kristina Wolff als Kreiswahlleiterin die Strippen zog. Im Internet konnten interessierte Bürger auf der Homepage des Landratsamtes bereits vor 19 Uhr die Ergebnisse der Auszählung mitverfolgen. Das vorläufige amtliche Endergebnis für den Landkreis wird erst heute, Montag, am frühen Nachmittag erwartet.

Sechs von zehn bestimmen mit

Eigentliche Sensation war die Wahlbeteiligung, denn die lag im Landkreis bei 60,86 Prozent, für eine Europawahl ein erstaunlicher Wert! Zum Vergleich: Als Europa vor fünf Jahren letztmals wählte, hatten nur 42,74 Prozent ihre Stimme abgegeben (bei der Landtagswahl im Oktober waren es fast 75 Prozent). 68 076 Menschen im Landkreis waren wahlberechtigt.

Die CSU bleibt im Landkreis Haßberge die mit Abstand stärkste Kraft (45,98 Prozent), auch wenn sie gegenüber der letzten Europawahl leichte Verluste hinnehmen muss. Inetwa halbiert hat sich der Stimmenanteil der SPD (10,25 Prozent), die hinter den deutlich erstarkten Grünen (12,82 Prozent) nur noch auf dem dritten Platz liegt. Platz vier geht an die AfD (9,38 Prozent). Sie hat ihren Stimmenanteil damit mehr als verdoppelt. Leicht verbessert haben sich die Freien Wähler (5,95 Prozent) und die "Bienenretter" von der ÖDP (2,97 Prozent), während FDP (2,76 Prozent) und Linke (2,37 Prozent) auf der Stelle treten. Die Sonstigen (darunter Die PARTEI, Tierschutzpartei und die Piraten) erreichen 21,63 Prozent der Stimmen.

Stimmen zur Wahl

Steffen Vogel (CSU-Kreisvorsitzender und MdL, aus Theres) zeigte sich spontan "durchaus zufrieden" mit dem Ergebnis seiner CSU bei der Europawahl, die bayernweit über 40 Prozent liegt und damit deutlich besser in der Wählergunst abschneidet als bei der Landtagswahl - und vor allem wesentlich besser als die CDU. "Neuer Ministerpräsident, neuer CSU-Vorsitzender, es geht aufwärts bei uns in Bayern." Mit Spannung erwartet Vogel, der den Wahlabend mit CSU-Europakandidat Christian Staat in Arnstein verbrachte, ob der Unterfranke den Sprung ins europäische Parlament schafft. "Wenn Manfred Weber Kommissionspräsident wird, dann könnte es knapp reichen." eki Johanna Bamberg-Reinwand (SPD-Kreisvorsitzende, Zeil) würdigte im Gespräch zunächst die hohe Wahlbeteiligung. Mit Verlusten habe die SPD rechnen müssen, die Frage sei lediglich gewesen, wie hoch sie ausfallen. "Bitter ist, dass wir wieder mehr verloren haben, als wir verkraften." Klar sei auch gewesen, dass die SPD als Partei der sozialen Gerechtigkeit an die Grünen abgeben würde, denn Umweltschutz sie nun einmal das Thema der Stunde. Sie bedauert, dass die fränkische SPD-Kandidatin Kerstin Westphal ihr Mandat verloren hat. Für die Kommunalwahl im Frühjahr, wo sie mit Bürgermeistern, kommunalen Themen und Gesichtern punkten könne, sei die SPD gewiss besser aufgestellt. Die SPD-Politikerin: "Jetzt heißt es wieder mal schütteln und weiter." eki

Harald Kuhn (Vorstandsmitglied Bündnis 90/Die Grünen im Kreis Haßberge, aus Zeil) stand am Sonntagabend die Freude ins Gesicht geschrieben. "Ich schwebe einen halben Meter über dem Boden", bekannte er angesichts der enormen Zuwächse seiner Partei. Nach seiner Ansicht ging es weniger um die Grünen als vielmehr um Europa. Wichtig ist Kuhn, dass 90 Prozent der Menschen für Europa gestimmt haben; die, die Europa ablehnen, "sind in der Minderheit". Das Wahlergebnis macht laut Kuhn auch einen Generationenwechsel sichtbar. Junge Leute setzten sich mit ihren Ansichten durch, meint er und denkt vor allem an die Klimapolitik. Der Zeiler Grüne erwartet in Europa einen ökologischen Schub, der nicht nur von den Grünen komme. Auch die anderen Partei begreifen nach seiner Ansicht mittlerweile, worauf es ankommt. Sie seien unter Zugzwang, glaubt er vor allem im Blick auf die Klimapolitik. ks

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