Haßfurt

60 Jahre Berufsfachschule: Fit für die Pflege von morgen

Die Haßfurter Berufsfachschule für Pflegeberufe feiert heuer ihr 60-jähriges Bestehen. Der FT wirft hierzu einen Blick in die Vergangenheit - und in die Zukunft.
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Im Krankenhaus absolvieren die angehenden Pflegekräfte den Praxisteil ihrer Ausbildung. Ab dem kommenden Jahr ist auch eine Praxiszeit in der Altenpflege vorgesehen. Foto: Haßberg-Kliniken
Im Krankenhaus absolvieren die angehenden Pflegekräfte den Praxisteil ihrer Ausbildung. Ab dem kommenden Jahr ist auch eine Praxiszeit in der Altenpflege vorgesehen. Foto: Haßberg-Kliniken
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1959: Während in Kuba Revolutionsführer Fidel Castro an die Macht kommt, rollen in Großbritannien die ersten Minis vom Band. In Deutschland wird Heinrich Lübke zum neuen Bundespräsidenten gewählt. Er folgt auf Theodor Heuss. Außerdem erhält die Bundesrepublik Zuwachs: Mit der Übernahme der D-Mark wird die Wiederaufnahme des Saarlands als zehntes Bundesland in die BRD abgeschlossen.

Der Stadt Haßfurt indes brachte das Jahr 1959 eine Berufsfachschule für Pflegeberufe, damals noch Schwesternschule genannt. Mit dieser sollte der Schwesternmangel, der sich nach der Eröffnung des neuen Krankenhauses im Jahr zuvor bemerkbar machte, behoben werden, heißt es in einem Archivbericht der Haßberg-Kliniken.

Seit 60 Jahren besteht die Einrichtung, in der die (Kranken-) Pflegekräfte von morgen ausgebildet werden, nun in der Kreisstadt. Mit den Jahren hat sich vieles gewandelt, wie Stephan Kolck, Vorstandsvorsitzender der Haßberg-Kliniken, erzählt. "Jetzt stehen wir wieder vor einer großen Änderung", sagt er und verweist auf das kommende Jahr, in dem eine Reform der Pflegeausbildung ansteht.

Aus Krankenschwestern und -wärtern wurden im Laufe der Zeit Gesundheits- und Krankenpfleger. Ab 2020 sollen die Auszubildenden der Berufsfachschule nun als Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner ausgebildet werden. Im Zuge der sogenannten "Generalistik" werden die Nachwuchskräfte dann nicht mehr nur in ihrem jeweiligen Fachbereich eingesetzt, sondern auch in anderen Bereichen der Pflege.

"Es kommen zum Beispiel neue Praxiseinheiten hinzu. Unsere Auszubildenden müssen dann auch mal in ein Pflegeheim. Die Auszubildenden der Altenpflege wiederum auch mal ins Krankenhaus", erklärt Kolck. Die Spezialisierung erfolge dann erst später im Beruf.

Zusammenarbeit mit Hofheim

Bereits vor einem Vierteljahr hat man sich hierzu mit der Altenpflegeschule Hofheim auf eine Zusammenarbeit verständigt. So kann in der Ausbildung neben der Kranken- auch die Altenpflege angeboten werden. Den dritten Bestandteil - die Kinderkrankenpflege - sichert eine Kooperation mit dem Schweinfurter Leopoldina-Krankenhaus.

"Die Organisation in größeren Verbünden hat sich als gut erwiesen", sagt Kolck. Bereits seit 15 Jahren kümmern sich die Haßberg-Kliniken und das Leopoldina-Krankenhaus in einem gemeinsamen Zweckverband um die Ausbildung der Krankenpflegekräfte. Die Kurse starten immer im Wechsel an einem der beiden Schulstandorte. So sei sichergestellt, dass jedes Jahr mit neuen Jahrgängen in die Ausbildung gestartet werden könne, erklärt der Vorsitzende.

Unglaublich strenge Aufsicht

Die ersten Absolventinnen der Haßfurter Schwesternschule standen unter genauer Beobachtung. Zum Beispiel waren Tanzen gehen oder ein Kinobesuch nur erlaubt, wenn zuvor die Lehrschwester ihren Segen für den Ausgang gegeben hatte. Auch die Arbeitszeiten waren streng geregelt. Um 6.15 Uhr ging es am Morgen los. Bis in den späten Abend (21.30 Uhr) hinein war der Tag mit Aufgaben gefüllt.

"Natürlich ist das heute überhaupt nicht mehr so", sagt Kolck mit Blick auf die strengen Verhältnisse von vor 60 Jahren. Die Auszubildenden hätten zum Beispiel ganz normale Arbeitszeiten, aber natürlich entsprechend der Schichtdienste im Krankenhaus. Am Ende der Ausbildung sollten die Azubis alle Abteilungen einmal gesehen haben, erläutert der Vorstandsvorsitzende weiter.

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Anders als früher werde der Theorie heute ein viel größerer Raum zugesprochen. "Gleichzeitig sind die Dokumentationspflichten erheblich gestiegen." Während die Patienten früher meist relativ lange im Krankenhaus blieben, spiele heute die Pflegeplanung eine große Rolle - und damit verbunden zum Beispiel die Frage, wo man mit dem Patienten in fünf Tagen stehen wolle.

Die Anforderungen an die Auszubildenden sind speziell, die Ausbildung "kein Selbstläufer". Neben Intelligenz und der Fähigkeit zu lernen brauche es auch Empathie und Freude am Umgang mit Menschen. "Diese Kombination ist nicht so häufig", sagt Kolck, der die Ausbildung mit einem dualen Studium vergleicht.

Kompetenzen erweitern sich

Der Bewerbermarkt hat sich im Laufe der Jahre ebenfalls verändert. Während es früher so viele Anfragen gab, dass die Klinik nicht viel Werbung machen musste, sei nun mehr Engagement gefragt. Unter anderem mit einem modernen Auftritt in den sozialen Medien und einer schnellen Reaktionszeit auf eingegangene Bewerbungen will man neue Azubis für sich gewinnen, wie Kolck berichtet.

Dirk Niedoba, seit diesem Jahr Leiter der Berufsfachschule, betont, dass die Pflege schon seit Langem eine hohe Durchlässigkeit habe. Nach der dreijährigen Ausbildung sei es möglich, eine Fachweiterbildung oder ein Studium anzuschließen. Wer wiederum die einjährige Ausbildung zum Krankenpflegehelfer, die auch für Schüler mit Mittelschulabschluss infrage kommt, schafft, könne im Anschluss in die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft starten. Insgesamt werde die Pflege zunehmend professionalisiert, sagt Niedoba. Die Pflegefachkräfte von morgen erhielten deutlich mehr Kompetenzen - und Verantwortung.

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