Gleusdorf
Zuschussvergabe

Schloss Gleusdorf: 52.000 Euro Förderung von der Landesstiftung

Für die seit Monaten laufende Dachsanierung der Seniorenresidenz erhält die Geschäftsführerin, die bis kurzem in U-Haft saß, eine staatliche Förderung.
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Das Gerüst und Überdach stehen seit Monaten, aktuell waren Zimmerleute wieder in Aktion, ein Teil des Schutzdaches ist auch offen, wie diese Aufnahme vom Wochenende belegt. Foto: Ralf Kestel
Das Gerüst und Überdach stehen seit Monaten, aktuell waren Zimmerleute wieder in Aktion, ein Teil des Schutzdaches ist auch offen, wie diese Aufnahme vom Wochenende belegt. Foto: Ralf Kestel
So erfreulich der Zuschuss für die Hausherren von Denkmälern in der Regel ist, diese Zuwendung dürfte für Diskussionen sorgen: Die Bayerische Landesstiftung in München bewilligte für die seit Monaten laufende Dachsanierung von Schloss Gleusdorf eine Zuwendung in Höhe von 52.000 Euro.

Dies geht aus ähnlich lautenden Mitteilungen der beiden unterfränkischen Landtagsabgeordneten Steffen Vogel (CSU) und Jürgen Fahn (Freie Wähler) hervor, wobei beide das Förderobjekt nicht genau benennen, sondern umschreiben.

Bei der Vergabe der Fördermittel finden laut Mitteilung der Landesstiftung, die 1972 aus der Vereinigung der Bayerischen Staatsbank mit der Vereinsbank hervorging, die Haushaltsvorschriften des Freistaates Bayern Anwendung.

Wie der Aschaffenburger Abgeordnete Fahn wissen ließ, gibt es die 52.000 Euro für "die statische Ertüchtigung des Dachstuhls des Anwesens Dorfstraße 2 in Gleusdorf, Gemeinde Untermerzbach", beim CSU-Kollegen und Stimmkreisabgeordneten Steffen Vogel aus Untertheres klingt's so: "Eine Antragstellerin aus dem Eberner Raum erhält 52.000 Euro für die Ertüchtigung eines Dachstuhls."


Antrag vor einem Jahr gestellt

Dabei handelt es sich um die Geschäftsführerin der Seniorenresidenz, die vor einem Monat unter Auflagen wieder aus der Untersuchungshaft entlassen wurde. Allein unter ihrem Namen firmiert laut Handelsregistereintrag seit 2005 eine Verwaltungs-Gmbh&CoKG, deren haftender Gesellschafter wiederum eine Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf Gmbh ist.

Auf Nachfrage bei der Landesstiftung in München hieß es, dass der Förderantrag im Mai 2016 eingegangen sei.
Die Bayerische Landesstiftung fördere bei Privatobjekten die Außensanierung von Baudenkmälern, wenn dem Baudenkmal vom Landesamt für Denkmalpflege eine ortsbildprägende Bedeutung zuerkannt wird. "Diese Voraussetzung für eine reine denkmalfachliche Förderung liegt vor", teilte Ministerialrat Walter Zellner als Leiter der Verwaltung mit.

Auf die Nachfrage, ob die im Raum stehenden Vorwürfe sowie die laufenden Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Kripo gegen die Leitung des Schlosses, über das die Bild-Zeitung Ende November 2016 mit "Horror-Heim" titelte, bei der Entscheidung des Stiftungsrates bekannt gewesen seien, kam von Ministerialrat Zellner ein kurzes und eindeutiges: "Nein".

Als Vorsitzender des Stiftungsrates fungiert Ministerpräsident Horst Seehofer, als Vorstand der Staatsminister a.D. Josef Miller. Weiter gehört u.a. der Forchheimer Ex-Abgeordnete Eduard Nöth (alle CSU) dem Gremium an.

Derweil laufen die Ermittlungen von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft weiter auf Hochtouren. Noch immer erfolgen Vernehmungen und es "tauchen auch ständig neue Fragen und Nachfragen auf", versicherte einer der Beamten. "Es wird noch eine Weile dauern, bis die einzelnen Aussagen den vorliegenden Unterlagen zugeordnet und damit abgeglichen sind."


Deutlich mehr Kontrollen

Deutlich erhöht wurde auf jeden Fall die Frequenz der Kontrollen. So fand am 20. April erst wieder eine gemeinsame Begehung mit Vertretern aus dem Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, der Regierung von Unterfranken, dem medizinischen Dienst der Krankenkassen und der Heimaufsicht am Landratsamt Haßberge in der geschlossenen Senioreneinrichtung an der Itz statt. Die Bewertung fiel laut Landratsamtssprecherin Monika Göhr so aus: "Übereinstimmend wurde festgestellt, dass die Versorgung und Betreuung der Bewohner sichergestellt ist."

In Noten drückt sich das aktuell so aus: 2,5 als Gesamtnote bei 59 Kriterien, 3,6 bei der Pflege und medizinischen Versorgung (32 Kriterien) - siehe dazu auch die vergleichende Übersicht ganz unten dieses Artikels.

Das Notensystem im Transparenzbericht der AOK (siehe: www.aok-pflegeheimnavigator.de) kritisieren aber selbst Menschen, die daran mitarbeiten, da es falsche Vorstellung assoziiert. Denn: "1,0 bedeutet gerade mal, dass alles so in Ordnung ist, wie man es erwarten darf. Alles, was schlechter als 1,0 ist, bedeutet, dass bereits Abstriche gemacht werden müssen", sagen dazu die Experten vom medizinischen Dienst (MDK), zumal allein mit groß gedruckten Speisekarten andere Defizite ausgeglichen werden können.

Der Pflegeheimnavigator weist noch weitere Schwächen auf. So basiert eine große Liste der dargestellten Angebote auf Angaben, die allein die Heimbetreiber selbst einstellen und wofür die AOK keine Gewähr auf Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der so gekennzeichneten Informationen übernimmt.


Kuren in Bad Staffelstein?

So wirbt die Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf, deren eigene Homepage sich seit der Hausdurchsuchung und den Festnahmen am 24. November 2016 im Neuaufbau befindet, bei der Tagesgestaltung/Freizeitangeboten immer noch mit einer wöchentlichen Schwimmgruppe im Thermalbad Staffelstein. Es gibt auch Belege von Besuchen einiger Heimbewohner in Staffelstein. Eigenbelege, die die Sekretärin der Gleusdorf-Geschäftsleitung selbst ausgefüllt und abstempelt hat.

Dazu gehören auch - unserer Redaktion vorliegende - Belege aus der Akte einer Seniorin, deren Arzt in einem Gutachten ausdrücklich davon abgeraten hat, die Therme in Staffelstein zu besuchen.

Auch ist "eine Seniorengruppe Schloss Gleusdorf bei uns als Besuchsgruppe namentlich nicht bekannt", erfuhr unsere Redaktion auf Nachfrage in der Geschäftsleitung des Zweckverbandes Thermalsolbad Bad Staffelstein. "Gruppentarife gibt es ab 20 Personen. Gruppen, die sich anmelden oder regelmäßig kommen, werden registriert."

Es gibt es auch Rabatte für Dauerbesucher, die sich eine Chipkarte für 100 oder 200 Euro lösen. Auch die werden mit Namen und Anschrift erfasst.

"Ich habe mich mit unserem Personal vom Empfang in Verbindung gesetzt, von einer Gruppe aus Schloss Gleusdorf ist dort nichts bekannt", teilte die Therme-Marketingleiterin unserer Redaktion mit.


Die Noten aus dem AOK-Pflegenavigator aufgrund der Besuche in den letzten Jahren

Stichtag Gesamtergebnis Pflegenote überprüfte/befragte Bewohner
08. Februar 2017: 2,5 3,6 9/5
19. August 2016: 1,7 2,2 10/4
10. Februar 2016: 1,7 2,6 9/4
08, März 2011: 2,5 2,4 9/7
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