LKR Haßberge
Selbstversuch

40 Tage Müll-Diät sind vorbei: So verlief das Experiment Plastikfasten

Sechs Wochen sind vergangen, seitdem Volontärin Dunja Neupert ihren Selbstversuch gestartet hat. Die Fastenzeit endet am Gründonnerstag und mit ihr der strenge Verzicht. Zeit für ein Resümee.
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Zufrieden nach dem Experiment: Zu diesem Plastikberg im Wertstoffhof hat Dunja Neupert 40 Tage lang nicht beigetragen. Foto: Christoph Wiedemann
Zufrieden nach dem Experiment: Zu diesem Plastikberg im Wertstoffhof hat Dunja Neupert 40 Tage lang nicht beigetragen. Foto: Christoph Wiedemann

"Wie schwer kann das schon sein?", habe ich vor 40 Tagen gedacht. Zugegeben ein bisschen naiv. Spätestens nach einem Blick in den Kühlschrank und dem ersten Einkauf im "Stamm-Supermarkt" um die Ecke wurde das glasklar. So einfach sollte mein Fastenexperiment nicht werden. Aber es sollte schließlich eine Herausforderung sein. Bewusster Verzicht - wenigstens einmal im Jahr parallel zur Fastenzeit vor Ostern - ist ein perfekter Einstieg in den Ausstieg. In den Ausstieg aus alten Gewohnheiten. Zeit, seinen Konsum mal zu hinterfragen. Einfach mal keinen unnötigen Plastikmüll anhäufen. Ein bisschen mehr Nachhaltigkeit üben.

Noch mehr als zuvor wurde mir in der Fastenzeit bewusst, wie viel Plastik im Alltag lauert. Beim Einkaufen habe ich nach kürzester Zeit die Kontrolle über die Plastikverpackungen. Was ich nicht unverpackt bekomme, muss eben im Laden bleiben. Und das ist leider einiges. Lieb gewonnene Produkte bleiben in den sechs Wochen Ladenhüter. Ich faste dadurch gezwungenermaßen neben Plastikmüll auch einen Haufen Süßkram und Knabbereien, eine Menge Obst und Gemüse, das ich nicht unverpackt bekommen habe, sowie mein allerliebstes Knuspermüsli.

Die Fallen lauern aber nicht nur beim Einkauf von Lebensmitteln und Drogerieprodukten. In Bars und Restaurants muss ich dem Kellner schon beim Bestellen sagen, dass ich keinen Strohhalm in meinem Getränk möchte. Coffee-to-go gibt es nur noch im eigens mitgebrachten Mehrwegbecher. Und der Gang zum Imbiss oder Metzger wird zur Farce. Unverpackt oder gar in meinen eigenen Behälter einpacken? Oft reagieren die Verkäufer überfordert. Eine Verkäuferin eines Metzgers in einem Supermarkt schießt den Vogel ab.

So geht's nicht!

Mein Freund und ich bestellen ein Leberkäs- und ein Schnitzelbrötchen. Sie hat schon Alufolie und Plastiktüte gezückt, da sage ich ihr, dass ich keine Verpackung brauche. Irritierter Blick. Als dann auch noch mein Freund abwinkt, ist die Frau vollends überfordert: "Das geht nicht. Irgendwo muss ich doch meinen Zettel draufkleben." So geht das Brötchen mit Preis über die Theke. Kaum aus dem Laden landen Plastiktüte und Alufolie im Müll. Wie unnötig.

Die mit Bedacht eingesetzten "Joker" habe ich aufgebraucht sowie viele Produkte in meinem Badezimmer. Erstaunlich, wie viel Shampoo und Duschgel ich auf Vorrat hatte. Doch auch hier gibt es heute massenweise Alternativen. Ohne Plastikverpackung und ohne Mikroplastik. Ehrlicherweise muss ich jedoch gestehen, dass mir Haarseife und Kautabletten statt Zahnpasta nicht gefallen. Ebenso wenig wie selbstgemachtes Waschmittel. Ich mag wohlduftende und weiche Wäsche zu gerne. Das hat die Kombi aus Kernseife und Soda nicht erfüllt.

Normalerweise gehe oder radle ich regelmäßig zum Einkaufen. Das gelingt mir in der Fastenzeit kaum. Zu viele Umwege muss ich für verpackungsfreie Alternativen machen. Zu schwer und unhandlich sind die Tupperdosen und Gläser, die ich mitschleppen muss. Ist das jetzt wirklich umweltfreundlicher, wenn ich mehr Autofahren muss? Und werden Joghurtgläser und Milchflaschen nicht unter deutlich höherem Energieaufwand produziert und recycelt als Plastik? Ich bin hin und hergerissen. Ist mein Plastikverzicht wirklich ökologischer? Und auch Plastik einfach durch Papier zu ersetzen, kann keine adäquate Lösung sein, da es den Druck auf die Wälder erhöht.

Frage der Abwägung

Plastikverzicht ist also ganz klar Abwägungssache. Genauso wie der finanzielle Aspekt. Einzelne Produkte waren auf dem Markt oder im Unverpackt-Laden deutlich teurer als im Supermarkt oder Discounter - ebenso wie Milchprodukte aus Glas im Vergleich zu Tetra Pak und Plastikbecher. Ob ich insgesamt mehr oder weniger Geld ausgegeben habe, kann ich nicht hundertprozentig sagen. Ich führe nicht Buch darüber, wann ich wie viel Geld für Einkäufe bezahle. Zudem habe ich in den 40 Tagen des Experiments weitestgehend andere Produkte als zuvor besorgt oder einiges eben gar nicht erst gekauft. Mein Bewusstsein für unnötige Leichtverpackungsmaterialien hat der Selbstversuch Plastikfasten definitiv geschärft.

Und ich nehme mir für die Zukunft vor, aufmerksamer einkaufen zu gehen. Finde ich keine Alternative, achte ich freilich darauf, die Verpackungen richtig zu recyceln. Die einzelnen Teile ordentlich zu trennen und eben auch den Alu-Deckel vom Plastik-Joghurtbecher separat in den Gelben Sack zu schmeißen. Denn sonst - das weiß ich jetzt - hat die Sortiermaschine Probleme, die Werkstoffe zu erkennen. Die wahren Umweltsünder sind sowieso diejenigen, die ihren Müll nicht richtig entsorgen. Ob Papier, Glas oder Verpackungen aus Naturfasern - Müll gehört in die entsprechende Tonne oder wenigstens den Restmüll. Keinesfalls jedoch in die Natur. Punkt.

Plastik ist nicht generell zu verteufeln, sondern vor allem Wegwerfplastik. Kaum eine Chance auf weniger Kunststoff haben Verbraucher bei Autos und Produkten aus dem Elektronikbereich. Auch bei der Hygiene (Krankenhäuser und Altenheime) spielt Plastik eine große Rolle. Lego und Playmobil für Kinder: großartig! Aber Wegwerfprodukte müssen eingedämmt werden. Auch die aus anderen Materialien als Plastik. Doch das ist ein anderes Thema. Sie ahnen es - ein großes!

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