Haßfurt
Prozess

34-Jähriger liefert sich selbst der Polizei aus

Das Amtsgericht in Haßfurt verhandelte gegen einen Autofahrer, dem zahlreiche Vergehen vorgeworfen werden.
Artikel drucken Artikel einbetten

Den weiten Weg von der Ostsee nach Haßfurt musste ein 34-Jähriger auf sich nehmen, um sich am Freitag am Amtsgericht wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu verantworten. Dabei hätte er den Gerichtstermin leicht selbst verhindern können, wenn er nicht von sich aus in einer Juli-Nacht im Jahr 2015 in der Nähe von Ebern aus seinem Fahrzeug ausgestiegen und so die Aufmerksamkeit einer Polizeistreife auf sich gezogen hätte.

Die Polizeibeamten waren zur Verkehrsüberwachung im Rahmen des damals stattfindenden Eberner Altstadtfests unterwegs und hatten sich mit ihrem Streifenwagen neben der Straße in der Nähe der ehemaligen Kaserne postiert. Der Angeklagte parkte mit einem Mietwagen in der Nähe der Polizeistreife. Die Beamten hätten dem heute 34-Jährigen wohl keine Beachtung geschenkt, wäre der Mann nicht laut Aussage eines der Beamten aus seinem Auto gestiegen und auf die Beamten zugelaufen.

Die Polizisten entschieden sich für eine "allgemeine Fahrzeug- und Personenkontrolle". Da der Angeklagte weder Fahrzeugschein noch Führerschein vorzeigen konnte, ließen sie sich seine Personalien geben, um diese in ihren mitgeführten PC einzugeben. Es war ein Volltreffer: Der Angeklagte war mit einem Haftbefehl zur Fahndung ausgeschrieben. Zudem meldete der Computer, dass gegen ihn ein Fahrverbot bestand. Im Handschuhfach fanden die Beamten ein Bündel Bargeld im Wert von rund 6000 Euro, das sie sicherstellten. Sie nahmen den Angeklagten vorläufig fest und brachten ihn auf die Polizeidienststelle in Ebern.

Dort verhielt sich der 34-Jährige nach Aussage der Beamten vor Gericht nicht gerade vorbildlich. Einen Drogen- und Urintest lehnte er ab. Der Alkoholtest verlief mit null Promille negativ. Als die Beamten eine Blutentnahme vornehmen wollten, drohte er ihnen, zunächst "den Fuß ins Gesicht" zu rammen, ließ sich dann aber doch Blut abnehmen, in dem eine Restmenge an Drogen gefunden wurde, allerdings knapp unterhalb der verbotenen Menge. "Ihr werdet sehen, wie euch mein Anwalt vor Gericht den Arsch aufreißt", soll er außerdem angedroht haben. "Er versuchte, Katz und Maus mit uns zu spielen", sagte ein Beamter im Zeugenstand.

Ganz anders lautete die Einlassung des Angeklagten: Das Fahrverbot sei nicht rechtskräftig gewesen, da er Einspruch eingelegt habe, gab er zu Protokoll. Die Polizisten hätten ihre Waffe gezogen und ihn zum Aussteigen aus dem Auto aufgefordert. Als er auf der Wache einen Anwalt anrufen wollte, hätten sie ihm das Handy weggenommen. Er habe nicht auf die Toilette gehen dürfen und habe fünf Stunden lang nichts zu trinken bekommen. Er habe auf einem Bein stehend bis 1000 zählen müssen. Es sei die reine Schikane gewesen, schilderte er. Er habe Angst gehabt. Nach dem Vorfall habe er Franken verlassen und sei in den Norden gezogen.

Eine Einstellung des Verfahrens kam für das Gericht nicht in Frage. Denn es handelte sich um die dritte Straftat innerhalb einer offenen Bewährung. Weitere Zeugen sollen vernommen werden, um die Vorfälle aufzuklären. Die Verhandlung wird am 5. April fortgesetzt. Dann darf der Angeklagte erneut die weite Reise in seine ehemalige Heimat antreten.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren