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Ebern
Drogenprozess

Vater lässt Crystal Meth herumliegen - Sohn (1) kaut die Droge und stirbt fast

Das Landgericht Bamberg verurteilte einen Mann aus dem Kreis Haßberge, dessen eineinhalbjähriger Sohn Crystal Meth geschluckt hatte.
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Das ist die Droge Crystal Meth, um die es bei dem Prozess in Bamberg ging und die ein Bub geschluckt hatte.Symbolfoto: Arno Burgi/dpa
Das ist die Droge Crystal Meth, um die es bei dem Prozess in Bamberg ging und die ein Bub geschluckt hatte.Symbolfoto: Arno Burgi/dpa

Der Leichtsinn seines drogenabhängigen Vaters hat einen eineinhalbjährigen Jungen im September vergangenen Jahres fast das Leben gekostet. In einem unbeaufsichtigten Augenblick nahm das Kleinkind ein Tütchen mit fünf Gramm der Droge Metamphetamin, auch bekannt als Crystal Meth, das auf dem Wohnzimmertisch herumlag, wohl in den Mund und kaute darauf herum.

Dabei platzte die Plastiktüte auf und ein Teil des Rauschgifts gelangte in den Mund des Kindes, das einen kleinen Teil des Pulvers - etwas 0,2 Gramm - verschluckte. Nur dem fachkundigen Handeln eines Notarztes verdankt das Kind sein Leben.

 

Kleinkind schluckt Meth: Vater muss fünf Jahre in Haft

Am Donnerstag verurteilte das Landgericht Bamberg den 29-jährigen Vater aus dem nördlichen Landkreis Haßberge unter anderem wegen vorsätzlicher Körperverletzung und bewaffneten Drogenhandels zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zwei Monaten. Gleichzeitig ordnete das Gericht die Einweisung in eine Entziehungsanstalt an. Es sei erschreckend, welche Auswirkungen die Droge Methamphetamin habe, sagte Richter Markus Reznik in der Urteilsbegründung. Der Angeklagte habe Glück gehabt, dass das Verfahren gegen ihn an der Dritten Strafkammer verhandelt wurde und nicht an der Zweiten Strafkammer, dem Schwurgericht. Denn das Leben des Kindes habe am seidenen Faden gehangen.

Besonders verwerflich sei es, fuhr der Richter fort, dass der Angeklagte auch nach dem Vorfall weiterhin Drogen in seinem Keller im nordöstlichen Landkreis Haßberge produziert habe. Der Angeklagte hat bereits eine Therapie hinter sich, die er jedoch abbrach. "Dies ist Ihre letzte Therapie und Ihre letzte Chance", schrieb ihm der Vorsitzende hinter die Ohren.

Vater lügt die Ärzte an

Der Angeklagte hatte seinen Sohn zunächst nach dem Schlucken der Droge in das Krankenhaus in Ebern gefahren, wo er wahrheitswidrig angab, das Kind habe "Waschmittel" verschluckt. Der herbeigerufene Notarzt sagte vor Gericht, dass ihn diese Aussage stutzig gemacht habe. Denn Waschmittel würde schäumen, was bei dem Kind jedoch nicht festzustellen war. Der Eineinhalbjährige habe einen erhöhten Herzschlag, feuerrote Haut und erweiterte Pupillen gehabt. Erst nach mehrmaligem Nachfragen habe der Vater zugegeben, dass sein Sohn Crystal verschluckt habe. Auf der Fahrt in die Kinderklinik Coburg habe das Kind einen Krampfanfall erlitten, wobei akute Lebensgefahr bestand. Der Arzt verabreichte dem kleinen Patienten ein starkes Narkosemedikament und rettete ihm so sein Leben.

Professor Stefan Seidel von der rechtsmedizinischen Abteilung der Uniklinik Erlangen sagte in seinem Gutachten, dass der Junge über 1500 Nanogramm pro Liter Amphetamin in seinem Blut gehabt habe, was ein exzessiver und lebensgefährlicher Wert sei. Amphetamin werde auch als Medizin eingesetzt.

 

Der Wert betrage dann zehn bis 50 Nanogramm pro Liter. Wenn der Angeklagte sofort den Notarzt gerufen hätte und ihm sofort die Wahrheit gesagt hätte, dass sein Sohn Crystal verschluckt habe, dann hätte der Notarzt den Magen auspumpen oder Aktiv-Kohle verabreichen können, so dass das Rauschgift seine Wirkung nicht hätte entfalten können, so der Gutachter.

 

Drogen seit dem 14. Lebensjahr

Ein Unbekannter ist der Angeklagte vor Gericht nicht. Seit seinem 14. Lebensjahr nimmt er Drogen. Sechs Einträge stehen in seinem Vorstrafenregister - allesamt Drogendelikte. Mehrmals saß er schon hinter Gittern. Psychiater Christoph Matern bescheinigte ihm eine Mehrfach-Abhängigkeit. Die Steuerungsfähigkeit sei bei der Tat jedoch nicht beeinträchtigt gewesen, erklärte der Fachmann.

Der Staatsanwalt sagte, dass das Kind glücklicherweise keine Spätfolgen aufweise. Er sah den Tatbestand des gewerbsmäßigen Drogenhandels "in einem besonders schweren Fall" und forderte eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten. Verteidiger Joachim Voigt bescheinigte seinem Mandanten eine "suchtmittelbedingte Kritik- und Distanzlosigkeit". Gefunden habe man bei der Hausdurchsuchung nur ein Pfefferspray, was keine echte Waffe sei. Daher gehe er von einem minderschweren Fall des Handeltreibens aus und erachtete eine dreijährige Freiheitsstrafe und die Einweisung in eine Entziehungsanstalt für angemessen.

"Des kann so net weitergehn. Meine Frau und mein Kind brauchen mich", lautete das letzte Wort des Angeklagten. Der Vorsitzende pflichtete ihm bei. Ansonsten werde er "Dauergast in bayerischen Justizanstalten", gab er dem Verurteilten mit auf den Weg. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

 

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