Haßfurt
Amtsgericht

29-Jähriger muss für Beleidigung zahlen

Weil er einen Polizisten beschimpft hatte, wurde ein Obdachloser zu einer Geldstrafe in Höhe von 525 Euro verurteilt.
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Auch wer betrunken ist, darf andere nicht beleidigen oder mit Waffen bedrohen. Foto: Archiv, dpa
Auch wer betrunken ist, darf andere nicht beleidigen oder mit Waffen bedrohen. Foto: Archiv, dpa
"ACAB" - manche übersetzen das scherzhaft mit "Acht Cola, acht Bier." Andere mit "Anne-Catrin aus Berlin." Aber gerade wenn diese Abkürzung einem oder mehreren Polizeibeamten an den Kopf geworfen wird, handelt es sich um eine üble Beleidigung. Das Kürzel steht für die englischsprachige Parole "All cops are bastards", und das heißt wörtlich übersetzt: "Alle Polizisten sind Bastarde." Wegen einer solchen Ehrverletzung, wie es juristisch heißt, und einer kleinen Sachbeschädigung wurde ein 29-jähriger Obdachloser bei einem Prozess am Amtsgericht in Haßfurt zu einer Geldstrafe von 35 Tagessätzen á 15 Euro, also zu insgesamt 525 Euro verurteilt.

Der Vorfall spielte sich im Mai vergangenen Jahres in Ebern ab. Nachdem der Angeklagte an diesem Tag ziemlich blau war (vor Gericht konnte er sich an fünf bis sechs Bier erinnern), ließ er seine schlechte Laune an Polizisten aus.
Neben der Buchstabenkombination titulierte er sie auch als Affengesichter und Clowns sowie mit weiteren, nicht druckreifen Worten. Am Abend drückte er - aus heute unerfindlichen Gründen - die Plexiglasscheibe eines Schaukastens an einer Gastwirtschaft ein und verursachte dadurch einen Schaden von etwa 30 Euro.


Geständnis

Von Amtsrichterin Ilona Conver auf diese in der Anklageschrift erhobenen Vorwürfe angesprochen, wollte sich der mittellose Mann erst einmal gar nicht äußern - was sein gutes Recht ist. Staatsanwalt Ralf Hofmann machte ihn jedoch darauf aufmerksam, dass sich ein Geständnis in der Regel strafmildernd auswirkt. Da zwei der beleidigten Beamten als Zeugen vor der Tür warteten, konnte sich auch der Beschuldigte an seinen fünf Fingern abzählen, was dabei herauskommen würde, wenn man die Ordnungshüter in den Zeugenstand rufen würde. Also ging er in sich und gab alles ungeschönt zu.

Zum Motiv sagte er, dass er damals Stress mit seinem Onkel hatte. Daher habe er "ä weng zu viel gätrunken". Bei einem der Polizisten hatte er sich bereits im Vorfeld entschuldigt, dem anderen sagte er im Gerichtssaal, dass ihm der Vorfall leid tue. Der Angesprochene nahm die Entschuldigung an, machte ihm jedoch klar, dass es so einfach nicht gehe und dass er sich im Dienst "nicht dumm anmachen" lassen müsse.

Strafverschärfend wirkten sich zwei Vorstrafen aus. 2010 war der Mann wegen Schwarzfahrens und 2013 wegen einer Sachbeschädigung jeweils zu kleinen Geldstrafen verurteilt worden. In ihrem - noch nicht rechtskräftigen - Richterspruch hielt sich die Vorsitzende an den Antrag von Staatsanwalt Ralf Hofmann. Der Verurteilte lebt zurzeit in einer Unterkunft für Obdachlose und verfügt außer dem Sozialhilfe-Tagessatz über kein weiteres Einkommen. Deshalb wies sie den Mann darauf hin, dass - in Absprache mit den Justizbehörden - die Geldstrafe auch abgearbeitet werden kann.
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