Sommerserie (9)

250 Einwohner und eine Kommunbräu: inFranken-trifft in Junkersdorf

Junkersdorf in den Haßbergen, das sind knapp 250 Einwohner in etwa 60 Wohngebäuden. Eine Kirche gibt es und einen Hausbrauverein.
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Werner Heyn erklärt uns, wie das Bierbrauen in dem uralten Gemäuer des Kommunbrauhauses bis auf den heutigen Tag funktioniert. Matthias Hoch
Werner Heyn erklärt uns, wie das Bierbrauen in dem uralten Gemäuer des Kommunbrauhauses bis auf den heutigen Tag funktioniert. Matthias Hoch
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Beinahe hätten wir auf dem Weg zu unserem Einschlagsort ein im Maisfeld aufgescheuchtes Reh über den Haufen gefahren - das hatten wir auch noch nicht. Das Rotwild war aber auch das einzige, was wir im näheren Umfeld unseres Pfeileinschlags mitten auf einem Acker in der Nähe von Junkersdorf an Leben erspähen konnten. Nichts als Gegend - ansonsten keine Menschenseele. Nach einer kurzen Pause peilen wir bei über 30 Grad in nicht vorhandenem Schatten deshalb die Ortschaft an. In der Mittagshitze haben sich natürlich in der 250-Seelengemeinde ebenfalls alle verdrückt. Wir suchen unser Heil in der auf einer Anhöhe errichteten Kirche. Immerhin, die Tür ist offen. Wir stehen in einer evangelischen Chorturmkirche, das Langhaus knapp 300 Jahre alt. Anders der Chorraum, hier finden sich interessante Fresken und Wandmalereien aus der Zeit um 1450. Für denjenigen, der sich in der Nähe aufhält, durchaus einmal ein lohnender Abstecher. Am Pfarrhaus gleich neben der Kirche braucht allerdings nicht geläutet zu werden, es steht leer. Wohl auch die dazugehörige Pfarrscheune.

Wir suchen immer noch einen Junkersdorfer und erspähen in Kirchennähe eine Art offenstehender Werkstatt, die zur Garage umfunktioniert wurde. Endlich schaut auf der gegenüberliegenden Seite jemand aus dem Fenster. Anne-Marie Treutlein erzählt uns, dass ihr verstorbener Vater früher als Schmied gearbeitet hat. Die alte Schmiede mit Esse und allem nötigen Werkzeug ist noch komplett vorhanden, dient heute allerdings als Garage. Ihr Mann Oswald kommt dazu.

Von ihm erfahren wir, dass sich die Treutleins jedes Jahr beim Königsberger Faschingsumzug betätigen und dass es im Ort jede Menge Vereine gibt, angefangen vom Gesangsverein, dem Brauverein, dem Posaunenchor und Gartenbauverein, bis hin zum Feuerwehrverein, dem Obst- und Gartenbauverein und dem Anglerverein. Der veranstaltet jedes Jahr an Fronleichnam ein über die Ortsgrenzen von Junkersdorf hinaus bekanntes Anglerfest.

Und sonst? Geschäfte? Kneipen? Ein Arzt? Betriebe? Fehlanzeige. Nichts. Halt! Nicht ganz. Einen Betrieb gibt's im Ort, den Maschinenbau Hölzer. Für uns das Signal zum sofortigen Aufbruch. Nichts wie hin also. Das stellt auch kein größeres Problem dar, weil das Unternehmen zu Fuß innerhalb weniger Minuten erreicht ist. Vor der Betriebshalle stoßen wir auch gleich auf den Chef Gerd Hölzer. Der hat zwar nicht mit uns gerechnet, gewährt uns aber dennoch einen kurzen Blick in seine Produktionshalle. Sondermaschinen und Spezialwerkzeuge für die Kunststoffindustrie stellt Hölzer hier zusammen mit zehn Mitarbeitern her.

Der gebürtige Junkersdorfer, der 25 Jahrre lang bei den fränkischen Rohrwerken im nahen Königsberg gearbeitet hat, ehe er sich selbstständig machte, liefert inzwischen in alle Welt. Sein Werkzeug landet in den USA, in Mexiko, oder auch in Monaco. Und warum ausgerechnet Junkersdorf? Das ist für den 52-Jährigen keine Frage. Daheim ist eben daheim. Seien Standorttreue bereut er also nicht. Obwohl er Probleme hat, Fachkräfte zu finden. Probleme, die er andernorts wohl auch hätte. Das örtliche Kommunbrauhaus haben wir uns bis zum Schluss aufgehoben, quasi als krönenden Abschluss. Wir fragen uns in der wegen Kanalbauarbeiten aufgerissenen Dorfstraße nach Werner Heyn durch. Der hat die Schlüssel für das Brauhaus und kann Gäste führen. Dass das der rüstige Rentner in der Tat kann und noch dazu mit viel Herzblut praktiziert, erfahren wir gleich. Mit einem riesigen Schlüssel, der das gleiche Alter haben dürfte wie das Kommunbrauhaus, in dem seit 1733 gebraut wird, öffnet uns unser Führer das Tor in das historische Gewölbe mit Maischbottich, Sudkessel und Kühlschott - alles aus Eisen. Gebraut wird nur obergäriges Bier, und zwar im Frühjahr und Herbst, verbunden mit dazugehöriger Festlichkeit und einem schmackhaften Aschenbraten. Da ist dann das halbe Dorf auf den Beinen, wenn's Hausbraubier gibt. Es ist also doch was los in Junkersdorf.



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