Haßfurt
Urteil

21-Jähriger muss ins Gefängnis

Das Jugendgericht brummt dem Angeklagten eine fünfmonatige Freiheitsstrafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Bedrohung auf.
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Zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten ohne Bewährung hat das Jugendgericht am Amtsgericht Haßfurt am Montag am zweiten Verhandlungstag einen 21-Jährigen aus dem Landkreis Haßberge verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts hat der Angeklagte am 15. Juli vergangenen Jahres am Rande der "Italienischen Nacht" in Sylbach gegen 1 Uhr nachts einen 20-jährigen Festbesucher mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Der Geschädigte fiel dabei rückwärts auf ein geparktes Auto und verlor für kurze Zeit das Bewusstsein. Er erlitt eine Platzwunde an der Lippe und Prellungen an Kopf und Knie, die ihn noch zwei bis drei Wochen belasteten.
Der Angeklagte hatte bereits am ersten Verhandlungstag am 15. Januar die Schuld weit von sich gewiesen und einen 20-Jährigen als Täter belastet. Mehrere Zeugen entlasteten im Zeugenstand den Angeklagten, obwohl sie in der polizeilichen Vernehmung den Angeklagten teilweise noch belastet hatten. Sie nannten ebenfalls den 20-Jährigen als Täter, wie es bereits zuvor der Angeklagte getan hatte.
Da die Aussagen der Entlastungszeugen fast wortgleich mit der Aussage des Angeklagten waren, vermutete die Staatsanwältin eine vorherige Absprache zwischen Zeugen und Angeklagten und eine Falschaussage der Zeugen, denen sie ein Verfahren wegen falscher Aussage androhte.
Am Montag musste nun der vom Angeklagten und den Zeugen genannte angebliche Täter aussagen. Der 20-Jährige gab an, er sei betrunken gewesen, habe aber niemanden geschlagen. Der Angeklagte präsentierte dem Gericht ein Handy-Video, das den 20-jährigen vermeintlichen Täter mit blutverschmierten Händen am Tattag zeigte. Da das Video nicht in unmittelbaren Zusammenhang mit der Tat gebracht werden konnte, schenkte das Gericht ihm keine Aufmerksamkeit.


Staatsanwalt für sieben Monate

Für den Staatsanwalt war klar: Der Angeklagte sei der vorsätzlichen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Bedrohung schuldig. Zu seinen Gunsten sei zu werten, dass zwar ein Diebstahl seinen Bundeszentralregisterauszug "ziert", er aber nicht einschlägig vorbestraft ist. Negativ zu Buche schlage aber, dass er die Zeugen zu einer Falschaussage verleitet habe. Deshalb forderte der Anklagevertreter eine siebenmonatige Haftstrafe ohne Bewährung.
Verteidiger Andre Kamphausen verwies darauf, dass die Belastungszeugen sagten, sein Mandant habe "mit hoher Wahrscheinlichkeit" zugeschlagen. Tatsache sei, dass es zum Tatzeitpunkt dunkel war. Keiner der Zeugen habe bei der Tat direkt daneben gestanden. Es gebe das Video mit den blutverschmierten Händen des 20-Jährigen. Somit gebe es erhebliche Zweifel daran, dass der Angeklagte zugeschlagen habe. Dieser sei daher nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" (im Zweifel für den Angeklagten) freizusprechen.
Der Angeklagte fügte hinzu, dass er beruflich eine Führungsposition anstrebe. "Ich bin es 1000-prozentig nicht gewesen. Ich würde mir doch nicht meine Zukunft versauen", warf er ein.
Richter Martin Kober überzeugte er damit nicht. Dieser sah die Schuld des Verurteilten als erwiesen. "Ganz schlecht" komme es vor Gericht an, wenn "jemand schon vor dem Prozess Ermittlungen anstellt", erklärte Kober. Die zwei Belastungszeugen und der Geschädigte hätten zweifelsfrei den Angeklagten beschuldigt.
"Warum sollten die sich ihre Geschichte ausdenken?", stellte der Vorsitzende in den Raum.


Schweigen wäre besser gewesen

Eine Absprache zwischen dem Angeklagten und Zeugen sei zwar nicht strafbar, eine Falschaussage aber schon, sagte der Richter. Es sei "höchst anrüchig", Belastungszeugen zu beeinflussen und "an Stellschrauben zu drehen. Dieses Nachtatverhalten führt Sie fünf Monate in den Knast. Es wäre besser für Sie gewesen, die Aussage zu verweigern und zu schweigen", sagte Kober.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verurteilte überlegt, ob er in Berufung am Landgericht Bamberg geht.
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