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Haßfurt
Drogenprozess

20-Jähriger kommt glimpflich davon

Das Jugendschöffengericht in Haßfurt konnte einem jungen Mann Rauschgiftdelikte nur teilweise nachweisen.
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Mit rund einem halben Kilogramm Marihuana soll ein 20-Jähriger aus den nördlichen Landkreis Haßberge laut Anklage der Staatsanwaltschaft im Jahr 2017 Handel getrieben haben, weshalb er sich am Montag vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht in Haßfurt verantworten musste. Dort drohte ihm eine Freiheitsstrafe.

Doch es verlief anders. Weil der Hauptbelastungszeuge bereits zum zweiten Mal unentschuldigt nicht vor Gericht erschien, kam der Angeklagte mit einer Geldauflage in Höhe von 700 Euro, zahlbar an den Kreisjugendring, davon. Verurteilt wurde er "nur" für den Besitz von etwas mehr als vier Gramm des berauschenden "Grases". In fünf Anklagepunkten wurde er freigesprochen.

Bei drei Gelegenheiten im Juni 2017 soll der 20-Jährige laut Anklage rund 300 Gramm Marihuana an den Hauptzeugen verkauft haben. Ein weiteres Verkaufsgeschäft über 200 Gramm sei bereits vereinbart gewesen. Anhaltspunkte dafür, dass die Geschäfte tatsächlich stattfanden, fanden sich laut einem ermittelnden Polizeibeamten der Kripo Coburg bei der Auswertung des Handys des Angeklagten. "Bringst du das Geld vom letzten Mal noch mit", schrieb der Angeklagte dem Hauptzeugen per "telegram", einem Messenger-Dienst, dessen Nachrichten sich nur Sekunden nach dem Aufruf löschen, so der Kripo-Beamte. Aus diesem Grund habe man die Handy-Nachrichten abfotografiert. Als Deckname für seine Rauschgiftgeschäfte habe der Angeklagte das Pseudonym "Hokuspokus" verwendet, um seine Identität zu verschleiern.

Doch allein diese Hinweise auf Drogengeschäfte reichten dem Gericht nicht zu einer Verurteilung aus. Der nicht erschienene Hauptbelastungszeuge hatte zudem in der Vergangenheit mehrmals seine Unglaubwürdigkeit untermauert, indem er Unschuldige falsch belastete, um danach seine Aussage zu widerrufen. Ein weiterer Zeuge, der am Montag in kurzer Hose und T-Shirt auflief, hatte im Zeugenstand starke Erinnerungslücken.

Zwei Delikte konnte das Gericht dem Angeklagten jedoch nachweisen: Einer Polizeistreife fiel im Oktober 2017 in Oberfranken ein Autofahrer wegen seiner rasanten Fahrweise auf. Als sie den Wagen stoppte, schlug den Beamten deutlicher Grasgeruch entgegen. Der Angeklagte war damals Beifahrer, der zunächst wie der Fahrer Drogenbesitz weit von sich wies. Erst als die Beamten mit einem Drogenspürhund drohten, zückte der Angeklagte ein Tütchen mit drei Gramm Marihuana und gab zu, dass es ihm gehörte. Am 7. Juli vergangenen Jahres war der Angeklagte darüber hinaus mit einem Gramm Gras in Sand unterwegs und wurde erwischt.

Ganz unbekannt ist er den Ermittlern nicht. Im Jahr 2016 kam er schon einmal wegen Drogenbesitzes mit dem Gesetz in Konflikt. Laut Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich hatte der Heranwachsende Angst vor Repressalien "aus der Szene", weshalb er bereits stationär in einer psychiatrischen Klinik untergebracht war. Zwei Ausbildungen brach er ab - wohl auch, weil er gleichzeitig mehrere Joints am Tag rauchte. Doch das Thema Drogen habe der 20-Jährige abgeschlossen, versuchte Verteidiger Jochen Kaller seinen Mandanten in ein gutes Licht zu rücken. Vorsitzender Richter Martin Kober warf ein, dass der nächste Strafbefehl bereits unterwegs sei, weil der Angeklagte wieder mit Marihuana erwischt wurde. Der Staatsanwalt forderte für den Besitz der vier Gramm Gras eine Geldauflage von 1500 Euro. Der Verteidiger hielt 500 Euro für ausreichend. Das Schöffengericht beließ es bei der Strafe im unteren Bereich, weil die Taten lange Zeit zurückliegen.

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