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Haßfurt
Strafprozess

19-Jährige ist völlig ausgerastet

Das Jugendgericht am Haßfurter Amtsgericht stellte das Verfahren gegen eine Angeklagte ein, obwohl sie gespuckt, beleidigt und geschlagen hatte. Die offenbar psychisch krank Frau stand unter Medikamenten- und Alkoholeinfluss.
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Das Amtsgericht Haßfurt.
Das Amtsgericht Haßfurt.
Obwohl die 19-jährige Angeklagte nachweislich einer 25 Jahre alten Frau mit der Faust ins Gesicht schlug, obwohl sie ihr Opfer als Hure, Nutte und Schlampe beschimpfte und obwohl sie einen Polizisten anspuckte, hat das Jugendgericht am Amtsgericht Haßfurt gestern das Verfahren gegen die Heranwachsende ohne Auflagen eingestellt.

Maßgeblich dafür war die Tatsache, dass die junge Frau psychisch krank ist. Zum Tatzeitpunkt hatte sie neben starken Psychopharmaka viel zu viel Alkohol konsumiert. Jugendrichter Martin Kober konnte eine Schuldunfähigkeit deshalb nicht ausschließen.

Tatort war eine stadtbekannte Haßfurter Kneipe, Tatzeitpunkt war ein später Samstagabend kurz nach Mitternacht. Gerade mal zweieinhalb Monate ist es her, es war am 12. Februar 2013, als die junge Frau dort randalierte. Vorher hatte sie mit ihrem Freund bereits eine andere Kneipe besucht. Dort muss sie sich ihren Rausch von 1,66 Promille angetrunken haben.

Rätselhaft

Warum die Arbeitslose ausflippte, konnte bei Gericht niemand mehr sagen. Jedenfalls schrie sie hysterisch in voller Lautstärke vor der Gaststätte herum, und als eine 25-Jährige sie beruhigen wollte, warf sie mit den übelsten Schimpfwörtern um sich und schlug ihr ins Gesicht. Die Geschädigte ging am nächsten Tag zu ihrem Hausarzt, der Kieferbereich war geschwollen und geprellt. Sie wurde eine Woche lang krankgeschrieben.

Zurück zum Tatort. Hilfesuchend rief das Kneipenpersonal die Polizei an, die wenig später im Streifenwagen anrückte. Weil das Krisenmanagement der Beamten vor Ort erfolglos blieb, wollten die Ordnungshüter die Furie in ihr Auto verfrachten und mit zur Wache nehmen. Die vor Wut rasende Angeklagte aber rastete total aus und bespuckte einen Polizisten.

Pflichtverteidiger Jürgen Borowka wies auf die starken Medikamente hin, die seine Mandantin nehmen musste. Mit Alkohol kommt es laut Beipackzettel zu einem "aggressiven Verhalten". Eine weitere Folge: Filmriss - die Beschuldigte kann sich an nichts mehr erinnern. Auf Antrag des Rechtsanwalts wurde während des Berichts der Jugendgerichtshilfe die Öffentlichkeit von der Verhandlung im Gericht ausgeschlossen.

Außergewöhnlich

Anschließend erläuterte der Vorsitzende Richter die außergewöhnliche Situation. Demnach hat die Angeklagte unzweifelhaft die Straftaten begangen. Das Verfahren wurde trotzdem eingestellt. Denn ein Gutachten zur Prüfung der Schuldfähigkeit käme sehr teuer. Kosten, die letztlich wohl die Staatskasse, also der Steuerzahler, aufbringen müsste.

Selbst für den Fall, dass nur eine verminderte Schuldfähigkeit vorliege, sei zu bedenken, dass die junge Frau weder arrestfähig wäre, noch gemeinnützige Stunden ableisten könne.

Ein Persilschein ist die Verfahrenseinstellung gleichwohl nicht. Auch wenn die junge Frau strafrechtlich nicht belangt werden kann, könnte sie bei weiteren Straftaten irgendwann in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie-Klinik landen.
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