Haßfurt
Strafprozess

1500 Euro Strafe wegen Fundunterschlagung

Weil er ein herrenloses Mobiltelefon beim Sander Weinfest eingesteckt hatte, muss ein 36-Jähriger nun 1500 Euro Geldstrafe wegen Fundunterschlagung zahlen. Dieses Urteil fällte das Amtsgericht in Haßfurt.
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Das Amtsgericht in Haßfurt
Das Amtsgericht in Haßfurt
Für viele Personen ist es - oft trotz eines schlechten Gewissens - eine unwiderstehliche Versuchung: Einen gefundenen Gegenstand einfach an sich zu nehmen. Damit aber macht man sich strafbar, denn die Staatsanwaltschaft verfolgt derartige Taten als Fundunterschlagung. Wegen eines Handys, das er weit nach Mitternacht auf dem Sander Weinfest fand und nicht bei einer amtlichen Stelle abgab, muss ein 36-jähriger Mann aus einem Dorf in den Haßbergen nun eine Geldstrafe von 1500 Euro bezahlen.

Der Angeklagte schilderte, dass er zum Tatzeitpunkt ordentlich einen sitzen hatte. Als er das Handy mutterseelenallein auf einem Biertisch liegen sah, spielte er erstmal nur damit rum. Nachdem sich niemand rührte, steckte er es irgendwann ein. Später wollte er es zuhause ausprobieren, indem er eine andere SIM-Karte mit neuer Telefonnummer einschob. Als das nicht funktionierte, wanderte es in eine dunkle Ecke, wo es wochenlang unbeachtet liegenblieb.

Zwischenzeitlich hatte der Eigentümer das Mobiltelefon bei der Polizei als gestohlen gemeldet. Er kannte auch die IMEI-Nummer des Gerätes. Die Abkürzung bedeutet "International Mobile Station Equipment Identity" - auf gut deutsch: eine 15-stellige Seriennummer, die zur eindeutigen Identifizierung des jeweiligen Telefons dient. Was viele nicht wissen: Unabhängig von der verwendeten SIM-Karte können die Polizeispezialisten anhand dieser IMEI-Nummer den genauen Standort des digitalen Winzlings herausfinden.

Kein Kavaliersdelikt

Unterschlagung gilt bei der Justiz nicht als Kavaliersdelikt. Wer etwas findet, was ihm nicht gehört, hat zwei legale Möglichkeiten: Entweder beachtet er den Gegenstand gar nicht und geht weiter - oder er hebt ihn auf und gibt ihn unverzüglich bei einer amtlichen Stelle wie der Polizei, der Gemeinde oder dem Fundamt ab. Wer die Fundsache aber behält, macht sich schuldig.

Die einzigen Ausnahmen: Wirklich herrenlose Sachen, wie etwa weggeworfene Gegenstände, sowie Klein- und Bagatellfunde, die weniger als 10 Euro wert sind, sind nicht anzeigepflichtig. Eine nachgewiesene Unterschlagung wird nicht ganz so hart bestraft wie ein Diebstahl. Es drohen Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren.

Im vorliegenden Fall erhielt der bislang unbescholtene Angeklagte einen Strafbefehl wegen Diebstahls über 60 Tagessätze á 50 Euro, ergibt 3000 Euro. Dagegen legte der geständige Mann form- und fristgerecht Einspruch ein. Da es sich bei dem Handy nicht um das neueste Modell gehandelt hatte, wurde der Zeitwert auf 200 bis 300 Euro veranschlagt. Richter Roland Wiltschka halbierte mit seinem Urteil wegen Unterschlagung den vorausgegangenen Strafbefehl. Viel billiger wird es für den Verurteilten trotzdem nicht, muss er doch die Kosten des Verfahrens tragen. Da beide Seiten darauf verzichteten, Rechtsmittel einzulegen, ist das Urteil rechtskräftig.


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