Haßfurt
Bildung

100 Jahre Waldorfschule: Wie die Waldorfschule in Haßfurt ankommt

Die Waldorfschule in Haßfurt feiert in diesem Jahr nicht nur den 100. Geburtstag der Gründung einer Waldorfschule. Seit 2000 gibt es die Waldorfschule in Haßfurt. Seit diesem Zeitpunkt steigen die Schülerzahlen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Künstlerische Fächer stehen in der Waldorfschule Haßfurt im Vordergrund. Hier singen die Haßfurter Schüler einene Song von Tokio Hotel. Foto: Christoph Wiedemann
Künstlerische Fächer stehen in der Waldorfschule Haßfurt im Vordergrund. Hier singen die Haßfurter Schüler einene Song von Tokio Hotel. Foto: Christoph Wiedemann

Kein Sitzenbleiben, keine Noten, keine staatliche Schule: Die Waldorfschule in Haßfurt unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von anderen Schulen - nicht nur inhaltlich, sondern auch mit ihrer exponierten Lage. Dazu ist diese Bildungsform relativ neu: In diesem Jahr feiert die Waldorfschule per se ihren 100. Geburtstag.

In Haßfurt gibt es die Bildungseinrichtung seit 2000. Mit den ersten vier Jahrgangsklassen ist sie einst gestartet - mittlerweile sind es 13 Klassen.

"Normalerweise gibt es keine Waldorfschule in solchen Gebieten", erklärt der Lehrer Joachim Brohm. Er unterrichtet in Haßfurt und weiß, was für eine Ausnahmeerscheinung so eine Einrichtung in einem Mittelzentrum ist. "Die meisten Waldorfschulen gibt es in der Stadt. Im ländlichen Gebiet ist das einzigartig", bekräftigt die Geschäftsführerin der Waldorfschule Haßfurt Annette Achilles.

Wie kommt die Schule an?

"Anfangs war man sich nicht sicher, ob das funktioniert", sagt Brohm. Die Einwohnerzahlen des Kreises seien doch geringer als in anderen Gegenden.

Die Bildungsmethode scheint hier aber begehrt zu sein und wird durch die ehrenamtlich tätigen Eltern unterstützt: 313 Schüler werden in Haßfurt unterrichtet. Mit dieser Schülerzahl kann Haßfurt im Vergleich mit Waldorfschulen in größeren Städten mithalten: "Diese Anzahl haben die meisten Waldorfschulen", erklärt Brohm. Nürnberg freilich ist eine Ausnahme, hier gehen über 900 Kinder und Jugendliche zum Unterricht. Achilles kennt sogar Eltern, die extra wegen der Waldorfschule in den Kreis gezogen sind.

"Für das kommende Schuljahr haben wir schon jetzt 45 Anmeldungen", sagt Anette Achilles. Maximal 28 Kinder bilden eine Schulklasse.

Der Unterricht in der Waldorfschule Haßfurt

"Es gibt kein Sitzenbleiben und keine Noten. Es wird die Entwicklung des Schülers beschrieben", erläutert Lehrer Brohm. Und um diese Entwicklung beurteilen zu können, "haben die Schüler von der ersten bis zur achten Klasse einen Klassenlehrer, der die meisten Fächer unterrichtet". Um acht Uhr beginnt der "Epochenunterricht": Ein Fach wird täglich über drei bis vier Wochen 100 Minuten lang gelehrt. "Die Inhalte können so mehr verinnerlicht werden", erklärt Brohm.

Neben Mathe, Deutsch oder Englisch stehen vor allem handwerkliche oder künstlerische Fächer auf dem Stundenplan. "Schneidern, Schmieden, Textilarbeit, Mediengestaltung oder Theater", zählt die Theaterpädagogin Gertrud Eiselen als Beispiele auf. Sie erklärt eine der Grundannahmen von Waldorf-Begründer Rudolf Steiner: Die Schüler entwickeln sich nicht nur kognitiv, sondern auch körperlich. Beides muss miteinander Schritt halten.

Neue Schule entsteht

Nicht nur Schüler, sondern auch die Schule entwickelt sich in Haßfurt. "Wir bauen eine neue Schule", sagt Geschäftsführerin Achilles. Im September 2019, also 100 Jahre nach dem Entstehen der ersten Waldorfschule, "feiern wir den Spatenstich."

Die neue Schule entsteht auf dem aktuellen Schulgelände am Haßfurter Hafen. 3000 Quadratmeter Nutzfläche verteilen sich über drei Stöcke. Acht Millionen Euro soll der Neubau kosten. "Wenn dieser steht, wird das alte Schulgebäude abgerissen", beschreibt Achilles die Pläne.

Waldorf-Jubiläum

Im Jubiläumsjahr sind auch die Haßfurter aktiv: Am 29. Mai führen die Schüler einen Staffellauf fort. "Seit dem letzten Jahr im September sind Waldorfschüler durch ganz Deutschland unterwegs", beschreibt Pädagogin Eiselen. "Wir fahren mit dem Rad 86 Kilometer bis zur nächsten Schule nach Wernstein." 42 Schüler sind mit von der Partie und geben dann den Stab weiter. Am 19. September ist Berlin der Schlusspunkt.

Die Waldorfschule endet für die Schüler übrigens nach der zwölften Klasse. Dann haben sie den Waldorfschulabschluss, der allerdings nicht staatlich anerkannt ist. Danach absolvieren die meisten Schüler noch die 13. Klasse, in der sie auf die Mittlere-Reife-Prüfung oder die Abitur-Prüfungen vorbereitet werden. "Über 90 Prozent schaffen die Prüfungen", sagt Achilles.

Andere Leser sehen gerade:

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren