Kronach

Von der Nonne zur Pfarrfrau

Die Reformation hat die Frauen als Christenmenschen aufgewertet. Dieses Fazit zog Dekanin Dorothea Richter in ihrem Vortrag „ Von der Nonne zur Pfarrfrau“, zu dem das Evangelische Bildungswerk im Rahmen der Ausstellung „Frauen der Reformation“ in die Synagoge in Kronach eingeladen hatte.
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Dekanin Dorothea Richter beleuchtete die Entwicklung der Frauenrollen von der Nonne zur Pfarrfrau, Foto: Joachim Wegner
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Die Reformation hat die Frauen als Christenmenschen aufgewertet, ihnen Chancen auf Bildung eröffnet und ihren Erziehungsauftrag bestätigt, aber gleichzeitig auch die Führung eines eigenständigen Lebens im Kloster genommen. Dieses Fazit zog Dekanin Dorothea Richter in ihrem Vortrag „ Von der Nonne zur Pfarrfrau“.

Die Dekanin machte zu Beginn ihrer Ausführungen deutlich, dass eine Person mit einem Lebenslauf wie ihr eigener im ausgehenden Mittelalter nicht denkbar gewesen wäre. Ledig, alleinlebend, berufstätig. Unverheiratete Frauen habe es damals nur im Kloster oder als Anhängsel einer Großfamilie gegeben. Singles wie heute seien nicht denkbar gewesen. Und eine Berufstätigkeit hätten Frauen nur innerhalb der Familie oder in einem Kloster ausüben können. Damit charakterisierte die Referentin die drei möglichen Lebensformen der Frauen im ausgehenden Mittelalter. In der Rolle der Ehefrau seien Haus und Kinder zu versorgen gewesen.
Verheiratete Frauen hätten zu jener Zeit innerhalb der Familie nicht nur mitarbeiten dürfen, sondern hätten als „Meisterinnen“ im Handwerk eine wichtige Rolle übernommen und sogar Handel getrieben.

Da Jungfräulichkeit als sicherster Weg in den Himmel angesehen wurde, sei das Klosterleben viele Menschen attraktiv erschienen. Viele Eltern hätten ihre Töchter bereits in jungen Jahren unter Zahlung einer Mitgift der Gemeinschaft der Nonnen übergeben, um sie wirtschaftlich abzusichern. Hinter den Klostermauern hätten die Frauen dann nicht nur Bildung erfahren, sondern auch ein weitgehend selbständiges Leben ohne die Kontrolle männlicher Verwandter geführt. Als dritte Lebensform im ausgehenden Mittelalter nannte die Dekanin aus Kronach die Rolle der „Bübin“. Viele Frauen, die aus wirtschaftlichen Gründen nicht heiraten konnten, seien zu Konkubinen der Priester geworden.

Im Weiteren ging Dorothea Richter auf die Veränderungen ein, die die Reformation mit sich gebracht hat. Hier nannte sie zu allererst die Abschaffung der Leistungsreligion. Während Ablassprediger wie beispielsweise Tetzel durch die Lande gezogen seien, um den Menschen gegen Geldspenden die Vergebung ihrer Sünden versprochen hätten, habe die Reformation eine Befreiung aus dieser Praxis gebracht und ein Aufatmen ermöglicht. Und durch die Bibelübersetzung von Martin Luther ins Deutsche sei die Frohe Botschaft für alle lesbar geworden. Da die Reformatoren erkannt hätten, dass der Sexualtrieb nicht unterdrückt werden könne, war es ihnen wichtig, ihn in geordnete Bahnen zu lenken. Somit habe die Frau als Ehefrau und Mutter eine wichtige Aufwertung erfahren und sei auch für die Glaubensvermittlung im Hause zuständig gewesen.

Dennoch hätten auch die Reformatoren die Unterordnung der Frauen unter den Mann gefordert, denn es solle keine „meisterlosen Frauen“ geben. Beispielhaft nannte die Referentin Frauen, die sich durch ihren Einsatz für die Sache der Reformation stark gemacht hatten. So ist Elisabeth Kruziger als erste evangelische Liederdichterin bekannt geworden. Katharina Zell hat mit ihrem Ehemann Matthäus im Jahr 1523 in Straßburg das erste evangelische Pfarrhaus gegründet und dabei auch zahlreiche Flüchtlinge aufgenommen. Und Katharina von Bora hat sich als Ehefrau von Martin Luther durch ihr wirtschaftliches Geschick die Achtung ihres Gatten eingehandelt. In diesem Urtyp des evangelischen Pfarrhauses haben regelmäßig 30 bis 40 Personen am Tisch der Luthers Platz genommen. Mit der Anrede „Mein lieber Herr Käthe“ habe Martin Luther seinen Respekt gegenüber der Ehefrau ausgedrückt.

In dieser Zeit sei dann das Idealbild der evangelischen Pfarrfrau entstanden, die theologisch gebildet und leistungsfähig genug ist, um einen vielköpfigen Haushalt zu managen, Gäste zu beherbergen, Kranke in der Gemeinde zu pflegen und sich auch sonst sozial zu betätigen. Erst im 20. Jahrhundert wurde dies durch die eigene Berufstätigkeit der Frauen in Frage gestellt. In der anschließenden Aussprache machten die Teilnehmerinnen an diesem Gesprächsabend in der Synagoge deutlich, dass die Frauen der Reformation für viele als Vorbild dienen, aber die völlige Gleichstellung der Frau in unserer Gesellschaft nicht lange nicht erreicht ist.

Joachim Wegner

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