Fürth

Von Franken in die Welt - außer China

Ihre Spielfahrzeuge produziert die Firma Bruder nicht in Fernost, sondern in Fürth. Von dort rollen sie in 60 Länder weltweit. China ist nicht dabei. Das hat seinen bestimmten Grund.
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Firmenchef Paul Heinz Bruder betrachtet in Fürth produzierte Teile für einen Mercedes-Spielzeug-Lkw. Die Bruder-Spielfahrzeuge im Maßstab 1:16 begeistern vor allem Buben im Alter zwischen drei und acht Jahren. Foto: Matthias Hoch
Firmenchef Paul Heinz Bruder betrachtet in Fürth produzierte Teile für einen Mercedes-Spielzeug-Lkw. Die Bruder-Spielfahrzeuge im Maßstab 1:16 begeistern vor allem Buben im Alter zwischen drei und acht Jahren. Foto: Matthias Hoch
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Das Durchhaltevermögen hat sich inzwischen ausgezahlt. Als in den 1990er Jahren viele Spielwarenhersteller ihre Produktion nach China verlagerten, widersetzte sich die Familie Bruder diesem Trend. "Wir haben immer daran geglaubt, dass wir das hier unter einem Dach am besten meistern können", sagt Paul Heinz Bruder. Der geschäftsführende Gesellschafter der in Fürth-Burgfarrnbach ansässigen Firma Bruder Spielwaren steht im Musterzimmer des Unternehmens, dort, wo Lkw, Schaufelbagger, Feuerwehrautos und Mähdrescher einträchtig nebeneinander ruhen. Sechzehnmal kleiner als das jeweilige Original sind sie, aber mit allen Details ausgestattet, die Marken wie MAN, Mercedes oder Claas zu bieten haben.

Wandel in China

Bruder ist in Europa Marktführer in dieser Größe, Maßstab 1:16. International gibt es laut Firmenchef gerade mal zwei oder drei Wettbewerber.
Der Markt verschiebe sich wieder hin zu europäischen Herstellern. "Seit den 2000er Jahren verändert sich auch China", sagt Bruder. "China-Ware ist teurer geworden." Chinesische Unternehmer konzentrierten sich zudem mittlerweile lieber auf Produkte, wo man mehr verdienen könne. Maschinen oder Smartphones zum Beispiel, nicht mehr nur Spielzeug. "Dadurch haben wir Marktanteile dazu gewonnen."

Plagiat-Gefahr

Bruder verkauft seine fränkischen Spielfahrzeuge zu 30 Prozent in Deutschland, der Großteil geht ins Ausland, hauptsächlich in EU-Länder. In 60 Ländern sind die Modelle inzwischen zu haben. Allerdings nach wie vor nicht in China.

Paul Heinz Bruder weiß genau, warum er auf den chinesischen Markt verzichtet. Der Preis dafür wäre hoch. Wer nach China exportieren möchte, muss seinen Betrieb von chinesischen Inspektoren zertifizieren lassen. Die Chinesen kämen nach Fürth und würden sich die Produktion hier ganz genau anschauen. Zu groß die Plagiat-Gefahr.

Doch auch ohne den Markt im Reich der Mitte liefen zuletzt die Geschäfte. Rund 51 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2011, knapp 60 Millionen Euro 2012 und rund 68 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr. Die Spielfahrzeuge aus Fürth sind gefragt. "2014 werden wir über 70 Millionen Euro erzielen", kündigt Bruder jetzt schon an.

Die digitale Welt ist keine Konkurrenz für das Fürther Familienunternehmen. Die Zielgruppe der Drei- bis Achtjährigen hat noch andere Ansprüche als Spielekonsolen, Handys und Tablets. "Die Kinder haben ein natürliches Interesse, lernen da noch das Verständnis für Bewegungen. Da ist solches reale Spielzeug mit Mechanik gefragt", erklärt Bruder.

Acht Millionen Spielzeuge im Jahr

Eines gibt der Diplom-Maschinenbauingenieur aber unumwunden zu: "Unsere Marke ist bei Mädchen nicht präsent." Mit einem Reitstall-Modell versuche Bruder mittlerweile auch bei Mädchen zu punkten. "Aber das geht nicht von heute auf morgen."

Zwischen 40 und 100 Euro kosten die Bruder-Spielfahrzeuge. Kleinere Teile wie zum Beispiel ein Weinbergtraktor sind auch unter 20 Euro zu haben. "Wir wollen keine Luxusprodukte, sondern robustes Spielzeug", sagt Bruder.

Wer einen Blick in die Fürther Produktionshallen wirft, sieht dort jede Menge Spritzguss-Maschinen. Die 100 Exemplare sind so konstruiert, dass sie am laufenden Band Führerhäuser, Dächer oder andere Fahrzeugteile herstellen. Hier ruht auch das Know-how des fränkischen Spielzeugherstellers. Denn die verwendeten Spritzguss-Formen baut Bruder zum großen Teil selbst, hat dafür eine eigene Abteilung. "Ungefähr 60 Prozent dieser Formen stammen aus unserer Werkstatt. Aber alle verwendeten Formen sind zu 100 Prozent von uns entwickelt", berichtet Bruder.

Während die Montage der fertigen Teile teilweise außerhalb der Firma erfolgt, übernehmen das Verpacken wieder Mit arbeiterinnen vor Ort. Auf jährlich ungefähr acht Millionen Spielzeuge schätzt der geschäftsführende Gesellschafter die gesamte Produktionsmenge.

Trotz der jüngsten Erweiterungen am Firmensitz kommt die Spielzeugfertigung laut Bruder jetzt aber an ihre Grenzen. Der Chef plant deshalb eine neue Produktionsstätte in Tschechien. "Keine Verlagerung, sondern ein Zweigwerk", stellt er dabei klar.

"Auch im Kleinen wie der Große", lautet ein Slogan der Firma. Mit den sehr detailgetreuen Plastik-Nutzfahrzeugen hat die Firma Bruder, die 1926 als Produzent sogenannter Messingstimmen für Spielzeugtrompeten begann, längst ihre Nische gefunden.


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