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Zirndorf
Asyl in Zirndorf

Lager am Limit - "Wir leben von der Hand in den Mund"

Das Erstaufnahmelager in Zirndorf zeigt die traurige Realität derzeitiger Zustände in Asylbewerberheimen: "Noch" sind sie handlungsfähig, wie unserem Reporter versichert wird. Doch die Menschen leben dort teilweise schon unter freiem Himmel.
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Leben unter freiem Himmel - im Erstaufnahmelager für Asylsuchende in Zirndorf ist das in diesen Tagen nicht ungewöhnlich. Foto: Ronald Rinklef
Leben unter freiem Himmel - im Erstaufnahmelager für Asylsuchende in Zirndorf ist das in diesen Tagen nicht ungewöhnlich. Foto: Ronald Rinklef
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Werner Staritz mag schon gar nicht mehr ans Telefon gehen. Der Chef des Zirndorfer Erstaufnahmelagers für Asylsuchende muss entweder Pressefragen beantworten oder er hat Vertretern der Regierung Rede und Antwort zu stehen. Wir wollten wissen, wie er mit dem derzeitigen Flüchtlingsansturm zurecht kommt. "Noch sind wir handlungsfähig", erklärt er. Die Betonung liegt auf "noch". Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis das Zirndorfer Lager unter dem Ansturm der Flüchtlinge zusammenbricht. "Derzeit leben wir von der Hand in den Mund."

Die Mitarbeiter von Staritz arbeiten längst über dem Limit. Auf 500 Plätze war das Lager einmal ausgelegt. Dann wurde mit Containern auf 760 Plätze erweitert. Derzeit würden sich zwischen 950 und 1000 Personen im Lager aufhalten. "So ganz genau weiß ich das gar nicht mehr", bekennt Staritz. Einzig das Wetter ist derzeit einigermaßen verlässlich. Die Menschen, die in der Kapelle des Lagers auf Matratzenlagern schlafen müssen, verbringen die Zeit tagsüber meist auf dem Rasen. Warten auf die Essensausgabe und darauf, dass sie endlich eine vernünftige Unterkunft erhalten.


Möglichst kurzer Erstaufenthalt

Staritz ist angesichts des Flüchtlingsansturms darum bemüht, den Erstaufenthalt möglichst kurz zu halten. Das heißt, die Ankommenden werden erfasst, medizinisch untersucht und dann möglichst rasch auf eine der 178 Gemeinschaftsunterkünfte im Freistaat weiterverteilt. Der eigentliche Asylantrag wird schon gar nicht mehr in Zirndorf gestellt, er erfolgt später.

Staritz spricht es nicht aus, aber er lässt erkennen, dass er enttäuscht ist, sich von der Politik allein gelassen fühlt. In Bayreuth wird neu gebaut, Ende 2015 soll das neue Erstaufnahmelager zur Verfügung stehen. "In unserer jetzigen Situation hilft uns das nicht weiter", stellt er nur nüchtern fest."Da müsste schon ein Wunder geschehen."

Aber das lässt auf sich warten. Während in fünf von sieben Regierungsbezirken zumindest die Standortfrage für ein Erstaufnahmelager geklärt scheint, können die Schwaben und Unterfranken noch nicht einmal das bieten. Johannes Hardenacke, Sprecher der Regierung von Unterfranken, erklärt, man habe auftragsgemäß über den Stand der Bemühungen berichtet. Aber: Bislang Fehlanzeige. Mellrichstadt sei einmal für eine Erstaufnahmeeinrichtung im Gespräch gewesen, der Regierungsvizepräsident habe höchstpersönlich im Stadtrat geworben. Die Antwort: Nein.

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