Fürth
Bundeswehr

Ein Gesicht der Truppe

Eine 17-jährige Fränkin weiß genau, was sie will: zur Bundeswehr. Emilia Born sagt: "Klare Ansagen. Das brauche ich einfach."
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Ihr Blick ist direkt, zielstrebig. Lange beobachtet sie ihr Gegenüber. Wenn Emilia Born über die Bundeswehr spricht, macht sie das mit viel Selbstsicherheit. Sie weiß, was sie will: Sie will Deutschland dienen.

"Ich finde es wichtig, einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten", sagt sie. Sie wachse in Sicherheit auf, dazu möchte sie einen Teil beitragen. Die 17-Jährige kommt aus der Nähe von Fürth. Doch in den vergangenen Jahren kam die Schülerin in ganz Deutschland herum - für die Bundeswehr.

Sie nahm an zahlreichen Erlebnisreisen teil, die ihr einen Einblick in die tägliche Arbeit der Soldaten ermöglichen sollten. Drei Tage lang war sie bei der Marine, sieben bei den Gebirgsjägern. Zuletzt war sie Anfang Juli bei der Luftwaffe in der Nähe von Köln. "Das hat mich zusätzlich motiviert", sagt die junge Frau, die im nächsten Jahr ihr Abitur machen wird.

Emilia durfte in einem Kampfflugzeug vom Typ Tornado probesitzen. Die Maschine stand in einer Werkstatt. "Jeder Auszubildende baut sowas mal auseinander und wieder zusammen", berichtet Emilia. Quasi ein Flugzeug zu Übungszwecken - auf dem Boden. Leergewicht: 14.000 Kilogramm. In der Werkstatt kann man sich zum Fluggerätmechaniker und -elektriker ausbilden lassen. Besonders beeindruckt hat Emilia die Sauberkeit in der Werkstatt: "Keine Schraube darf auf dem Boden liegen." Andernfalls könnte ein Reifen kaputtgehen oder im Ernstfall nicht ausgerückt werden.

In dem Tornado selbst war es sehr eng, erzählt Emilia. Ein Grund dafür, warum für sie ein Job als Pilotin nicht infrage kommt. Außerdem müsse man "sehr, sehr gesund" sein: keine Makel, kein noch so kleines Gesundheitsrisiko.

Die Schnupperwoche bei der Luftwaffe hatte Emilia gewonnen - bei einem Bundeswehr-Quiz. Gemeinsam mit 18 weiteren Teilnehmern erkundete sie zahlreiche Bereiche der Bundeswehr, erhielt exklusive Einblicke. Sie durfte das Flugzeug betreten, mit dem Bundeskanzlerin Angela Merkel regelmäßig um die Welt fliegt - Typ: Airbus A340. "Das ist schon luxuriös", erzählt Emilia. Ein großes Besprechungszimmer, weiter hinten Platz für Journalisten, die die Kanzlerin auf ihren Staatsbesuchen begleiten. Plus ein zusätzliches Nebenzimmer nur für Merkel selbst, ausgestattet mit einer ausklappbaren Couch zum Ausruhen und einem eigenen Bad.

Nicht fehlen dürfe bei Merkel ein Spiegel. Die Flugbegleiterin erzählte Emilia, der Kanzlerin sei es wichtig, stets gut geschminkt zu sein. Beim Essen mag sie es traditionell: Würstchen mit Kartoffelsalat schmecken Angela Merkel auf ihren Reisen am besten.

Die "Lufttransportbegleitfeldwebel", so der Name der Stewardessen im Regierungsflugzeug, tragen keine Röckchen und Hütchen wie oft in Linienmaschinen, sondern praktische Berufskleidung. Die Begleiterinnen müssen immer auf den Ernstfall vorbereitet sein, Miniröcke wären da nicht gerade hilfreich.

Ein Ernstfall tritt meistens dann ein, wenn er ausrückt: der Airbus A310-304 MRTT. Er ist das fliegende Krankenhaus der Bundeswehr. Überall dort, wo Soldaten verletzt werden, kann er eingesetzt werden. 44 Patienten können hier in drei Abteilen behandelt werden. Je nach Verletzungsgrad werden sie eingeteilt. Sogar eine Intensivstation gibt es.

"Es wird jede Lücke im Flugzeug ausgenutzt", erzählt Emilia. In der Abteilung für Leichtverletzte seien viele Betten übereinandergebaut, Schränke ummanteln die Wände. Emilia berichtet, dass im Sanitätsdienst fast 45 Prozent Frauen arbeiten. In der gesamten Bundeswehr sind es nur rund 22.000 und somit zwölf Prozent. Doch die Tendenz ist steigend: 2001 waren erst 6.700 Soldatinnen.

Auf das Geschlecht werde "beim Bund" generell weniger geachtet als auf den Dienstgrad: "Es macht nicht so viel aus, ob du Mann oder Frau bist." Frauen werden nicht bevorzugt, sie müssen denselben Sporttest wie Männer absolvieren und Gleiches leisten. Im Zuge der Gleichberechtigung findet Emilia das auch völlig okay.

Medizintechniker Feldwebel Peter Hüls war laut Emilia besonders stolz darauf, dass bisher noch kein einziger Patient im fliegenden Krankenhaus gestorben sei. Das spreche wohl auch für die Ausstattung der Bundeswehr. Die gilt landläufig als marode und schlecht, was Emilie so nicht bestätigt: "Ich habe bei meinen Besuchen nicht erlebt, dass viel kaputt ist." Es gebe aber ältere Flugzeuge, die immer wieder gewartet und instandgehalten werden müssen.

Emilia haben die Reisen zu verschiedenen Bundeswehr-Stationen überzeugt. Sie bewarb sich danach bei der Bundeswehr - und wurde genommen. Nach ihrem Abitur im kommenden Jahr will sie bei der Bundeswehr studieren. Neben einer Sportprüfung musste sie bei einem Assessment-Verfahren weitere Tests durchlaufen - und auch ein persönliches Vorstellungsgespräch bestehen. "Mein Tipp: Ehrlich sein", sagt sie. Wissen über Einsätze sollte vorhanden sein. Aber wenn man mal etwas nicht weiß, sei es besser, das auch einzugestehen. Denn wer lügt, fliegt auf. "Die nehmen einen da schon ein bisschen auseinander."

Zunächst wird Emilia eine Grundausbildung bekommen. Bis sie studiert, wird es ein Jahr dauern. "Wenn man bei der Bundeswehr ist, ist man vorrangig Soldat", sagt Emilia mit entschlossenem Blick. Sie weiß, worauf sie sich einlässt. Und sie will es. "Man muss einfach diszipliniert sein", sagt sie.

Ein lockeres Studentenleben? Gibt es für Emilia nicht. Stattdessen: Bücher wälzen, Gewehre laden. "In der Grundausbildung wird man schon etwas härter rangenommen", erklärt die 17-Jährige. Für sie sei das kein Problem, es gehöre einfach dazu, meint die junge Frau, die ihren Schulrucksack bis nach ganz oben gezurrt hat: "Klare Ansagen. Das brauche ich einfach."

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