Oberasbach
Freizeit

"Carrera World": Erster Freizeitpark für Kinderzimmer-Rennbahnen

Mit der "Carrera World" ist am Wochenende ein Mini-Freizeitpark für alle Freunde des Kinderzimmer-Rennsports in Oberasbach bei Nürnberg eröffnet worden.
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Zwei Spielzeug-Rennautos stehen auf einer Carrera-Bahn zum Start bereit. Foto: Nikolas Pelke
Zwei Spielzeug-Rennautos stehen auf einer Carrera-Bahn zum Start bereit. Foto: Nikolas Pelke
Versteckt in einer kleinen Seitenstraße vor den Toren der Stadt Fürth steht sie, die weltweit erste "Carrera-World". Andreas Stadlbauer, Firmenchef und Familieninhaber der legendären Spielzeug-Marke, hat ein ehemaliges Autohaus in Oberasbach in eine edle Spielhölle für Freunde der schnellen Mini-Flitzer verwandelt. Vor dem Eingang der Erlebniswelt hat der Salzburger seinen Maserati geparkt. "Ich bin ein riesiger Auto- und Motorsportfan", sagt Stadlbauer, der seine Initialen auf dem Nummernschild spazieren fährt und weltweit 250 Mitarbeitern beschäftigt.

Der Weg zur Rennbahn führt die Besucher an einem echten Formel-1-Wagen aus dem Rennstall einer angeblich Flügel verleihenden Limonade vorbei. In der großen Halle schaut es so aus, wie man sich den Hobbykeller eines Multimillionärs vorstellt. Gleich fünf Rennbahnen sind auf den 2000 Quadratmetern verteilt. In der Mitte steht das Prunkstück. Ein 70-Meter- Mega-Parcours mit allem Drum und Dran. Neben den fünf Bahnen gibt es eine Lounge mit bequemen Sesseln. In einem Extraraum dürfen sich ganz Kleine austoben und Loopings mit weniger filigranen Autos auf robusteren Rennstrecken drehen.


Wechselvolle Firmengeschichte

Ganz hinten im Eck ist offensichtlich noch Platz für eine Reihe von Setzkästen gewesen, in denen unzählige Carrera-Autos aus der wechselvollen Geschichte der Marke fein aufgereiht sind. In mühevoller Detektivarbeit habe er die alten Klassiker auf Flohmärkten zusammengetragen, erzählt Stadlbauer.
Als sein Vater 1999 die Markenrechte gekauft habe, seien die Archive am alten Stammsitz der Firma in Fürth längst verschwunden gewesen, erzählt er. Deswegen die mühsame Suche nach den Klassikern. 1963 hatte Hermann Neuhierl die erste elektrisch betriebene Carrera-Autorennbahn in Fürth gebaut. Mitte der 1980er Jahre lag sein Lebenswerk in Trümmern. Die Schulden gingen in die Millionen. Im Kinderzimmer waren Autorennbahnen nicht mehr angesagt. Wenige Tage vor dem Start der Spielwarenmesse nahm sich Neuhierl das Leben. Kurt Hesse hatte den Laden mit seinen 113 Mitarbeitern kurz zuvor aus dem Konkurs heraus übernommen. Später kam auch er nach einer Steueraffäre mit Carrera in Turbulenzen. Die Firma stand erneut vor dem Ruin. Dann griffen die Stadlbauers zu. 14 Jahre nach dem Selbstmord von "Mr. Carrera".

Rückblickend war das sicher keine falsche Entscheidung. Stadlbauer, dessen kürzlich verstorbener Vater die Firma mit dem Handel von Spielzeug in Österreich auch dank der kleinen Flitzer einst groß gemacht hatte, drückt es so aus. "Die Marke Carrera ist im deutschsprachigen Raum unglaublich stabil. Wir verkaufen allein in Deutschland 350 000 Grundsets pro Jahr. Das ist fast genau die Anzahl an Buben, die in Deutschland jährlich geboren werden." Die Marke sei immer noch Kult, sagt Stadlbauer.


Kurt Hesse als Konkurrent

Über die Konkurrenz spricht er nicht. Obwohl es die natürlich gibt. Sogar ganz in der Nähe. Kurt Hesse, der einstige Retter in den 80er Jahren, stellt mit seiner Nürnberger Autec AG heute wieder Autorennbahnen her. Mit einem neuen Patent versteht sich.

Derweil öffnet Stadlbauer die Tür zu einem legendären Porsche, der schon in Le Mans für Furore gesorgt hat und nun zwischen den Rennbahnen echte Rennatmosphäre versprühen soll. Er greift hinter das Amaturenbrett und zaubert ein Modell des legendären Rennwagens im Carrera-Maßstab hervor, das er hinter der Windschutzscheibe versteckt hatte. Mit dem weißen Spielzeug-Porsche in der Hand schlendert der Salzburger zu den Spieltischen mit den Rennbahnen. Überall werden die berühmten Regler in den Händen gehalten. Augen versuchen angestrengt den Bewegungen der kleinen Autos zu folgen. Würden die Autos noch einen ohrenbetäubenden Lärm machen, die Rennbahn-Illusion wäre perfekt. Die Faszination von Carrera scheint immer noch zu funktionieren. Computer-Konkurrenz hin oder her.


Grundprinzip wie vor 50 Jahren

Das Grundprinzip der Spielzeug-Rennbahnen habe sich seit 50 Jahren nicht geändert, sagt Stadlbauer. "Wir fahren noch immer mit einem Leitkiel am Fahrzeugboden über die Rennbahn." Die Digitalisierung habe freilich auch für die Welt von Carrera einen Quantensprung bedeutet. Vieles geht drahtlos und per App. Praktisch alles per Knopfdruck. Nur aus der Kurve fliegen die Flitzer immer noch. "Die physikalischen Gesetze können wir leider immer noch nicht brechen", sagt Stadlbauer.
Infos/Öffnungszeiten

Internet
Alle Informationen rund um die neue Erlebniswelt gibt es im Internet unter www.carrera-world.com.

Zeiten Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 14 bis 20 Uhr. Am Samstag ist von 10 bis 22 Uhr, am Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Adresse: Oberasbacher Straße 20, 90522 Oberasbach.


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