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Große Gefahr für Hunde: Auwaldzecke breitet sich in Deutschland aus

Wer sie findet, soll sie an die Uni Hannover schicken: Die Auwaldzecke. Sie ist die zweite Art, die sich jetzt in Deutschland ausbreitet. Vor allem Hunde leben in großer Gefahr. Alle Informationen zur aktuellen Lage im Zecken-Ticker.
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Die Auwaldzecke auf einem Blatt. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa
Die Auwaldzecke auf einem Blatt. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa

Sonnenschein und steigende Temperaturen wecken nicht nur Frühlingsgefühle - es ruft auch Zecken auf den Plan. Die Zeckensaison beginnt nach Angaben des Gesundheitsministeriums eigentlich erst im Frühjahr, bei milden Temperaturen können die Krabbeltiere aber auch schon vorher aktiv sein. Das heißt: Auch jetzt besteht schon ein gewisses Risiko. Wir haben aktuelle Informationen im Newsticker:

Update vom 13.05.2019: Auwaldzecke erstmals in Norddeutschland nachgewiesen

Einer Bunt- oder Auwaldzecke ist laut einer Pressemitteilung der Uni Hannover erstmals in Norddeutschland nachgewiesen worden. Ein Forschungsprojekt möchte nun erfassen, wie verbreitet die Zeckenart in Deutschland ist.

Demnach steige die Gefahr, dass sich Krankheiten übertragende Zeckenarten in der Region Hannover ansiedeln. In diesem Jahr wurde in der Region erstmals die Buntzecke (Dermacentor reticulatus), die auch unter dem Namen Auwaldzecke bekannt ist, nachgewiesen. Zudem können Zugvögel tropische und subtropische Zeckenarten nach Deutschland einschleppen.

So sind im Jahr 2018 vermehrt Zecken der Gattung Hyalomma in Deutschland aufgetreten, die hierzulande normalerweise nicht vorkommen. Das Institut für Parasitologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) möchte untersuchen, wie verbreitet die verschiedenen Zeckenarten bereits sind und ob sie Infektionserreger tragen. Institutsleiterin Professorin Dr. Christina Strube sagt: "Wir bitten für unser Forschungsprojekt darum, uns Hyalomma- oder Auwald-Zecken mit Angabe des Fundortes zuzusenden. Der Fundort kann entweder mit der Postleitzahl oder mit GPS-Daten angegeben werden. Falls die Zecken auf einem Tier gefunden wurden, bitten wir auch darum, uns die Tierart zu nennen."

Wie sehen Bunt- oder Auwaldzecken aus?

Der Körper von Buntzecken ist emailleartig marmoriert. Sie können unter anderem Hundebabesiose - auch als Hundemalaria oder Piroplasmose bekannt - übertragen: Babesia canis canis, ein einzelliger, wenige Mikrometer großer Parasit, gelangt beim Zeckenstich mit dem Speichel in das Blut der Hunde und zerstört ihre roten Blutkörperchen. Betroffene Hunde haben häufig Fieber und sind geschwächt, da die Gewebe und Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Eine intensive Therapie ist nötig, um die Patienten zu heilen - in einigen Fällen kann die Krankheit sogar tödlich verlaufen. Hundebesitzer sollten daher besonders aufmerksam sein und viel Wert auf einen wirksamen Zeckenschutz legen.

Wie sehen Hyalomma-Zecken aus?

Zecken der Gattung Hyalomma sind auffällig groß und gut an ihren gestreiften Beinen zu erkennen. Besonders häufig wurden sie bisher bei Pferden gefunden. Hyalomma-Arten können unter anderem das Krim-Kongo-Virus sowie Bakterien der Gattung Rickettsia übertragen. Beide Erreger können beim Menschen schwere fieberhafte Erkrankungen auslösen. Die Wissenschaftler befürchten, dass mit den Zecken auch Krim-Kongo-Viren eingeschleppt werden. Bislang kommen sie in Afrika, auf dem Balkan, im Mittleren Osten und in Asien vor. Dass Zecken bestimmte Rickettsien schon eingeschleppt haben, konnten die Forscher bereits nachweisen.

Wenn Sie Hyalomma- (gestreifte Beine) oder Buntzecken (emailleartige Muster) finden, freut sich die Uni Hannover über Ihre Zusendung an: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Institut für Parasitologie, Professorin Strube, Bünteweg 17, 30559 Hannover.

Update vom 02.05.2019: Die Hyalomma-Zecke breitet sich immer weiter aus

Die tropische Riesenzecke mit dem Namen "Hyalomma" ist im Sommer 2018 nach Deutschland gekommen. Die neue Zeceknart entspricht der Größe von drei bis fünf heimischen Zecken und ist gleichzeitig Überträger gefährlicher Krankheiten. Sie überträgt das Krim-Kongo-Fieber, was mit schweren Blutungen einhergehen und sogar zum Tod führen kann. Das Krabbeltier breitet sich immer weiter in Deutschland aus. Deshalb fordert die Universität Hohenheim nun dazu auf, beim Fund einer Riesenzecke diese den Forschern zuzusenden.

Update vom 15.04.2019, 23:24 Uhr: Fünf neue FSME-Risikogebiete

Das Robert Koch Institut hat die Übersicht über FSME-Risikogebiete erweitert. Die betroffenen fünf Regionen sind Garmisch-Partenkirchen, Kaufbeuren, Landsberg am Lech, Emsland und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Zwei Menschen sind dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zufolge in diesem Jahr bislang an Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) erkrankt. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) wirbt deshalb dafür, sich gegen diese Virusinfektion impfen zu lassen.

Lesen Sie auch: Beginn der Zeckenzeit: Diese fünf Mythen über Zecken halten sich hartnäckig

Neben dem FSME-Virus übertragen Zecken noch einige andere Krankheiten, gegen die es keine Impfung gibt. "Hauptgefahr ist die Borreliose, die bei uns von jeder vierten Zecke übertragen wird", sagt Dr. Heinz-Jürgen Wagner, der beim Landratsamt Bamberg den Fachbereich Gesundheitswesen leitet. Er empfiehlt nach jedem Aufenthalt in Wald oder Garten den sorgsamen Blick auf Kleidung und Körper. Und wenn es plötzlich irgendwo kribbelt, solle man auf jeden Fall auch noch einmal nachschauen. Selbst in der ausgezogenen Hose kann der Parasit einen Tag überleben, länger bekommt ihm das Raumklima in der Regel nicht. "Manche Zecken sind kleiner als ein Reiskorn, manche vollgesogene so dick wie eine Erbse", weiß Wagner.

Update vom 01.04.2019: Weniger FSME-Fälle außerhalb von Risikogebieten

Die von Zecken übertragene Hirnentzündung FSME tritt in Deutschland überwiegend in den ausgewiesenen Risikogebieten auf. Erkrankungen außerhalb ausgewiesener Gebiete machten nur etwa vier Prozent der Fälle aus, sagte der Zeckenforscher Jochen Süss am Mittwoch in Erfurt. Wegen Reiseverkehrs, etwa Wanderurlaub in Risikogebieten, plädiere er dennoch deutschlandweit für eine Schutzimpfung gegen die Erkrankung.

Die Zahl der FSME-Risikogebiete hat sich innerhalb von 20 Jahren nahezu verdreifacht. Derzeit hat das Berliner Robert-Koch-Institut bundesweit insgesamt 161 Gebiete ausgewiesen. 1998 seien es lediglich 63 gewesen, sagte Süss, der von Donnerstag an in Weimar einen Kongress zu von Zecken übertragenen Erkrankungen mit rund 180 Wissenschaftlern leitet.

Süss zufolge sind nur etwa bis zu zwei Prozent der in Deutschland heimischen Zeckenarten mit dem FSME-Virus belastet. Bei einem Stich gelangt er über das Blut in den Körper. Auf diese Weise funktioniert auch die um ein Vielfaches häufigere Infektion mit den Bakterien, die Borreliose auslösen, sogenannten Borrelien. In Deutschland erkranken daran nach Schätzungen jährlich zwischen 50.000 und 100.000 Menschen. Anders als bei FSME ist hier eine Behandlung mit Antibiotika möglich.

Wie wirkt sich der vergangene trockene Sommer auf die Zecken aus?

Unklar ist aus Wissenschaftler-Sicht derzeit, wie sich der trockene Sommer 2018 auf den diesjährigen Zecken-Jahrgang und die Häufigkeit der von den Spinnentieren übertragenen Krankheiten auswirkt. Dies lasse sich schlecht prognostizieren, sagte der Biologe und Co-Tagungsleiter Olaf Kahl. Ohnehin hänge die Häufigkeit von FSME oder Borreliose letztlich vom Freizeitverhalten der Menschen ab: "Bei schönem Wetter gehen sie schlicht häufiger ins Freie."

Milde Temperaturen begünstigen Zecken-Ausbreitung

Begünstigt wird die Ausbreitung der kleinen Krabbeltiere vor allem durch das wärmer werdende Wetter im Frühjahr. Der März war bislang etwa "deutlich zu mild", wie ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes in München sagte. Die Temperaturen lägen erkennbar über dem langjährigen Mittel.

Die Krankheit FSME verläuft nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin in zwei Phasen und beginnt mit grippeähnlichen Beschwerden. Oft bleibt eine zweite Phase aus - kommt es doch dazu, drohen dem Betroffenen Ausfälle im Nervensystem wie Anfallsleiden oder andauernde Kopfschmerzen.

Borreliose führt laut RKI zu Krankheitssymptomen wie Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen. Monate oder Jahre nach der Infektion kann eine Gelenkentzündung hinzukommen. Die Zecke muss eine längere Zeit saugen, bevor der Erreger übertragen wird. Das Infektionsrisiko steigt nach Angaben des Instituts nach einer Saugzeit von mehr als zwölf Stunden. Das heißt: Je früher das Krabbeltier entdeckt und entfernt wird, desto besser.

Update vom 20.02.2019: Neue Zecken-Art verbreitet sich in Deutschland

Im vergangenen Jahr tauchte in Deutschland eine Zecke vermehrt auf, die eigentlich in den Trocken- und Halbtrockengebieten von Afrika, Asien und ganz Südeuropa beheimatet ist: die Hyalomma. Zu dieser Gattung gehören 27 verschiedene Arten. Die beiden Zeckenarten Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes kamen bisher in Mittel- und Nordeuropa nicht vor. Sie gelten aus Überträger jenes Virus, das das Krim-Kongo-Fieber verursacht. Dies kann mit schweren Blutungen einhergehen. "Die 19 Zecken in Deutschland trugen das Virus aber nicht in sich", erklärte Peter Hagedorn, Zecken-Experte beim RKI.

Ein Tier der Gattung Hyalomma marginatum entdeckte eine Frau in Halfing im Landkreis Rosenheim, wie Hagedorn berichtet. Sie habe das ungewöhnlich große Tier mit auffällig gestreiften Beinen eingefangen und an das Institut geschickt. Hagedorn untersuchte und identifizierte das Tier.

Update vom 14.02.2019: Drei neue FSME-Risikogebiete

Bayern hat drei neue Risikogebiete für die von Zecken übertragene Virusinfektion Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Wie das Gesundheitsministerium am Donnerstag mitteilte, handelt es sich dabei um die Landkreise Landsberg am Lech und Garmisch-Partenkirchen (Oberbayern) sowie um die kreisfreie Stadt Kaufbeuren (Schwaben).

"FSME ist keine Lappalie. Denn die Folge können Entzündungen von Hirnhaut, Gehirn oder Rückenmark sein", sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Huml warb am Donnerstag in München dafür, sich gegen die Virusinfektion impfen zu lassen. Die Impfung wird dem Gesundheitsministerium zufolge von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen

In Bayern sind 91 der 96 Landkreise und kreisfreien Städte FSME-Risikogebiet. Nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gab es allein im Jahr 2018 mehr als 200 FSME-Erkrankungen im Freistaat.

 

Zeckenbiss - wann muss ich zum Arzt?

Wie gefährlich sind Zecken wirklich? Wie kann ich mich vor den Blutsaugern schützen? Wie entferne ich eine Zecke, wenn ich doch gebissen wurde? Muss ich bei einem Zeckenbiss zum Arzt? Wie ist die aktuelle Situation in Deutschland - vor allem in den Risikogebieten Süddeutschlands, insbesondere in Bayern und Franken? Wie entwickelt sich die Zahl der Zeckenbisse und der Infektionen mit Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)?

Dem Robert-Koch-Institut liegen für 2018 deutlich höhere Ansteckungszahlen vor als im Vergleichszeitraum 2017. Das Deutsche Rote Kreuz rät, bei Spaziergängen und Wandertouren helle Kleidung zu tragen, auf der man Zecken gut sieht.

Borreliose erkennen: Wanderröte breitet sich kreisförmig aus

Wo Zecken entdeckt werden, sollten diese zügig gezogen werden. "Dann muss man immer schauen, wie sich der Zeckenbiss entwickelt, ob es vielleicht nur bei einer kleinen Schwellung bleibt." Bei einer Borreliose-Infektion kommt es in den meisten Fällen zur so genannten Borreliose-Wanderröte.

Ausgehend von der Zeckenstichstelle breitet sie sich kreisförmig aus. Hier empfiehlt sich auf jeden Fall der Gang zum Arzt, denn gerade im frühen Stadium lässt sich laut Wagner Borreliose in der Regel gut mit Antibiotika behandeln. Schwieriger sind Diagnosen und Behandlungen von Borreliosen im Spätstadium. Eine Wanderröte ist dann nicht mehr erkennbar. Auch an einen Zeckenstich erinnern sich viele Patienten nicht mehr, da dieser unter Umständen schon länger zurückliegt. Bei später auftretenden und chronischen Symptomen wie Gelenkbeschwerden oder Gesichtslähmungen werden häufig Antibiotikagaben durch mehrwöchige Infusionen notwendig.

Zecke entfernen: Rausziehen oder drehen?

Was das Zeckenentfernen angeht, gibt es zwei Philosophien. Die einen schwören aufs Ziehen, die anderen drehen die Zecke lieber heraus. "Ich bin viel draußen und habe mir über die Jahre schon 100 Zecken selbst entfernt, ich drehe aber lieber als sie herauszuziehen", sagt Wagner. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Zecke möglichst hautnah gegriffen und nicht auf ihren Hinterleib gedrückt wird. Dies verhindert ein Quetschen der Zecke und somit auch die Freigabe von möglicherweise gefährlichen Körperflüssigkeiten. Außerdem sollte die Zecke langsam und kontrolliert entfernt werden. In den Apotheken gibt es zahlreiche Mittel, um Zecken abzuschrecken oder zu entfernen.

"Praktisch sind zum Beispiel Zeckenkarten, die passen sogar in den Geldbeutel", sagt Carina Wohlpart von der Herzog-Max-Apotheke. "Wer gerne dreht, nimmt eine sehr schmale Pinzette oder eine Zange, andere schwören auf Zeckenschlingen." Auch bei den Zecken-Abwehrsprays bietet sie ein breites Spektrum an, für die ganz Kleinen empfiehlt die Apothekerin Citronella und Kokosöl.

Zumindest für einige Stunden können die Sprays das Risiko eines Zeckenbisses deutlich verringern. Auf den Kontrollblick danach sollte man dennoch nicht verzichten.

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