Bamberg
Lehrermedientag

Wenn Lehrer lernen

Die Digitalisierung der Medien und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen standen im Mittelpunkt einer Fortbildungsveranstaltung für Pädagogen bei der MGO.
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Lehrer als aufmerksame Zuhörer beim Lehrermedientag der Mediengruppe Oberfranken. Als Vortragende mit dabei der Teamleiter der Onlineredaktion der MGO, Johannes Görz (links) und der stellvertretende Chefredakteur Christian Holhut. KLARTEXT!-Projektleiterin Isabelle Epplé (sitzend vorne) moderierte die Veranstaltung.Matthias Hoch
Lehrer als aufmerksame Zuhörer beim Lehrermedientag der Mediengruppe Oberfranken. Als Vortragende mit dabei der Teamleiter der Onlineredaktion der MGO, Johannes Görz (links) und der stellvertretende Chefredakteur Christian Holhut. KLARTEXT!-Projektleiterin Isabelle Epplé (sitzend vorne) moderierte die Veranstaltung.Matthias Hoch
Wie funktionieren soziale Medien? Wie beeinflussen sie uns? Wo liegen Gefahren und Chancen sogenannter Fake News? Oder wie geht man mit Hass-Kommentaren um?
Fragen, mit denen sich gestern beim bayerischen Lehrermedientag auf Einladung von KLARTEXT!, dem Schulprojekt dieser Zeitung, Pädagogen auseinandersetzten. Zu der Veranstaltung unter der Schirmherrschaft von Bildungsminister Ludwig Spaenle waren rund 100 Lehrer der verschiedensten Schularten bei der Mediengruppe Oberfranken (MGO) in Bamberg zusammengekommen. Geschäftsführer Walter Schweinsberg vollzog in seiner Begrüßung einen historischen Brückenschlag von analog zu digital. Die früheren publizistischen Eintrittsbarrieren, wie sie die Rotationsmaschinen in Zeitungsdruckereien symbolisierten, existierten in dieser ausschließlichen Form nicht mehr. Weil inzwischen jedermann via Internet zum Publizisten werden könne.
Mit den Folgen dieser Entwicklung setzte sich der Bamberger Kommunikationswissenschaftler Florian L. Mayer auseinander. Etwa damit, wie soziale Medien unsere Kommunikation beeinflussen. Das Internet als Publikationsplattform, das Smartphone als Werkzeug und Alleswisser habe zu einer Kommunikationsinflation geführt, die das Auffinden von wesentlichen Inhalten zu einer Herausforderung werden lasse. Social Networking wie Facebook oder Google, Multimedia-Plattformen wie Youtube oder Instagram, oder Instand Messaging-Tools wie WhatsApp als Werkzeug für Zusammenarbeit in Gruppen würden diese Orientierung in einer digitalen Welt mit sich ständig erweiternden Funktionen erschweren.


Entlastung im Alltag

Erleichtert würde dagegen die Mikro-Kommunikation, das einfache Mitteilungswesen zur Entlastung der Kommunikation im Alltag. Die frühere umgangssprachliche Konversation im Freundeskreis und die eher wohl formulierte Form der Publikation würden zusehends verschmelzen. Hinzu kämen neue Relevanzkriterien in den sozialen Medien mit eher persönlichen Inhalten, weniger gesellschaftlicher Relevanz. Wobei sich natürlich die Frage stelle, "wen es interessiert, wenn sich einer ein Butterbrot schmiert". Mayer plädierte in seinem Schlusswort dennoch für einen entspannteren Umgang mit den neuen Medien und den Chancen und Risiken, die sie mit sich brächten. Wie Lehrkräfte diese Themen mit ihren Schülern im Unterricht spielerisch erarbeiten können, erklärte KLARTEXT!-Redakteurin Isabelle Epplé.
Die folgenden Referenten setzten sich mit einigen konkreten Folgen digitaler Entwicklung, sogenannten Fake News oder auch Hass-Kommentaren auseinander. Benjamin Stahl, Redakteur bei der Mainpost in Würzburg, berichtete über seine Erfahrungen mit gefälschten Nachrichten. Zu finden zumeist in Blogs oder Nachrichtenportalen, befüllt von Privatleuten oder sogar Staaten wie Russland. Das Ziel: Politische Einflussnahme, in anderen Fällen auch finanzielle Interessen. Hier helfe sorgfältige Recherche: Um falschen Meldungen zu begegnen, habe die Redaktion einen Leitfaden entwickelt, der in seinem Kern ein noch genaueres Arbeiten einfordert, um Falschmeldungen nicht "auf den Leim" zu gehen. Johannes Görz von der Onlineredaktion der MGO wusste von zahllosen hasserfüllten Kommentaren zu verschiedensten Themen im Netz zu berichten. Anonym, aber auch unter voller Namensnennung, würden die verbalen Schimpftiraden die Grenze der Meinungsfreiheit weit überschreiten. In derlei Fällen lösche man die Einträge. Dabei würden die oft in ausgesuchter Höflichkeit erfolgenden Reaktionen der Redaktion oft auf überraschte Resonanz stoßen.
In der sich anschließenden Diskussion wiesen die Pädagogen mit Blick auf Hasskommentare auf ähnliche Erfahrungen im schulischen Bereich hin. Aber auch darauf, dass man bei aller Digitalisierung analoge Formen des Unterrichts nicht ausblenden sollte.


Projekt

Schüler helfen jungen Flüchtlingen

Konkrete Hilfe statt Hassparolen - ein interessantes Schülerprojekt konnte den Teilnehmern des Lehrermedientages in Bamberg vorgestellt werden. Am Bamberger Franz-Ludwig-Gymnasium hatten im Jahr 2015 Schüler das Projekt "FuN - Integration durch Nachhilfe und Freundschaft" für geflüchtete Jugendliche ins Leben gerufen.Wie einer der Initiatoren, Manush Mirzai, berichtete, wollte man nicht nur helfen, sondern sich zur Flüchtlingsproblematik eine eigene Meinung bilden können. So habe man gezielt junge unbegleitete Flüchtlinge in die Schule eingeladen, um sich in Gesprächen über Flüchtlingsursachen und Hintergründe zu informieren.

Dabei blieb es nicht. Die Schüler organisierten Nachhilfekurse für die jungen Flüchtlinge, die das Angebot dankbar annahmen. Insbesondere in Deutsch und Englisch, aber auch in anderen Fächern erteilten Schüler einmal in der Woche Nachhilfeunterricht. Die 17-jährige Wiebke Reinhardt half so einem 19-jährigen Afghanen. Zwischendurch gab's auch einmal ein Fußball-Turnier mit den Flüchtlingen, zum Schuljahresende ein gemeinsames Pizzaessen in der Schulmensa. Die Schüler halfen ihren Freunden aber auch, wenn es um die Beantwortung behördlicher Schreiben ging. Eine Initiative, die Respekt verdient.
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