Franken
Kriminalstatistik 2018

Kriminalstatistik für Oberfranken: Straftaten nehmen zu, Kriminalität geht zurück

Am Montagnachmittag hat die Polizei die Oberfränkische Kriminalstatistik vorgestellt. Die Gesamtzahl der registrierten Straftaten ist auf einem erfreulich niedrigen Niveau - obwohl die Zahl der registrierten Straftaten um 12 Prozent gestiegen ist.
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Die Polizei hat am Montagnachmittag die Oberfränkische Kriminalstatistik vorgestellt. Foto: Karl-Joseph Hildenbrand/dpa
Die Polizei hat am Montagnachmittag die Oberfränkische Kriminalstatistik vorgestellt. Foto: Karl-Joseph Hildenbrand/dpa

Wie die Polizei am Montagnachmittag bei der Vorstellung der Oberfränkischen Kriminalstatistik mitteilt, ist "Oberfranken eine ausgesprochen sichere Region. Die Gesamtzahl der registrierten Straftaten ist auf einem erfreulich niedrigen Niveau. Die Aufklärungsquote ist erneut die höchste in Bayern."

So wurden in Oberfranken im vergangenen Jahr insgesamt 54.910 Straftaten registriert.Im Vergleich zum Vorjahrsind die Straftaten um 12 Prozent angestiegen. Die Polizei konnte davon 41.033 Fälle aufklären. Die Entwicklung der Gesamtstraftaten wird nach wie vor durch Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz beeinflusst. Besonders in den Grenzregionen, aber auch in Erstaufnahmeeinrichtungen und Notunterkünften.

Ohne ausländerrechtliche Fälle Straftaten in Franken gesunken

Werden bei der Registrierung von Flüchtlingen ausländerrechtliche Verstöße festgestellt, werden diese zur Anzeige gebracht und als Straftaten gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz zusammengefasst. Bedingt durch die erhöhten Flüchtlingszahlen befinden sich Verstöße dieser Art seit Jahren auf erhöhtem Niveau.

Dieser überproportionale Anstieg beeinflusst die Anzahl der Straftaten insgesamt, die Aufklärungsquote und die Häufigkeitszahl. Nicht nur das Polizeipräsidiums Oberfranken sondern auch die Gemeinden und Dienstbereiche, in denen sich Notunterkünfte und Aufnahmeeinrichtungen befinden, sind davon betroffen.

Wie das Polizeipräsidium Oberfranken angibt, lässt der Vergleich der Anzahl der Straftaten kaum eine vergleichende Aussage zur Entwicklung der allgemeinen Kriminalität zu. Ohne ausländerrechtliche Fälle hat die Zahl der Straftaten um 0,2 Prozent abgenommen und ist im Jahr auf 47.589 Fälle gesunken.

Aufklärungsquote über landesweitem Durchschnitt

Die Aufklärungsquote bei den Straftaten insgesamt ist im Vergleich zum Jahr 2017 um 4,4 Prozent auf 74,7 Prozent. Oberfranken liegt mit dieser Aufklärungsquote wiederum deutlich über dem landesweiten Durchschnitt von 66,7 Prozent (Ohne ausländerrechtliche Fälle: Anstieg der Aufklärungsquote von 69,6 auf 70,9 Prozent).

Bei allen registrierten Straftaten in Oberfranken im Jahr 2018 kam es zu einer Gesamtschadenssumme von 72.709.375 Euro: 57.640.041 waren Beute- beziehungsweise Vermögensschaden. Die Höhe der Sachschäden belief sich auf 15.069.334 Euro.

Zahlen der Straftaten teils massiv beeinflusst von ausländerrechtlichen Fällen

In den Städten Bamberg, Bayreuth, Coburg und Hof gab es 2018 insgesamt 25.142 Straftaten. In Bamberg ist die Zahl der Straftaten um 74,3 Prozent angestiegen, in Hof um 5,1 Prozent. In Bayreuth und Coburg ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent gesunken. Der massive Anstieg z.B. in Bamberg lässt mit Straftaten gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz erklären: Ohne ausländerrechtliche Fälle sind die Straftaten in Bamberg (-3,8 Prozent), Bayreuth (-5 Prozent) und Coburg (-4,3 Prozent) rückläufig.

In den Landkreisen Bayreuth (-1,6 Prozent), Kronach (-6,4 Prozent), Kulmbach (-5 Prozent) und Wunsiedel (-5 Prozent) ist die Zahl der Straftaten gesunken. Ohne ausländerrechtliche Fälle sind die Straftaten in den Landkreisen Bayreuth (-2,7 Prozent), Kronach (-6,6 Prozent), Kulmbach (-5,2 Prozent) und Wunsiedel (-4,3 Prozent) ebenfalls rückläufig.

In den Landkreisen Bamberg (+5,6 Prozent), Coburg (+9,7 Prozent), Forchheim (+8,2 Prozent), Hof (+4 Prozent) und Lichtenfels (+1,8 Prozent) ist die Zahl der Straftaten angestiegen. Ohne ausländerrechtliche Fälle sind die Straftaten in den Landkreisen Bamberg (+5,5 Prozent), Coburg (+9,5 Prozent), Forchheim (+7,6 Prozent), Hof (+2,8 Prozent) und Lichtenfels (+1,7 Prozent) ebenfalls angestiegen.

In der Grenzregion, also in der Stadt Hof sowie den Landkreisen Hof und Wunsiedel ist die Anzahl der Straftaten um 1,3 Prozent gestiegen (Ohne ausländerrechtliche Fälle: Anstieg der Fälle um 1,1 Prozent). Die Rauschgiftdelikte in der Grenzregion sind um 1,6 Prozent gestiegen, die Diebstahldelikte sind zum Vorjahr um 9,8 Prozent gesunken.

Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte nimmt 2018 massiv zu

Bei Diebstahlsdelikten (-8,3 Prozent), Straßenkriminalität (-4,1 Prozent) und Wohnungseinbruchdiebstählen (-24,5 Prozent) sind die Fälle zurückgegangen. Entgegen dieser Abnahme haben die Gewaltkriminalität (+5,2 Prozent), der Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte (+165,8 Prozent), Sexualdelikte (+9,8 Prozent), Rauschgiftdelikte (+1,8 Prozent) und politisch motivierte Kriminalität (+12,8 Prozent) zugenommen.

2018 weniger Wohnungseinbruchdiebstähle in Oberfranken

Im Vergleich zum Vorjahr sind Wohnungseinbruchdiebstähle um 24,5 Prozent gesunken. 54,6 Prozent davon waren der lediglich ein Versuch. Die Oberfränkische Polizei konnte 20,6 Prozent der Fälle aufklären und liegt damit über dem bayernweiten Trend.

Weniger Rauschgifttote in Oberfrankem

Im Jahr 2018 ist die Zahl der Rauschgifttoten von 33 auf 21 Personen gesunken. Haupttodesursachen waren Fentanyl, Morphin und multipler Substanzgebrauch. Rauschgiftdelikte sind häufig Kontrolldelikte. Deshalb beträgt die Aufklärungsquote auch 96,1 Prozent. Rund 1,8 mehr Rauschgiftdelikte verzeichnete die Oberfränkische Polizei im Jahr 2018.

Mehr Drogen als 2017 sichergestellt

Die Menge an sichergestellten Drogen hat massiv zugenommen: 3.767,20 Gramm Cannabis hat die Oberfränkische Polizei festgestellt. Das beträgt 14,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Die sichergestellte Menge an Heroin ist um 412,3 Prozent gestiegen. Die sichergestellten Mengen Amphetamin (-63,6 Prozent) und Haschisch (-70,5 Prozent) haben abgenommen.

Wesentlich mehr "tatverdächtige Zuwanderer" als 2017

Unter den Begriff "Zuwanderer" fallen Tatverdächtige mit folgenden Aufenthaltsanlässen:

  • Asylbewerber
  • Asylberechtigter
  • Duldung
  • Kontingentflüchtline/Bürgerkriegsflüchtling
  • unerlaubter Aufenthalt

Auch die Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer (+141,6 Prozent) ist gestiegen. Tatsächliche Täter waren davon 20,1 Prozent. Ohne ausländerrechtliche Fälle ist die Zahl ebenfalls um 13,8 Prozent gestiegen.

Bei Körperverletzungsdelikten (+17,4 Prozent) und Delikten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (+34,4 Prozent) sowie Rauschgiftdelikten (+84 Prozent) ist ein deutlicher Anstieg in Bezug auf Zuwanderer erkennbar. Einzig bei Diebstahlsdelikten (-8,3 Prozent) ist ein Rückgang erkennbar. Häufig ist eine Asylunterkunft der Tatort. Überproportional viele nichtdeutsche Tatverdächtige sind besonders bei Eigentumsdelikten verzeichnet worden. Ebenfalls ist besonders bei Straftaten gegen das Leben, Diebstählen insgesamt, schweren Diebstählen und Raubdelikten eine Zunahme festzustellen. Auch der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen an der Straßen- und Gewaltkriminalität ist im Jahr 2018 gestiegen.

Höchster Stand politisch Motivierter Fälle in Franken

Bei der Entwicklung der Zahlen im Bereich der politisch motivierten Kriminalität hat die Oberfränkische Polizei im Vergleich zum Vorjahr wieder mehr Fälle verzeichnet: 2017 gab es 288 Fälle. Der höchsten Stand seit 2009 wird im Jahr 2018 mit 325 Fällen erreicht.

Einen deutlichen Rückgang verzeichnen rechtsextreme Fälle - Oberfranken erreicht den niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre mit 154 Vergehen. In den Regionen Bayreuth (39 Vergehen), Coburg (29 Fälle) und Hof (31 Fälle) haben rechtsextreme Vorfälle abgenommen. Lediglich in Bamberg ist ein Anstieg auf 55 Vorfälle zu verzeichnen.

Einen Anstieg von 69 linksextrem Fällen im Jahr 2017 auf 95 Straftaten im vergangenen Jahr stellen den höchsten Stand seit 2009 dar. Besonders in Bamberg hat die Oberfränkische Polizei einen Anstieg mit 53 Fällen verzeichnet.

Rund 480 Reichsbürger in Franken

Bis zum Jahr 2018 wurden insgesamt 620 Menschen auf die Zugehörigkeit zur Reichsbürgerbewegung überprüft. Davon konnte die Polizei rund 480 Menschen identifizieren, die der Szene zugehörig sind.

Zahl falscher Polizisten in Franken gestiegen

Eine deutliche Steigerung ist im Bereich des "Callcenter-Betrugs" festzustellen. Fälle mit falschen Polizisten und der "Enkeltrick" haben zugenommen: 2017 konnte die Polizei 409 Fälle feststellen, im Jahr 2018 1206 Straftaten. 73,3 Prozent davon nimmt der Betrug mit falschen Polizeibeamten ein. Den Enkeltrick wenden rund 16,9 Prozent der Betrüger an. 9,4 Prozent der Fälle versprechen Gewinne. Betrüger konnten so im Jahr 2018 1.077.817,61 Euro erbeuten.

Anstieg der Sexualdelikte in Franken unter bayernweitem Durchschnitt

9,8 Prozent mehr Sexualdelikte wurden 2018 in Oberfranken festgestellt. Bayernweit sind die Fälle um 12,5 Prozent gestiegen. Der Anteil der tatverdächtigen Zuwanderer an Sexualdelikten liegt bei 11,5 Prozent.



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