So läuft's beim Fasten

Die fünf Redakteurinnen von Franken Aktuell starteten mit ganz unterschiedlichen Vorsätzen in die Fastenzeit - hier berichten sie, wie es ihnen in der dritten Fastenwoche ergangen ist
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Die Redakteurinnen (von links) Jessica Rohrbach, Nina Grötsch, Nadine Nüsslein, Lisa Faber und Jessica Rus starteten  mit verschiedenen Vorsätzen in die Fastenzeit.Lukas Pitule
Die Redakteurinnen (von links) Jessica Rohrbach, Nina Grötsch, Nadine Nüsslein, Lisa Faber und Jessica Rus starteten mit verschiedenen Vorsätzen in die Fastenzeit.Lukas Pitule
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Jessica Rohrbach: Eine traurige Erkenntnis der dritten Fastenwoche: Ich esse mehr als sonst. Eigentlich ist es keine richtige Erkenntnis, sondern eher eine Vermutung. Denn durch die langen Essenspausen verspüre ich in letzter Zeit vor allem abends derart Heißhunger, dass ich das Gefühl habe, ab und zu ungehemmt alles in mich reinzuspachteln, was ich sonst (oder auch nicht?) über den Tag verteilt gegessen hätte. Genau weiß ich es nicht, denn Kalorien zählen wollte ich ja nicht mehr. Aber gerade Schokolade wird mir in letzter Zeit öfter zum Verhängnis. Nur ein Stückchen oder zwei, da bekommt man ja erst so richtig Lust auf mehr! Würde ich Kalorien zählen, würde ich mir den Schokokonsum schon genauer überlegen. Aber so? Wenn es doch innerhalb der acht Stunden ist? Und genau die Schokolade hat mir nun doch ein eher unangenehmes Fastenerlebnis beschert. Denn mit der habe ich es eines Abends dann doch gehörig übertrieben, was sich am nächsten Tag sogleich mit fiesen Bauchschmerzen rächte. Intervallfasten muss also nicht unbedingt gesund sein, nur weil man einige Stunden auf Nahrungsmittel verzichtet. Es kommt wie bei allem auf das richtige Maß an. Auf die Waage stelle ich mich in dieser Woche darum lieber nicht...

Nina Grötsch:Eine nette "Nebenwirkung" der Fastenzeit ist im besten Fall das Purzeln einiger Kilos. Ich hingegen bin vermutlich die einzige, die bis Ostern an Gewicht zugenommen haben wird.

Ganz einfach deshalb, weil ich es bis zum Mittagessen keinesfalls ohne ein zweites Frühstück aushalte. Wenn ich um 6 Uhr aus dem Bett klettere, kann ich unmöglich eine Stunde warten, um mit meiner Familie zusammen zu frühstücken. Auch weil der erste Kaffee ohne ein Nutella-Brötchen natürlich nur halb so gut schmeckt! Die Folge: Die Spanne bis 12 Uhr ist viel zu groß.

Spätestens um 10 Uhr beginnt mein Bauch zu knurren - und der guten Laune wegen muss ich schwach werden. Parallel zum Hungergefühl wächst außerdem der Neid auf alle Personen, die sich genüsslich auf die andere Seite drehen, wenn sie um 6:00 Uhr meinen Wecker klingeln hören. So muss sich ein Fleisch-Faster fühlen, wenn sein Gegenüber in ein Leberkäs-Brötchen beißt.

Die größte Herausforderung meines Fastenprojekts steht jedoch erst noch bevor: In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhren um eine Stunde nach vorn gestellt. Fortan stehe ich also um 5 Uhr auf! Wer hat sich dieses Fastengelübde bloß ausgedacht?

Nadine Nüsslein: Ja, ich muss mich hier und jetzt outen! Dem Zeitmangel geschuldet verwende ich ab und an Fertigprodukte in Form von Salat-Fix. Dill-, Gartenkräuter und Paprika-Päckchen wohnen bei mir im Küchenschrank. Mit dem Beginn meiner Fasten-Aktion habe ich mir unweigerlich die Zusammensetzung auch dieser Produkte näher angesehen und erschrocken festgestellt, dass diese zu einem Drittel aus Zucker bestehen. Vorbei sind nun diese Zeiten, dass ich mir damit schnell einen Salat anmache. Viel lieber halte ich es seit Aschermittwoch wie die Italiener, die schlicht und ergreifend Essig, Öl, Salz und Pfeffer verwenden. Ich muss sagen, es ist köstlich und der Zucker hat somit auch in meinem gesunden Grün keine Chance mehr. Bei meinem Experiment stelle ich fest, dass es ehrliche Lebensmittel gibt und eben "Mogelpackungen". Denn wenn man eine Schokolade genießt, weiß jeder, dass diese viel Zucker und Fett enthält - ehrlicher Genuss. Hingegen wissen die Wenigsten, dass zum Beispiel Ketchup zum größten Teil Zucker enthält und die Kalorienzufuhr enorm in die Höhe treibt. So etwas ist dann in meiner Definition ein "böses" Produkt!

Und wenn wir schon beim Thema "böse" sind. So muss ich an dieser Stelle auch etwas über meine Kollegen loswerden. So kamen diese Woche zwei aus dem Team mit Süßigkeiten in mein Büro, um vor meiner Nase demonstrativ weiße Choclaite-Chips und Schoko-Plätzchen zu verspeisen - natürlich nur um mich zu ärgern. Lachend dankte ich ab und habe mich gegenüber den lieben "Krümelmonstern" behauptet und wurde nicht schwach bei all den "Keeeeksen"! Aber es kostet Kraft...wie lange dauert bitte die Fastenzeit noch?

Lisa Faber: Hoffnungsvoll starte ich in die hoffentlich bessere Hälfte der Fastenzeit, denn ich habe mir endlich mit Bienenwachs beschichtete Tücher bestellt. Die kann man nämlich genauso wie Frischhaltefolie verwenden. Nach dem Benutzen wäscht man sie einfach ab und kann sie immer wieder verwenden. Und damit ist hoffentlich bald wieder genügend Platz im Kühlschrank, der derzeit noch von zahlreichen Boxen belagert wird, in die ich alles hinein packe, was sonst in der Frischhaltefolie gelandet ist. Damit wäre dann wieder eine kleine Etappe für einen plastikfreieren Alltag geschafft. Obwohl ich nach und nach merke, dass ich auch vor der Fastenzeit gut dabei war. Schon längere Zeit verzichte ich zum Beispiel auf Plastikflaschen. Wasser gibt es meistens aus der Leitung oder aus dem Wasserspender auf der Arbeit, oder eben aus Pfand-Glasflaschen. Außerdem habe ich immer einen Baumwollbeutel in meiner Handtasche, falls ich mal spontan etwas kaufen muss - das spart dann schon mal die Plastiktüte. Aber natürlich gibt es noch jede Menge zu verbessern. Ich bin gespannt, wie weit ich in den nächsten Wochen noch komme. Eins ist zumindest sicher: das Plastik, das jetzt schon aus meinem Alltag verschwunden ist, wird auch nach der Fastenzeit nicht zurückkommen.

Jessica Rus: Der Durchschnittsdeutsche verzehrt etwa 700 Gramm Fleisch in der Woche. Also beträgt der Saldo meines Fleischkontos in Woche drei schon minus 2090 Gramm.

Nein ich habe mich nicht verrechnet, es fehlen tatsächlich 10 Gramm auf die korrekte Rechnung. Wo die her kommen? Nun ja... Mir ist ein kleiner Fauxpas passiert. Am reich gedeckten Frühstückstisch am Sonntagmorgen griff ich aus Gewohnheit in die Wurstdose und belegte mein Brot ganz selbstverständlich mit Schinken und ein wenig Käse, wie sonst eben auch. Wäre mir in diesem Moment bewusst gewesen, wo ich da gerade hineinbeiße, hätte ich das Stückchen wohl mit viel mehr Genuss verzehrt. Äh, hätte ich es natürlich wieder zurück gelegt, meine ich. Erst nachdem der Bissen schon hinuntergeschluckt war, wurde mir klar, was ich da gerade getan hatte. Die Schuld sehe ich aber eindeutig darin, dass ich meinen Kaffee noch nicht getrunken hatte, ein bisschen wacher wäre mir das bestimmt nicht passiert! Etwas beschämt habe ich den Schinken dann an meinen Tischnachbarn weitergegeben. Zurück blieb ein trockenes Käsebrot und eine traurige Fleischfastende, die sich nach dem Ende dieser qualvollen Zeit sehnt.

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