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Schnäppchen sind Glückssache: Warum beim Black Friday Vorsicht geboten ist

Am Freitag, 23. November, erreicht die werbewirksame Rabattwoche Cyber Week ihren Höhepunkt - am Black Friday. Händler setzen auf den starken Verkaufstag. Käufer sollten sich die Preise aber genau anschauen. Nicht selten zahlen sie sogar drauf.
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Der Black Friday ist seit einigen Jahren in Franken angekommen, der Handel hofft auf hohe Umsätze. Verbraucher aber sollten auf passen und die Preise genau vergleichen.  Daniel Bockwoldt, dpa
Der Black Friday ist seit einigen Jahren in Franken angekommen, der Handel hofft auf hohe Umsätze. Verbraucher aber sollten auf passen und die Preise genau vergleichen. Daniel Bockwoldt, dpa
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An den oftmals überdimensionierten Prozentzeichen kommt niemand vorbei. Es vergeht kaum eine Woche, in der die Schaufenster nicht mit knalligen Farben für ihre Bestpreise und Schnäppchen werben. Online wie offline. Einer der Höhepunkte dieser Rabattschlachten ist der sogenannte Black Friday, in diesem Jahr am 23. November. Viele Händler versprechen Preisnachlässe von 70 und mehr Prozent. Aber können Verbraucher tatsächlich sparen?

Die Antwort auf diese Frage heißt ganz klar jein. Direkt am Black Friday und der rundherum stattfindenden Cyber Week gibt es tatsächlich einige Angebote, die sich lohnen können. Jedoch erschwert schon die schiere Masse der Versprechungen, das Passende herauszufinden. Lukrativ sein könnte beispielsweise der Erwerb von Apps und Software sowie Lebensmittel und das Buchen einer Reise.

"Überhöhte Referenzwerte"

"Konsumenten sollten aber wachsam sein, denn nicht hinter jedem 80 Prozent-Rabatt verbirgt sich auch ein gutes Angebot", sagt der Marketing-Experte Professor Claas Christian Germelmann von der Universität Bayreuth. "Nicht selten werden überhöhte Referenzwerte gewählt, um die Rabatte größer erscheinen zu lassen", erklärt er.

Wie die ZDF-Sendung "Wiso" mittels einer Online-Studie des Instituts Preishoheit fürs vergangene Jahr ermittelt hatte, fallen die Preise direkt am Black Friday nur in den seltensten Fällen. Mehr noch: Mehr als jedes fünfte Produkt ist sogar teurer als sonst. Bei 68 Prozent der 3000 getesteten Artikel blieb der Preis gleich, bei weniger als jeden zehnten ermittelten die Analysten eine Ersparnis. "Wiso" resümiert: Schnäppchen finden sei Glücksache - wie an jedem anderen Tag auch.

"Wichtig ist zunächst, sich durch begrenzte Stückzahlen oder Angebotslaufzeiten nicht unter Druck setzen zu lassen", rät Katharina Grasl von der Verbraucherzentrale Bayern. Verbraucher sollten zudem "darauf achten, nicht auf einen Fake-Shop hereinzufallen". Gerade wenn viele Händler im Internet mit Rabatten würben, könne die Verwechslungsgefahr groß sein. Ein Kauf per Vorkasse solle vermieden werden. Auch ein Blick ins Impressum sei immer sinnvoll.

Längst hat der Black-Friday-Hype auch auf die Läden in den Städten übergegriffen. "Es ist mittlerweile ein Trend, der leider Gottes jedes Jahr ein bisschen voranschreitet", sagt Alfons Distler, Geschäftsführer des Warenhauses Karstadt in Bamberg. Man müsse sich aus Verkäufersicht dem einfach stellen.

Start ins Weihnachtsgeschäft

In irgendeiner Form gehe jeder diesen Trend mit. "Der große Gewinner ist der Verbraucher", meint Distler. Spätestens in der voradventlichen Zeit beginnt auch für die vielen kleinen Läden in den Fußgängerzonen das Weihnachtsgeschäft. Verpassen sie den Starttermin für die wichtigste Zeit ihres Geschäftsjahres, könnte sie das teuer zu stehen zu kommen. "Viele Händler stehen unter Druck", sagt Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbands Bayern.

Der stationäre Handel ist also beinahe gezwungen, auf den Marketing-Zug namens Black Friday aufzuspringen, um der erdrückenden Konkurrenz aus dem Netz standzuhalten. Ein Menge zahlender Kunden sei aber nicht das einzige, was zählt. Höherer Umsatz bedeute nicht automatisch mehr Erfolg. "Manche verbrennen Geld, um bei den Rabatten mithalten zu können", so Ohlmann.

So geschehen im vergangenen Jahr beim Elektronikhändler Ceconomy (Mediamarkt, Saturn). Nach dem Black Friday liefen die Geschäfte schlechter, am Ende sank der Gewinn im Weihnachtsgeschäft.

Unterschiedliche Meinungen zu dem Thema haben unsere Autoren

Pro von Stephan Großmann (Redakteur):

Sicher ist nicht alles Gold, was glänzt. Wer mit offenen Augen durch die glitzernden Geschäfte in der Online- und Offlinewelt bummelt, stellt schnell fest, dass er die allerorten angebotenen Schnäppchen nicht immer für bare Münze nehmen darf. Wie meistens steckt der Teufel auch hier im Detail. Wer den überdimensionierten und oft fragwürdig realistischen Prozentzeichen in den Schaufenstern allzu blind glaubt, kann schnell auf die Nase fallen. Besonders, aber nicht nur am Black Friday.

Und doch kann er sich für Verbraucher lohnen. Wer Ausdauer beweist und gezielt nachschaut, kann während dieser zur Rabattschlacht stilisierten Werbeaktion tatsächlich Geld sparen. Beim einen Produkt mehr, beim anderen weniger. Aber selbst wenn es nicht Hunderte Euro sind, lohnt es sich. Die Leute machen sich über Konsum Gedanken und kaufen zumindest kurzzeitig einen Tick bewusster ein. Auch, wenn es nur des schnöden Mammons wegen ist.

Contra von Matthias Litzlfelder (Redakteur):

Der Mensch von heute ist ein Getriebener. Vermeintlichen Schnäppchen hetzt er hinterher, er vergleicht und vergleicht und vergleicht, immer auf der Suche nach dem günstigsten Preis. Es wäre schön, wenn die Leute durch Aktionen wie den Black Friday, dessen Zeitpunkt, vergleichbar der Weihnachtszeit, immer weiter nach vorne ausgedehnt wird, bewusster einkaufen würden.

Das Gegenteil ist der Fall. Die wenigsten Schnäppchenjäger suchen und vergleichen gezielt. Der Handel lebt davon, dass Produkte im Warenkorb landen, die einfach um des günstigen Preises willen gekauft werden. Wer online bestellt und kurze Zeit später irgendwo einen (noch) günstigeren Preis entdeckt, der widerruft, schickt zurück und ordert neu. Das kostet Zeit und Ressourcen - den Einzelnen und die Gesellschaft. Ganz zu schweigen vom Wert eines Erzeugnisses. Solche Rabattschlachten beeinflussen irgendwann auch die Qualität von Produkten.

Was dahinter steckt

Black Friday Bekannt ist dieser Aktionstag aus den USA. Am Freitag nach Thanksgiving, dem amerikanischen Erntedankfest, beginnt in den Vereinigten Staaten die Weihnachtssaison. Seit einigen Jahren gibt es den Black Friday auch in Deutschland. Die Herkunft des Namens ist nicht eindeutig geklärt. Eine Theorie lautet, dass Händler an diesem Tag die Chance haben, aus dem Minus herauszukommen - also schwarze statt rote Zahlen zu schreiben. Manche meinen, es liege daran, dass die Händler an diesem Tag schwarze Hände vom Geldzählen bekämen ...

Cyber Monday

Dieser Marketingbegriff meint den Start des Weihnachtsverkaufs von Online-Shops.

Widerrufsrecht Bei Einkäufen im Internet steht Verbrauchern in den meisten Fällen ein 14-tägiges Widerrufsrecht zu - ohne Angabe von Gründen. Anders sieht es im stationären Handel aus. Dort gilt: Gekauft ist gekauft. Ein Widerrufsrecht existiert nur bei sogenannten Fernabsatzgeschäften, wenn die Ware also übers Internet oder telefonisch im Versandhandel bestellt worden ist.

Umtausch Per Gesetz gibt es kein Recht, Ware im Laden wegen Nichtgefallens umzutauschen. Jedoch räumen viele Händler ein Umtauschrecht freiwillig ein.

Gewährleistung Funktioniert etwas nicht oder weist Mängel auf, ist der Verkäufer in der Pflicht - auch ohne Kassenbon. Den aufzuheben, ergibt aber Sinn. Im Falle eines Streits ist der Käufer in der Nachweispflicht.

Abmahnfalle Die Werbung mit "Black Friday" kann teuer werden, denn der Begriff ist markenrechtlich geschützt - noch. Die Löschung ist vom Deutschen Patent- und Markenamt zwar bereits beschlossen, da der Begriff inzwischen als allgemeingebräuchlich definiert wurde. Die Markeninhaberin, eine Firma mit Sitz in Hongkong, hat allerdings Beschwerde eingelegt. Die Sache ist also noch nicht rechtskräftig entschieden.

Tipps Verbraucher sollten sich trotz gut klingender Schnäppchen Zeit nehmen, um Angebote in Ruhe zu vergleichen. Das geht etwa über Preisvergleichsportale im Internet wie z.B. idealo.de oder billiger.de.

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