Weißenburg in Bayern
Pflegefamilie gesucht

Weihnachtswunder für zwei Schwestern aus Weißenburg: Mädchen verbringen Fest vielleicht mit neuer Familie

Seit zwei Monaten läuft die Suche nach der perfekten Familie: Nach dem Tod ihres Vaters konnten zwei Schwestern aus dem Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen nicht mehr bei ihrer Mutter leben. Pünktlich zu Weihachten steht das erste Treffen mit den potenziellen Pflegeeltern bevor.
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Seit Mitte Oktober ist das Jugendamt in Weißenburg-Gunzenhausen auf der Suche nach passenden Pflegeeltern für  zwei Schwestern. Kurz vor Weihnachten treffen die Mädchen zum ersten Mal ihre potenzielle Pflegefamilie. Symbolfoto: Pexels/Josh Willink
Seit Mitte Oktober ist das Jugendamt in Weißenburg-Gunzenhausen auf der Suche nach passenden Pflegeeltern für zwei Schwestern. Kurz vor Weihnachten treffen die Mädchen zum ersten Mal ihre potenzielle Pflegefamilie. Symbolfoto: Pexels/Josh Willink

Diese zwei kleinen Mädchen bekommen wohl zu Weihnachten ein ganz besonderes Geschenk: Seit Mitte Oktober ist das Jugendamt in Weißenburg-Gunzenhausen auf der Suche nach passenden Pflegeeltern für zwei Schwestern. Denn nachdem ihr Vater verstorben war, konnten die sechs und zehn Jahre alten Mädchen aus Altmühlfranken nicht mehr bei ihrer Mutter bleiben.

Knapp eine Woche vor Weihnachten hat das Weißenburger Landratsamt gute Nachrichten: Aus einer der rund 200 Bewerbungen ist nun eine Familie in die engere Auswahl gekommen. In den nächsten Tagen soll das erste Treffen zwischen der potenziellen Pflegefamilie und den Schwestern stattfinden.

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Insgesamt 180 Bewerbungen aus ganz Deutschland waren seit dem Aufruf des Landratsamtes eingegangen. Die Suche wurde Anfang November eingestellt. "Wir sind wirklich überwältigt von dieser Resonanz. Mit so vielen Rückmeldungen hätten wir nicht gerechnet", sagt Stefan Lahner, Leiter des Jugendamtes. Danach stand ihm und seinen Kollegen aber erst der schwerste Teil bevor: Aus allen Pflegewilligen die perfekte Familie für die beiden Mädchen herauszusuchen. Alle eingegangenen Bewerbungen wurden geprüft und viele Gespräche geführt. Ganz wichtig dabei: Die Mädchen müssen zusammenbleiben können. Bewerber, die nur Kapazitäten für ein Pflegekind haben, wurden von vorneherein ausgeschlossen.

Erstes Treffen mit neuer Familie

"Nun befinden wir uns auf der Zielgeraden", sagt Stefan Lahner. Wenn sich die beiden Mädchen bei dem Treffen wohlfühlen, soll es weitere Möglichkeiten zum Kennenlernen geben. Die Schwestern könnten dann beispielsweise einige Tage in der Familie verbringen. Aber: "Das letzte Wort haben die beiden Kinder und die leibliche Mutter", betont Stefan Lahner.

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Nachdem der Vater der sechs und zehn Jahre alten Schwestern verstorben war und die Mutter sich aufgrund einer Behinderung nicht selbst um ihre beiden Töchter kümmern konnte, wurden die Mädchen mit Einverständnis der Mutter vorübergehend in einer Bereitschaftspflegefamilie untergebracht. Zwar habe das Jugendamt einen eigenen Pool an Pflegefamilien, aber die Unterbringung beider Mädchen wäre bei keiner dieser Familien möglich. "Deswegen haben wir uns auch an die Presse gewandt", sagt Stefan Lahner.

Die Behörde hatte sich bei der Suche auf Bewerber aus einem Umkreis von 60 Kilometern konzentriert - das traf auf 40 Familien zu. Mit den potenziellen Pflegefamilien nahm das Jugendamt anschließend Eignungsprüfungen vor, um den Bedürfnissen der Schwestern gerecht zu werden. "Da sitzt nicht irgendein Verwaltungsfachangestellter am Schreibtisch und entscheidet einfach, die Familie nehmen wir jetzt einfach. Will wollen uns sehr sicher sein."

Darauf kommt es in der Eignungsprüfung an

Doch auf was wurde in den Eignungsprüfungen Wert gelegt? In mehreren regelmäßig stattfindenden Gesprächen zwischen Behörde und Bewerbern sollte herausgefunden werden, ob beispielsweise Einkommens- und Wohnverhältnisse passen, die Führungszeugnisse der Eltern in Ordnung sind und ob alle Familienmitglieder hinter der Entscheidung stehen, Pflegekinder bei sich aufzunehmen.

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Außerdem war wichtig, ob es in der neuen Familien bereits Kinder, Pflegebedürftige oder Familienmitglieder mit Behinderung gibt. Ebenfalls entscheidend war, ob die Pflegeeltern in einem ähnlichen Alter wie die biologischen Eltern der Kinder sind und ob ihnen daran gelegen ist, den Kontakt zu den leiblichen Eltern aufrechtzuerhalten. Das ist besonders wichtig, wenn die Mädchen zu einem späteren Zeitpunkt zu ihrer Mutter zurückkehren können. Entscheidend ist jedoch, dass hinter der Motivation der Pflegefamilie nicht nur Mitleid steckt und die Aussicht auf eine finanzielle Unterstützung in Form des Pflegegeldes für die Bewerbung nicht ausschlaggebend war.

Vorwürfe gegen das Landratsamt: Ihr nehmt der Mutter ihre Kinder weg

Doch nicht nur Mitleid und Hilfsbereitschaft hat das Jugendamt nach dem öffentlichen Aufruf erhalten. "Wir wurden mit Vorwürfen konfrontiert, wir würden der Mutter ihre beiden Kinder wegnehmen." Gerade über Facebook, erklärt Lahner, seien solche Kommentare aufgekommen. Es gehe einfach nicht, das sei allen Beteiligten klar. Die Mitarbeiter des Landratsamtes hätten sich über manchen Facebook-Post sehr gewundert. "Wir können der Familie schließlich keine 24-Stunden-Pflegekraft bereitstellen", heißt es von Seiten der Pressestelle.

Die beiden Schwestern seien unauffällig im Kontakt. Das zehnjährige Mädchen besucht eine weiterführende Schule, die sechsjährige Schwester wird im kommenden Jahr eingeschult. In der aktuell schwierigen und belastenden Situation brauchen die Kinder ein Zuhause, in dem sie sich wohl und geborgen fühlen. Ein strukturierter Tagesablauf sowie Bezugspersonen, die sich liebevoll kümmern und auf die kindlichen Bedürfnisse eingehen, sollen idealerweise mit einer Pflegefamilie gefunden werden.

Die Pflegefamilien werden durch das Jugendamt begleitet sowie beraten und erhalten eine finanzielle Unterstützung. "Die Pflegeeltern werden von uns nicht allein gelassen. Es erfolgt eine intensive Betreuung und ein permanenter Austausch mit den Pflegefamilien", verdeutlichte Stefan Lahner.

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