Weißenburg in Bayern
Pflegefamilie gesucht

180 Familien wollen Schwestern aus Weißenburg aufnehmen - Bewerber werden streng geprüft

Weil ihr Vater starb und ihre Mutter sich nicht um sie kümmern kann, wird für zwei Schwestern aus dem Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen eine Pflegefamilie gesucht. Die Resonanz auf den Aufruf des Landratsamtes war überwältigend. Doch der schwerste Part kommt noch: Aus 180 Bewerbungen die optimale Familie auszuwählen.
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Rund 40 Familien stehen in der engeren Auswahl: Die beiden Mädchen aus Weißenburg-Gunzenhausen könnten noch vor Weihnachten zu ihrer Pflegefamilie ziehen. Symbolfoto: Pixabay/bmewett
Rund 40 Familien stehen in der engeren Auswahl: Die beiden Mädchen aus Weißenburg-Gunzenhausen könnten noch vor Weihnachten zu ihrer Pflegefamilie ziehen. Symbolfoto: Pixabay/bmewett

Das Schicksal der beiden jungen Mädchen bewegte viele Franken: Für zwei Schwestern aus dem mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen wird seit einigen Wochen dringend eine Pflegefamilie gesucht. Insgesamt 180 Bewerbungen aus ganz Deutschland sind seit dem Aufruf des Landratsamtes eingegangen. Die Suche wurde mittlerweile eingestellt. Doch nun steht den Mitarbeitern der schwerste Teil bevor: Aus allen Pflegewilligen die perfekte Familie für die beiden Mädchen herauszusuchen. Bis Weihnachten soll die Entscheidung fallen.

Nachdem der Vater der sechs und zehn Jahre alten Schwestern gestorben war und die Mutter sich aufgrund einer Behinderung nicht selbst um ihre beiden Töchter kümmern konnte, hoffte das Landratsamt eine Pflegefamilie für die beiden zu finden. Ganz wichtig dabei: Die Mädchen müssen zusammenbleiben können. Bewerber, die nur Kapazitäten für ein Pflegekind haben, werden somit von vorneherein ausgeschlossen: Denn die Schwestern sollen nicht getrennt werden.

Zahlreiche Rückmeldungen zu Suche nach Pflegefamilie

"Die Not ist behoben", sagt Stefan Lahner, Sachgebietsleiter Jugend und Familie beim Landratsamt Gunzenhausen, im Gespräch mit inFranken.de. "Wir sind wirklich überwältigt von dieser Resonanz. Mit so vielen Rückmeldungen hätten wir nicht gerechnet." Aber für ihn und seine Kollegen beginnt jetzt erst der Großteil der Arbeit. "Wir werden uns mit den Rückmeldungen beschäftigen, Hausbesuche machen und in Gesprächen die richtige Pflegefamilie finden."

Die Behörde wird sich dabei zunächst auf Bewerber aus einem Umkreis von 60 Kilometern konzentrieren - das trifft auf 40 Familien zu. Mit den potenziellen Pflegefamilien werde man sich jetzt die nächsten Wochen intensiv beschäftigen, Eignungsprüfungen vornehmen und dann ein neues Zuhause für die Mädchen finden.

Darauf kommt es in der Eignungsprüfung an

Doch auf was wird in diesen Eignungsprüfungen Wert gelegt? In mehreren regelmäßig stattfindenden Gesprächen zwischen Behörde und Bewerbern soll herausgefunden werden, ob beispielsweise Einkommens- und Wohnverhältnisse passen, die Führungszeugnisse der Eltern in Ordnung sind und ob alle Familienmitglieder hinter der Entscheidung stehen, Pflegekinder bei sich aufzunehmen.

Mehr zum Thema: Einseitige Förderung - Eltern bekommen für Pflegekinder kein Familiengeld

Außerdem ist wichtig, ob es in der neuen Familien bereits Kinder, Pflegebedürftige oder Familienmitglieder mit Behinderung gibt. Ebenfalls entscheidend ist, ob die Pflegeeltern in einem ähnlichen Alter wie die biologischen Eltern der Kinder sind und ob ihnen daran gelegen ist, den Kontakt zu den leiblichen Eltern aufrechtzuerhalten. Das ist besonders wichtig, wenn die Mädchen zu einem späteren Zeitpunkt zu ihrer Mutter zurückkehren können.

Mitleid alleine reicht nicht aus

Entscheidend ist jedoch, dass hinter der Motivation der Pflegefamilie nicht nur Mitleid steckt und die Aussicht auf eine finanzielle Unterstützung in Form des Pflegegeldes für die Bewerbung nicht ausschlaggebend war. Die beiden Schwestern dürfen sich ihre Pflegeeltern jedoch nicht selbst aussuchen: Sie lernen die Familie erst kennen, wenn die Entscheidung bereits gefallen ist.

Die Suche nach einer Pflegefamilie ist nun beendet, die Bewerbungen werden gesichtet. Die Mädchen sind seit zwei Monaten bei einer sogenannten Bereitschafts-Pflegefamilie untergebracht. Zwar habe das Jugendamt einen eigenen Pool an Pflegefamilien, aber die Unterbringung beider Mädchen wäre bei keiner dieser Familien möglich. "Deswegen haben wir uns auch an die Presse gewandt", sagt Stefan Lahner.

Die Entscheidung für eine Pflegefamilie soll noch im Dezember fallen. Vielleicht können die Mädchen dann schon in einem neuen Zuhause Weihnachten feiern. Das Jugendamt will sich dafür viel Zeit nehmen, um den Bedürfnissen der Schwestern gerecht zu werden. "Da sitzt nicht irgendein Verwaltungsfachangestellter am Schreibtisch und entscheidet einfach, die Familie nehmen wir jetzt einfach. Will wollen uns sehr sicher sein."

Vorwürfe gegen das Landratsamt: Ihr nehmt der Mutter ihre Kinder weg

Die Mädchen mussten nach dem Tod ihres Vaters ihre Familie verlassen. Die Mutter kann, so Stefan Lahner, aufgrund einer Behinderung nicht für die Mädchen sorgen. Das weiß die Mutter, das wissen auch die beiden Kinder. "Trotzdem wurden wir mit Vorwürfen konfrontiert, wir würden der Mutter ihre beiden Kinder wegnehmen." Gerade über Facebook, erklärt Lahner, seien solche Kommentare aufgekommen. Es gehe einfach nicht, das sei allen Beteiligten klar. Die Mitarbeiter des Landratsamtes hätten sich über manchen Facebook-Post sehr gewundert. "Wir können der Familie schließlich keine 24-Stunden-Pflegekraft bereitstellen", heißt es von Seiten der Pressestelle.

Aufruf an die Presse

Beide Mädchen seien, so heißt es in der Pressemitteilung des Landratsamtes Weißenburg-Gunzenhausen, unauffällig im Kontakt. Das zehnjährige Mädchen besucht eine weiterführende Schule, dessen sechsjährige Schwester wird im kommenden Jahr eingeschult. In der aktuell schwierigen und belastenden Situation brauchen die Kinder ein Zuhause, in dem sie sich wohl und geborgen fühlen. Ein strukturierter Tagesablauf sowie Bezugspersonen, die sich liebevoll kümmern und auf die kindlichen Bedürfnisse eingehen, sollen idealerweise mit einer Pflegefamilie gefunden werden.

Die Pflegefamilien werden durch das Jugendamt begleitet sowie beraten und erhalten eine finanzielle Unterstützung. "Die Pflegeeltern werden von uns nicht allein gelassen. Es erfolgt eine intensive Betreuung und ein permanenter Austausch mit den Pflegefamilien", verdeutlichte Stefan Lahner in der Mitteilung.

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