Franken
Gefahren im Netz

Oberfranken: Schüler verschicken Nacktfotos von Fünftklässlerin - Lage eskaliert

Ein falscher Schritt hat eine Fünftklässlerin in Oberfranken in tiefe Verzweiflung gestürzt: Der Fall zeigt, wie gefährlich ein leichtsinniger Umgang mit moderner Technik sein kann.
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Gerade für Kinder und Jugendliche kann ein leichtsinniger Umgang mit dem Smartphone schlimme Folgen haben. Dies zeigt ein Fall in Oberfranken.Symbolbild: Tobias Hase/dpa
Gerade für Kinder und Jugendliche kann ein leichtsinniger Umgang mit dem Smartphone schlimme Folgen haben. Dies zeigt ein Fall in Oberfranken.Symbolbild: Tobias Hase/dpa

Fast jedes Kind hat ein Handy - meist handelt es sich um ein Smartphone mit Internetzugang. Das birgt Gefahren. Dies zeigt ein aktueller Fall an einer oberfränkischen Realschule: Eine Fünftklässlerin verschickte über Snapchat Nacktfotos von sich an einen Jugendlichen - doch die Bilder machten die Runde.

Das Mädchen wurde dadurch in tiefe Verzweiflung gestürzt: Der Fall kam nun ans Licht, weil sich die Schülerin mehrfach selbst verletzt hat. Dies nimmt die Polizei zum Anlass, vor den Gefahren der Technik zu warnen und an alle Eltern zu appellieren.

Einmal versendet lassen sich Bilder nicht wieder zurückholen

"Bilder, die einmal versendet sind, lassen sich nicht wieder zurückholen", sagt Katrin Schamel, Präventionsbeauftragte im Polizeipräsidium Oberfranken. Auch andere Stellen warnen regelmäßig vor den Gefahren - auch Schüler sollen als "Medienscouts" jüngeren Mitschülern helfen. Dies gilt nicht nur für WhatsApp oder Facebook, sondern auch für Snapchat, einer App, bei der die versendeten Schnappschüsse eigentlich nach zehn Sekunden wieder verschwinden sollten und sogenannte Stories nach 24 Stunden. Denn per Bildschirmscreen kann jedes Foto blitzschnell abfotografiert, gespeichert und weiterverbreitet werden.

Offiziell ist Snapchat ab 13 Jahren zugelassen - die Schülerin, deren Bilder im aktuellen Fall an ihrer eigenen Schule und wohl auch darüber hinaus verbreitet wurden, ist aber jünger. Auch beim Nachrichtendienst WhatsApp, der offiziell ab 16 Jahren zugelassen sind, sind die meisten Kinder zu finden, sobald sie ein Handy haben.

Straftatbestand der Kinderpornografie steht im Raum

Eltern, die ihren Kindern den Zugang zu einem internetfähigen Telefon erlauben, sollten ihre Kinder deshalb unbedingt ganz genau und immer wieder auf die Gefahren hinweisen, die damit verbunden sind. Generell gelte, dass Kinder und Jugendliche auf allzu private Bilder verzichten sollten, denn Aufnahmen, die einem hinterher unangenehm sein könnten oder sogar schaden, haben im Netz nichts zu suchen - auch wenn sie kurzfristig vielleicht für viele Smileys, Daumen-hoch oder Likes führen. Denn "online ist online", sagt Katrin Schamel: "Einmal veröffentlichte Bilder können nicht mehr eingefangen werden."

Den aktuellen Fall meldete der Schulleiter der Polizei - Lehrer waren auf die Problematik aufmerksam geworden, weil das Mädchen begann, sich vor Verzweiflung selbst zu verletzen. Mehrere Telefone wurden beschlagnahmt, der Straftatbestand der Verbreitung von Kinderpornographie steht im Raum.

Was sollten Eltern tun? Das rät die Polizei

- Weisen Sie Ihre Kinder genau auf die Gefahren des Internets hin. Sie sollten keine privaten Bilder im Internet versenden und keine Bilder von anderen weiterleiten.

- Kursieren Bilder online, die einem unangenehm sind, können Eltern oder Jugendliche selbst diese dem Betreiber sowie Stellen wie jugendschutz.net oder internet-beschwerdestelle.de melden.

- Melden Sie sich in schweren Fällen bei der Polizei.

Allgemeine Informationen: Wann ist mein Kind reif für ein Smartphone?

Tippen, wischen, surfen - auch Kinder wollen die Möglichkeiten eines Smartphones nutzen. Doch viele Eltern sind sich nicht sicher: Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Mini-Computer im Hosentaschen-Format?

"Da es sich in der Tat um einen eigenen kleinen Computer handelt, sollten Kinder bereits Surf-Erfahrungen haben und auch die vielen komplexen Funktionen des Gerätes kennen. Welche sind unbedenklich, und wo lauern die Stolperfallen?", sagt Medienpädagogin Kristin Langer von der Initiative "Schau Hin! Was dein Kind mit Medien macht". Kinder sollten zum Beispiel in etwa wissen, welche Inhalte im Netz geteilt werden dürfen und welche nicht. Welche Fotos darf man verbreiten? Wie tappt man nicht in Abo-Fallen?

"Solche Dinge können Kinder in der Regel mit elf, zwölf Jahren wissen - vorausgesetzt, die Eltern waren zuvor begleitend aktiv", so Langer. Allerdings habe jedes Kind seinen eigenen Rhythmus. So könne es passieren, dass ein Grundschüler sich von einem Smartphone gestresst fühlt, weil er so viele Nachrichten zu beantworten hat. Auch die Angst, so ein teures Gerät zu verlieren oder gegen ein Handyverbot in der Schule zu verstoßen, könnte Stress auslösen.

Was tun, wenn sich das Kind ausgeschlossen fühlt?

Doch was, wenn alle Klassenkameraden schon vor dem zehnten Geburtstag ein Smartphone haben - und Kinder ohne damit vom Klassenchat ausgeschlossen wären? "Dann gilt es, bestimmte Regeln aufzustellen, etwa WLAN nur zu Hause und kein freies Internet für unterwegs, bestimmte Anwendungen wie Bluetooth und GPS ganz sperren", rät Langer. Kann man dem Kind dann nicht gleich ein altes Handy vermachen, das nur telefonieren kann? "Das wiederum könnte das Kind an den Rand stellen. Ein Nur-Telefon-Handy ist nun mal kein Statussymbol."

Gegen überbordende Ansprüche auf das neueste Modell helfe nur eine schmerzhafte finanzielle Selbstbeteiligung des Kindes, findet Langer. "Und auf jeden Fall ein Smartphone ohne Vertrag. Mit einer aufladbaren Karte lernen die Kinder besser zu haushalten."

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