Lichtenberg
Fall Peggy

Rätselhafter Mordfall Peggy Knobloch: Was geschah mit der neunjährigen Peggy wirklich?

Geständnis im Mordfall Peggy Knobloch: 17 Jahre nach ihrem Verschwinden kommt nun Bewegung in den mysteriösen Fall. Manuel S. gibt zu, das leblose Mädchen in einem Wald in Thüringen verscharrt zu haben. Der Tatvorwurf lautet: Mord.
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Ein blauer Kunststoff-Sack liegt am 06.07.2016 in einem Waldstück im Saale-Orla-Kreis bei Rodacherbrunn (Thüringen), in dem auch Skelettteile von Peggy gefunden worden waren. Die Polizei hatte das Waldstück nach dem Ende der Suche nach weiteren Skelettteilen wieder freigegeben. Foto: Daniel Karmann/dpa
Ein blauer Kunststoff-Sack liegt am 06.07.2016 in einem Waldstück im Saale-Orla-Kreis bei Rodacherbrunn (Thüringen), in dem auch Skelettteile von Peggy gefunden worden waren. Die Polizei hatte das Waldstück nach dem Ende der Suche nach weiteren Skelettteilen wieder freigegeben. Foto: Daniel Karmann/dpa
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Spektakuläre Wende im Fall Peggy: Nach einem Geständnis kommt Dynamik in einen der Aufsehen erregendsten und rätselhaftesten Kriminalfälle der vergangenen Jahre in Oberfranken.

Dennoch ist der Mordverdächtige nicht in Haft, sondern frei. Viele Menschen fragen sich nun: Warum ist Manuel S. noch auf freiem Fuß?

  • Im Mordfall Peggy Knobloch hat Manuel S. ein Geständnis abgelegt.
  • Der 41-Jährige hat zugegeben, dass Mädchen aus Oberfranken in einem Wald in Thüringen vergraben zu haben.
  • Die Polizei hat am Freitagvormittag eine Pressekonferenz abgehalten.
  • Ein Pollenfund half bei den Ermittlungen
  • Manuel S. ist weiterhin auf freiem Fuß.

Warum ist der Tatverdächtige nicht in Haft?

Es herrscht laut der oberfränkischen Polizei weder Flucht- noch Verdunklungsgefahr, zudem besteht kein dringender Tatverdacht, das heißt, die Polizei kann derzeit nicht davon ausgehen, dass eine Verurteilung von Manuel S. wahrscheinlich wäre. Deshalb suchen die Beamten nun wieder Zeuge.

Fall Peggy: Was war geschehen?

Peggy Knobloch war am 7. Mai 2001 auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Der 41-jährige Manuel S. hat gestanden, das leblose Mädchen in einen Wald nach Thüringen gefahren und dort vergraben zu haben. Das berichten die Ermittler bei einer Pressekonferenz in Bayreuth am Freitagvormittag (21.09.2018).

Lebloses Mädchen von anderem Mann erhalten

Der 41-Jährige habe angegeben, dass er das leblose Kind von einem anderen Mann an einer Bushaltestelle übernommen habe. Er habe noch versucht, das Mädchen wiederzubeleben, sie dann jedoch in eine rote Decke gepackt und in einem goldfarbenen Auto in den Wald gebracht.

Der Tatvorwurf gegen Manuel S. lautet Mord. Der Mann ist aber immer noch auf freiem Fuß. Die Polizei sehe keinen dringenden Tatverdacht. Die Ermittler suchen nach Zeugen.

So kamen die Ermittler erneut auf die Spur von Manuel S.

Den Ermittlern gelang ein Durchbruch: Nachdem im Juli 2016 die sterblichen Überreste der im Mai 2001 verschwundenen Peggy Knobloch gefunden worden, schlossen sich langwierige kriminalistische Ermittlungen sowie komplexe wissenschaftliche Untersuchungen mit unterschiedlichen Zielrichtungen an, teilt die Polizei mit. Die vorhandene Spurenlage und die sich daraus ergebenden Erkenntnisse mussten von den Ermittlern fortwährend mit der bereits bekannten Aktenlage abgeglichen und jeweils neu bewertet werden. Die Geschichte des Ermittlungsverfahrens, der enorme Umfang an Akten und Informationen und insbesondere der Zustand der erst 2016 aufgefundenen sterblichen Überreste von Peggy Knobloch erforderten neben kriminalistischem Spürsinn auch die Einbeziehung wissenschaftlicher Disziplinen, die außerhalb üblicher Ermittlungsroutinen stehen.

Pollen und Farbreste führen zu 41-Jährigem

Die Summe der Erkenntnisse aus den Untersuchungen am Fundort generierter Spuren sowie die Neubewertung bereits bestehender polizeilicher Feststellungen rückten den 41-jährigen Manuel S. erneut in den Fokus der Ermittlungen. So entdeckte eine forensische Palynologin (Pollenkunde) an den sterblichen Überresten des Mädchens unterschiedliche, mikroskopisch kleine Pollen, die im weiteren Untersuchungsgang als Bestandteile von Torf identifiziert werden konnten. Hier ergab sich ein Bezug zu Pflanzarbeiten des Mannes am Tattag, die den Ermittlern bereits bekannt waren. Am Ablageort gesicherte Mikropartikel stellten sich nach der Begutachtung als Farbreste dar, wie sie in Renovierungsmüll vorkommen.

Den Ermittlern war bekannt, dass der jetzt Beschuldigte damals umfangreiche Renovierungsarbeiten ausgeführt hatte. Weiter erzeugte die Sichtung von vorhandenen Videoaufzeichnungen aus der damaligen Sparkassenfiliale erhebliche Zweifel am bislang behaupteten Alibi des Mannes. Er war entgegen seiner bisherigen Angaben am Nachmittag des 7. Mai 2001 mit seinem Fahrzeug in Lichtenberg unterwegs. Die Ermittler konnten den goldfarbenen Audi 80 mittlerweile trotz der langen Zeit ausfindig machen und kriminaltechnisch untersuchen.

Durchsuchungen in Lichtenberg und im Kreis Wunsiedel

In der vergangenen Woche vollzogen die Ermittler die von der Staatsanwaltschaft Bayreuth erwirkten Durchsuchungsbeschlüsse an mehreren Anwesen in Lichtenberg und im Landkreis Wunsiedel. Hierbei stellten sie unter anderem auch Beweismittel sicher, die der 41-Jährige in seiner Vernehmung konkret benannt hatte. Die Auswertung hierzu dauert noch länger an.

Die Ermittler sind davon überzeugt, den Mann, der das leblose Mädchen in den Wald gebracht hat, identifiziert zu haben und damit in dem Fall einen wesentlichen Schritt weiter gekommen zu sein.

Pressekonferenz zum Mordfall Peggy Knobloch: Hier lesen Sie unseren Liveticker

+++ 11.28 Uhr +++ Die Pressekonferenz ist beendet.

+++ 11.27 Uhr +++ Zur Todesursache von Peggy will die Polizei keine Erklärung abgeben.

+++ 11.23 Uhr +++ Manuel S. hat den Namen des anderen Mannes, von dem der 41-Jährige die leblose Peggy erhalten haben soll, der Polizei genannt. Aktuell wird gegen eine Person ermittelt, berichtet die Polizei.

+++ 11.18 Uhr +++ Der Tatvorwurf gegen Manuel S. lautet Mord. Der 41-Jährige hält sich aktuell zuhause auf.

+++ 11.15 Uhr +++ Die Polizei sucht weiterhin Zeugen. Immer noch ist eine Belohnung von 30.000 Euro ausgesetzt.

+++ 11.13 Uhr +++ Manuel S. (41) sagte den Ermittlern, dass er das leblose Mädchen von einem Mann erhalten habe. Er habe Peggy in eine Decke gewickelt und zu einem Wald in Thüringen gefahren und dort vergraben. Später habe er die Jacke und den Schulranzen von Peggy verbrannt. Die Ermittler sind überzeugt, mit Manuel S. den richtigen Mann gefasst zu haben.

+++ 11.10 Uhr +++ Am leblosen Körper von Peggy wurden mikroskopische Pflanzen- sowie Farbspuren entdeckt, die auf Manuel S. hinweisen. Außerdem gibt es erhebliche Zweifel an seinem Alibi. Diese beruhen auf Videoaufnahmen. Sein Audi wurde mittlerweise untersucht.

+++ 11.08 Uhr +++ Die Ermittlungen schreiten voran, heißt es. Der 41-jährige Manuel S. habe den leblosen Körper von Peggy zu einem Waldstück nach Thüringen gebracht. Weiterhin werden Zeugen gesucht.

+++ 11.04 Uhr +++ Neue Details zum Mordfall Peggy: Die Pressekonferenz hat begonnen.

Auf dem Heimweg von der Schule verschwunden

Peggys Schicksal zählt zu den rätselhaftesten Vermisstenfällen in Deutschland. Am 7. Mai 2001 war die damals Neunjährige auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Die Ermittler haben den Fall bis heute nicht gelöst. Sie hatten im Laufe der Jahre aber schon mehrere Verdächtige im Visier. Der deutschlandweit bekannteste Fall ist der eines geistig Behinderten, den ein Gericht 2004 als Mörder von Peggy verurteilte. Zehn Jahre später wurde er aber in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen.

Am Fundort von Peggys Skelett hatten die Ermittler auch DNA des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt entdeckt. Später stellte sich jedoch heraus, dass eine Verunreinigung eines Geräts der Spurensicherung der Grund dafür war. Eine Täterschaft des NSU-Mitglieds ist nach Angaben der Ermittler auszuschließen. Allerdings war Peggys Tod deshalb auch Thema im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht. Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe bestritt dort, etwas über die getötete Peggy gewusst zu haben.

Bürger aus Lichtenberg: "Hilferuf" an die Öffentlichkeit

Im vergangenen Jahr hatte sich eine Gruppe von Bürgern aus Lichtenberg mit einem "Hilferuf" an die Öffentlichkeit gewandt. Darin warfen die elf Unterzeichner den Ermittlungsbehörden gravierende Fehler und Schlamperei vor. Sie sprachen von einem "Polizei- und Justizskandal" und einseitigen Ermittlungen. Viele Hinweise aus der Bevölkerung seien ignoriert worden und Zeugenaussagen aus den Akten verschwunden. Unter den Unterzeichnern sind Lichtenbergs Bürgermeister Holger Knüppel und mehrere Stadträte. Der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel wies die Vorwürfe zurück. sts/dvd



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