Fürth
Modelabel aus Franken

"Fränggisch Fäschn": Wie eine 31-Jährige fränkische Mundart "cool" machen will

Allmäächd, is des Leem schee!" - Dialekt ist für Jeannette Daschners ein Stück Heimat. Der Name ihres Modelabels ist Programm: "Fränggisch Fäschn".
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Der feine Schriftzug auf ihrem Baumwollpulli fällt erst gar nicht auf. Auf den zweiten Blick kommt der Aha-Effekt. "Musigg, Freind und a bissl a Gschmarrie!" steht da mit weißer Schrift kreisrund auf grünem Grund. Jeannette Daschner arbeitet nicht laut und schrill, sondern auf lässig-leise Weise daran, die fränkische Mundart gesellschaftsfähig und "cool" zu machen.

 

31-Jährige gründet fränkisches Modelabel

Wenn die 31-jährige Mittelfränkin aus Veitsbronn, die mittlerweile in Fürth lebt, im Café eine Bestellung aufgibt, hört man das rollende "R". Tiefsten mittelfränkischen Dialekt spricht Jeannette jedoch nicht. "Ich könnt' aber!", meint sie und grinst. "Mittlerweile liebe ich die fränkischen Dialekte sehr. Sie sind ein Stück Heimat für mich." Dieses Stück Heimat möchte sie nicht verstecken, im Gegenteil. "Ich möchte es mit Stolz herzeigen." Und was bietet sich dafür besser an als freche, fränkische Mode?

"Ich habe lange nach einem hochwertigen und nachhaltig hergestellten Shirt in einem coolen Franken-Design gesucht", erzählt die sportliche junge Frau. "Aber ich bin nicht fündig geworden." Und was tut eine Marketing-Managerin, zumal eine fränkische, wenn sie nicht bekommt, was sie will? Sie kümmert sich selbst darum. "Ich liebe Design, bin kreativ, entwickle gern Neues. Da hab' ich mir gedacht: Probier's einfach aus!" So begann im Mai 2018 die Geschichte von "Fränggisch Fäschn", Jeannette Daschners Modelabel.

Zuerst machte sich die junge Frau auf die Suche nach Lieferanten von Textilien, die nicht nur hohe Qualität haben sollten, sondern auch nachhaltig und fair produziert wurden. "Ich wollte auf keinen Fall Billig-Shirts verwenden. Nur in guten Textilien fühlt man sich wohl. Man schwitzt darin nicht, die Stoffe stinken nicht und sie behalten nach dem Waschen ihre Form."

Fokus auf "fair wear"

Zwar fand Jeannette keinen deutschen Textilhersteller, "der noch halbwegs bezahlbar gewesen wäre", aber mit Continental Clothing und Stanley & Stella hat sie zwei Anbieter an der Hand, die für "fair wear", also faire Kleidung, stehen. "Das ist ein guter Kompromiss für mich", sagt die Fürtherin. "Ich bestelle beim Großhandel, der diese Marken vertreibt." Ihr fränkisches Flair bekommen die Kleidungsstücke für "Boum, Madli und Waggerli" dann individuell in einem Fürther Siebdruck-Unternehmen. "Und die Etiketten mit unserem Logo näht meine Mama, die Muddi, höchstpersönlich auf Shirts, Pullis, Hoodies, Babybodys und Co."

 

"Almäächd, is des Leem schee", "Moggeln is a Lifestyle" oder "Hiimmel, Herrgodd, Sagramend. Mia langds": Fränkische Sprüche in passende Schriften und Motive zu betten, macht der studierten Betriebswirtin "am allermeisten Spaß". Stundenlang sitzt sie am PC und tüftelt. "Wenn ich ein Motiv fertig habe, mache ich oft einen Screenshot davon und leite ihn Freunden weiter, deren Feedback mir wichtig ist." Sie versuche, erzählt die Marketing-Managerin eines Nürnberger Unternehmens, "auch für die Generation U18 was Cooles zu kreieren". Denn: "Ohne Dialekt ginge ein Stück von unserer Kultur verloren."

Als Jugendliche den Dialekt verheimlicht

Als Jugendliche sah sie das noch ganz anders. "Damals habe ich versucht, meinen Dialekt zu verheimlichen. Ich fand es furchtbar, dass meine Eltern Dialekt gesprochen haben." Erst, als sie als junge Erwachsene ein halbes Jahr in Italien arbeitete und dort viele Sprachfärbungen kennen lernte, merkte sie, wie schön diese Vielfalt ist. Plötzlich vermisste sie ihr Franken und ihr Fränkisch. "Der Dialekt ist ein Stück von mir selbst. Er klingt nicht dumm und ungebildet, sondern nach Heimat."

Heimat? Aber der Name Jeannette klingt so gar nicht nach fränkischen Wurzeln. "Stimmt", gibt sie zu. "Obwohl wir keineswegs aus Frankreich stammen, hat der Name meinen Eltern gefallen." Ihre Freunde, erzählt die 31-Jährige, haben das Namensdilemma kreativ gelöst: "Bei ihnen bin ich, ganz Fränkisch, die Nedde."

 

"Nedde" weiß natürlich auch: Fränkisch ist nicht gleich Fränkisch. Je nach Lebensmittelpunkt in Ober-, Mittel- oder Unterfranken heißt die Kirchweih Kärwa, Kerwä, Kerwa, Kerm oder gar Kirm. Kann man überhaupt einen gemeinsamen fränkischen Nenner finden? "Bei manchen Begriffen ist es schwierig", gibt Jeannette Daschner zu. "Mir haben auch schon Leute wegen verschiedener Ausdrücke geschrieben. Aber aktuell wäre es ein viel zu großer Aufwand, jedes Shirt in verschiedenen Versionen anzufertigen." Stattdessen versuche sie, allgemeingültige fränkische Sprüche zu verwenden. "Zum Beispiel versteht man 'Bassds? Wenn ned isses ma a wurschd!' ziemlich überall." Und wenn zum Beispiel jemand das Wort "moggeln" nicht kennt? "Dann kann er einfach fragen und bekommt dann erklärt, dass Moggeln eine Mischung aus Kuscheln und Chillen ist. Das ist doch ein netter Gesprächsbeginn..."

Shop seit August 2018 online

Offenbar geht die "Nedde"-Taktik auf. Seit der Shop im August 2018 online ging, wird die Fränggisch-Fäschn-Seite immer beliebter. "Im Moment geht es steil nach oben." Der Ansturm freut Jeannette Daschner einerseits "richtig doll" - andererseits zeigt er ihr aber auch ihre Grenzen auf.

"Fränggisch Fäschn" ist derzeit als Nebengewerbe angemeldet. Was aber, wenn es immer mehr Anfragen werden? "Am liebsten wäre es mir, wenn Fränggisch Fäschn immer mein Hobby bleibt und nie zum Zwang wird." Bisher bewältigt Jeannette die Organisation und Logistik noch gut neben ihrem eigentlichen Beruf. "Ich hab' jede Menge Spaß dabei."

Und einen festen Zeitplan: "Montags bringe ich alle Bestellungen auf den Weg zum Bedrucken und bestelle Ware nach." Die Druckvorlagen kommen von einer Partnerfirma aus Neustadt-Aisch. Erst, wenn die Ware bezahlt ist - per Paypal, Kreditkarte oder Überweisung - beginnt die Fertigung. Ein paar Tage später holen Jeannette oder ihr Freund - "wir wohnen in der Nähe" - die fertigen Kleidungsstücke wieder ab. Um den Versand kümmert sich die Veitsbronnerin besonders gerne: "Päckchen packen, das mach' ich am liebsten! Nach sechs bis neun Tagen hat der Kunde seine Ware, spätestens."

Was sie sich für die nächste Zeit vorgenommen hat? Jeannette Daschner erzählt, sie wolle versuchen, neben dem Online-Handel auch reale Geschäfte in Franken zu finden, die ihre Kleidungsstücke verkaufen. "Wenn ich in Bayreuth, Bamberg, Nürnberg oder Würzburg Partner fände, wäre das toll!" Dann grinst sie plötzlich und fügt an: "Wenn von den zirka vier Millionen Franken jeder ein Fränggisch-Fäschn-T-Shirt hat, dann bin ich glücklich!"

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