Franken
Trucker in Franken

Lkw-Irrsinn in Franken: Warum die Fahrt auf A3, A7 und A9 für Trucker puren Stress bedeutet

Sie stecken stundenlang im Stau fest. Nichts geht voran. Für Trucker sind Fahrten durch Franken derzeit eine echte Geduldsprobe. Der Frust sitzt tief. Wie Autofahrer in der Situation helfen können.
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Auf der Autobahn verbringen Lkw-Fahrer viel Zeit allein. Das Trucker-Festival in Geiselwind (Lkr. Kitzingen) bringt alle zusammen.  Foto: Silvia Gralla
Auf der Autobahn verbringen Lkw-Fahrer viel Zeit allein. Das Trucker-Festival in Geiselwind (Lkr. Kitzingen) bringt alle zusammen. Foto: Silvia Gralla

Lkw-Fahrer legen mit ihren 40-Tonnern Hunderttausende Kilometer auf der Autobahn zurück - und haben dabei seit Jahren mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Vor einigen Wochen trafen sich viele von ihnen in Geiselwind im Landkreis Kitzingen, wo jedes Jahr Deutschlands größtes Trucker-Festival stattfindet. 800 Lkw. Tür an Tür.

Für die Brummi-Fahrer ist das Wochenende ein großes "Familientreffen". Und wie in einer Familie üblich, muss auch dort über Probleme gesprochen werden. Klopft man an den Türen und unterhält sich mit den Truckern, wird schnell deutlich: Ihr Frust ist groß. Vor kurzem sorgten die Beobachtungen eines Truckers für Kopfschütteln. Der Lkw-Fahrer packt aus: Das geht ab auf den Straßen.

Zu wenig Parkplätze sorgen für Frust bei den Brummi-Fahrern

Ein Problem: Viele Fahrer wissen nicht mehr, wo sie Pause machen und die Nacht verbringen sollen. "Die Parkplätze sind einfach voll", erzählt einer von ihnen. Aktuell gibt es in Unterfranken 21 unbewirtschaftete und zwölf bewirtschaftete Raststätten sowie 35 Parkstreifen. Doch das reiche nicht aus. In ihrer Not parken die Lkw-Fahrer deshalb auf Standstreifen, im Halteverbot und in Einfahrten. Nur so können sie ihre Pausenzeiten einhalten.

Der Bundesregierung ist das Problem bekannt. Aus dem Verkehrsministerium (BMVI) heißt es: Es sei wichtig, dass Lastwagenfahrer gut ausgeruht sind, damit sie ihre Fahrt sicher fortsetzen können. Doch die Realität sieht häufig anders aus.

Bedarf an Parkplätzen steigt kontinuierlich

2008 kam eine Studie des BMVI zu dem Ergebnis, dass 14.000 Stellplätze fehlen. Das Ministerium reagierte und investierte mehr als eine Milliarde Euro. Das Problem: Weil der Verkehr kontinuierlich zunimmt, steigt auch der Bedarf immer weiter. Obwohl seit 2008 17.300 zusätzliche Lkw-Parkmöglichkeiten entstanden sind, fehlten 2013 noch immer 11.000 Stellplätze. Eine Erhebung aus dem vergangenen Jahr wertet das Ministerium derzeit aus.

Auf der Straße wird es auch immer enger. "Der Verkehr hat zugenommen. Das ist irre", erzählt einer der Trucker in Geiselwind und bestätigt damit indirekt Zahlen des Verkehrsministeriums. Laut einer aktuellen Prognose für das Jahr 2030 nimmt der Personenverkehr auf der Straße um zehn Prozent gegenüber 2010 zu. Im Güterverkehr sind es ganze 40 Prozent. Die Folge: Es wird kräftig gebaut.

Immer mehr Baustellen durch Ausbau von Fernstraßen

Allein 2018 ist die Zahl der Baustellen bundesweit um drei Prozent gestiegen. Rund 133 Milliarden Euro steckt der Staat laut BMVI bis 2030 in den Ausbau und Neubau von Fernstraßen. Doch die Baustellen gelten laut ADAC als Hauptverursacher für Staus. Für Berufskraftfahrer, die unter großem Termindruck stehen, wird das zum Problem. "Seit sieben Jahren geht einfach nichts voran", ärgert sich einer der Teilnehmer des Trucker-Festivals.

Die Autobahndirektion Nordbayern bestätigt dieses Gefühl. Aktuell seien in Unterfranken rund 24 Kilometer des Autobahnnetzes durch Baumaßnahmen beeinträchtigt. Die Zahl sei seit zehn Jahren beständig hoch. Kleinere Maßnahmen, die nur wenige Wochen dauern, sind hierbei nicht einmal erfasst. Vor allem die A7 und die A3 - im Volksmund gerne als "größter Parkplatz Deutschlands" verspottet - werden für Lkw-Fahrer zur Geduldsprobe. "Da stehst du einfach und nix geht voran", erzählt einer von ihnen.

"Wenn nicht irgendwann die Lkw stehen bleiben sollen, müssen die Bedingungen verbessert werden", kritisiert Patrick Gerson von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di.

Weiteres Problem für die Fahrer: Ständiger Zeitdruck

Neben den fehlenden Parkplätzen sei vor allem der ständige Zeitdruck ein Problem. "Die Terminpläne werden immer enger getaktet", sagt Gerson. "Gleichzeitig gibt es kaum noch Uhrzeiten, zu denen man vor Staus gefeit ist." Das passe nicht zusammen. "Wenn der Beruf des Lastwagenfahrers wieder attraktiver werden soll, müssen die Arbeitgeber Löhne und Fahrtzeiten attraktiver gestalten."

Die Probleme auf den unterfränkischen Autobahnen bekommen auch die Logistik und Speditions-Unternehmen in der Region zu spüren. Weil viele Fahrer stundenlang im Stau feststeckten, sei die Auslastung der Fahrzeuge deutlich niedriger. Zusätzlich müsse immer Equipment und Personal vorgehalten werden, falls es zu Verzögerungen kommt.

Das verursache spürbare Mehrkosten, sagt Thorsten Schmied, Niederlassungsleiter der Spedition Schäflein am Standort Röthlein (Kreis Schweinfurt). Zusätzlich verschärft werde die Situation durch den akuten Nachwuchsmangel.

Immer mehr Päckchen müssen transportiert werden

Gleichzeitig nimmt der Güterverkehr auf der Straße deutlich zu. "Die Sendungen werden zwar immer kleiner, aber dafür weiter transportiert", sagt Andreas Wagner, Sprecher der Spedition Pabst in Gochsheim (ebenfalls Kreis Schweinfurt). "Die Leute bestellen heute Massen an Mini-Paketen bei Amazon."

Eine solche Logistik funktioniere nur mit minutengenauer Taktung. So lautet zumindest die Theorie, denn den normalen Tag ohne Baustellen und Verzögerungen auf der A3 habe es laut Wagner die vergangenen zehn Jahre nicht gegeben.

Auf Nachfrage spricht auch die Polizei von einer "seit Jahren problematischen Verkehrssituation" in Unterfranken. Doch der Erklärung vieler Brummi-Fahrer, wonach Unfälle und Staus vor allem auf Autobahnabschnitten mit Lkw-Überholverbot entstehen würden, widerspricht Rainer Dürr von der Verkehrspolizeiinspektion Würzburg-Biebelried. Im Gegenteil: Meist führe die Missachtung des Verbots zu Staus.

Ein weiteres Problem aus Sicht der Polizei seien Ein- und Ausfahrten. Dort würden sich Autofahrer - um beispielsweise die Autobahn zu wechseln - zwischen die schon dicht gedrängten Lkw-Ketten drängen. "Da passieren häufig Unfälle - auch wenn es meist bei Blechschäden bleibt", sagt Rainer Dürr. Die Autofahrer würden unterschätzen, wie schlecht der Frontbereich eines Lkw einsehbar sei.

Was sich Trucker wünschen

Auch die Trucker wünschen sich mehr Achtsamkeit auf Seiten der Autofahrer. "Ein 40-Tonner bremst einfach nicht von jetzt auf gleich", sagt einer von ihnen und hat auch gleich eine Lösung parat: "Jeder Autofahrer sollte sich in der Fahrschule einmal in einen Lkw setzen."

Auch die Polizei hat einen Wunsch: Wenn Autofahrer Staus umfahren wollen, sollten sie der Beschilderung folgen. Für jeden Autobahn-Abschnitt gebe es zwischen zwei Anschlussstellen eine durchdachte Umleitung. Daran orientiere sich auch die Polizei. Viele Autofahrer würden jedoch blind nach Navi fahren und landen so beispielsweise auf dem Würzburger Stadtring. Die Folge: ein Verkehrschaos. Moritz Baumann

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