Kulmbach
In Arrestzelle selbst verletzt

Oberfranken: Weil er sich taufen ließ - Iraner droht in seiner Heimat die Todesstrafe

Um seiner Abschiebung zu entgehen, hat sich ein in Kulmbach lebender 21-jähriger Iraner in seiner Zelle verletzt. Ihn soll in seiner Heimat die Todesstrafe drohen, weil er zum Christentum konvertiert ist. Die evangelische Regionalbischöfin ist besorgt über solche Fälle.
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Die Abschiebung des 21-jährigen Hossein K. nach Teheran ist vorerst gescheitert.   Der Iraner war zusammen mit seiner Mutter und seiner jüngeren Schwester in Deutschland zum Christentum übergetreten. Symbolfoto: Ralf Hirschberger/dpa
Die Abschiebung des 21-jährigen Hossein K. nach Teheran ist vorerst gescheitert. Der Iraner war zusammen mit seiner Mutter und seiner jüngeren Schwester in Deutschland zum Christentum übergetreten. Symbolfoto: Ralf Hirschberger/dpa

Tief besorgt hat sich die Bayreuther evangelische Regionalbischöfin Dorothea Greiner über die Zukunft getaufter Iraner geäußert, denen möglicherweise die Abschiebung aus Deutschland in ihr Heimatland droht. "Die Gefährdung der konvertierten Iraner ist anscheinend bisher nicht ausreichend im Blick", sagte die Bischöfin am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd).

In Kulmbacher Kirchengemeinde engagiert - Iraner droht nach Abschiebung die Todesstrafe

Hintergrund ist der Fall des 21-jährigen Hossein K. dessen am Dienstag geplante Abschiebung nach Teheran vorerst scheiterte. Der Iraner war zusammen mit seiner Mutter und seiner jüngeren Schwester in Deutschland zum Christentum übergetreten. Seit mehr als einem halben Jahr hat er sich in der Kulmbacher Kirchengemeinde engagiert, besucht regelmäßig den Gottesdienst und den Bibelkreis. Außerdem ist er als Dolmetscher in einem Bibelkurs mit rund zehn weiteren iranischen Asylbewerbern tätig. Sein Glaube sei keinesfalls ein vorgeschobener Asylgrund, bekräftigt der Kulmbacher Gemeindepfarrer Jürgen Singer: "Sie sind tief im christlichen Glauben verwurzelt. Wir haben vor kurzem erst die Taufe der Schwester gefeiert."

Nachdem ein erster Asylantrag des Mannes abgelehnt und die Duldung abgelaufen war, sollte am Donnerstag (17. Januar) eine Verhandlung über einen neuen Asylantrag vor dem Bayreuther Verwaltungsgericht stattfinden. Am frühen Dienstagmorgen wurde der Mann jedoch in Kulmbach von der Polizei in Gewahrsam genommen. Nur weil er sich danach selbst verletzte, wurde er nicht wie vorgesehen noch am selben Tag abgeschoben. An einer spontanen Mahnwache vor der Polizeiinspektion nahmen am Dienstagabend rund 50 Menschen teil.

Zurzeit ist Hossein wieder auf freien Fuß. Am Donnerstag, 17.01.19, fand eine Verhandlung am Verwaltungsgericht Bayreuth statt, nachdem der Iraner gegen die Ablehnung seines Asylfolgeantrags geklagt hatte. Der Tenor des Urteils soll in den kommenden 14 Tagen bekannt gegeben werden.

Im Iran drohen ehemaligen Muslimen, die zum Christentum übergetreten sind, schwere Haftstrafen bis hin zur Todesstrafe. "Zum Christentum konvertierte Personen genießen überhaupt keinen Rechtsschutz", heißt es in einer Information der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Auch gegen die Mutter des 21-Jährigen habe es Todesdrohungen des im Iran verbliebenen Vaters gegeben, berichtet Pfarrer Singer.

Regionalbischöfin sorgt sich um getaufte Iraner

Für Regionalbischöfin Greiner ist die geplante Abschiebung des Mannes aus Kulmbach der erste Fall, der einen in der Kirchengemeinde engagierten Iraner betrifft. Sie sei "in großer Sorge, dass weitere folgen könnten", sagte sie am Mittwoch in Bayreuth. "Für unsere getauften Iraner, für die wir besondere Verantwortung haben und die in ihrem Land hoch gefährdet sind, muss und werde ich als Regionalbischöfin laut und vernehmbar rufen." Auch künftig werde sie sich persönlich politisch für diese Menschen einsetzen.

Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm kritisiert die "abstrusen" Fragen, die Gerichte stellen, um den Glauben von zum Christentum konvertierten Flüchtlingen zu prüfen. Er kenne viele solcher Fälle, sagte Bedford-Strohm dem BR im Pressegespräch: muslimische Flüchtlinge, die nach Deutschland gekommen sind und im Kontakt mit Pfarrgemeinden zum christlichen Glauben finden.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und die Gerichte bezweifeln häufig die religiöse Motivation des Glaubenswechsels und lehnen Asylanträge ab. Der Landesbischof ist jedoch der Überzeugung, dass Gerichte in Glaubensfragen nicht die Kirchen ersetzen könnten. Von Gerichten würden "abstruse Fragen gestellt, mit denen am Ende bewiesen werden soll, dass die das gar nicht ernst meinen". Momentan sei Bedfort-Strohm im Gespräch mit der Staatsregierung und hoffe, eine gute Lösung zu finden.

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