Schweinfurt
Bahnverkehr

Kommt Zeit, kommt Zug: Das steckt dahinter, wenn die Bahn Verspätung hat

Im Schnitt fahren Frankens Züge relativ pünktlich ab, wie eine aktuelle Pünktlichkeitsstatistik zeigt. Das große Sorgenkind heißt Main-Spessart-Express. Lukas Iffländer vom Fahrgastverband "Pro Bahn" aus Würzburg erklärt, wo die Minuten verloren gehen.
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Verspätet: Lukas Iffländer wartet in Schweinfurt auf den Zug.  Foto: Barbara Herbst
Verspätet: Lukas Iffländer wartet in Schweinfurt auf den Zug. Foto: Barbara Herbst

Aufs Stichwort ist auf der Anzeige an Bahnsteig 7 zu lesen: "wenige Minuten später". An diesem Tag kann der Main-Spessart-Express auf seinem Weg zwischen Frankfurt und Bamberg zwar verlorene Zeit rausholen und fährt pünktlich in Schweinfurt ab. Doch das ist nicht immer so. Jeder fünfte Zug der fränkisch-hessischen Bahnlinie kommt zu spät. Das ist der zweitschlechteste Wert im ganzen Freistaat, wie aus der aktuellen Pünktlichkeitsstatistik der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) für das Jahr 2018 hervorgeht.

Als unpünktlich gilt ein Zug dann, wenn er mindestens sechs Minuten zu spät kommt. Im Schnitt schafften es die bayerischen Bahnunternehmen in beinahe 93 Prozent der Fälle, diesen Wert zu unterschreiten. Schlusslichter sind der Alex-Nord in der Oberpfalz (nur 75,8 Prozent pünktlich) sowie der Main-Spessart-Express zwischen Frankfurt und Bamberg (83,2 Prozent). Wo hapert's? Wie die BEG auf Anfrage mitteilt, liegt es vor allem daran, dass die Strecke dort sehr ausgelastet sei und viele Regional-, Fern- sowie Güterzüge parallel miteinander verkehren würden.

Die Ursachen für Verspätungen sind vielfältig. Das Gros (29,3 Prozent) führt die aktuelle BEG-Statistik als "Verkehrliche Durchführung". Was sich dahinter verbirgt, erklärt Lukas Iffländer vom Fahrgastverband "Pro Bahn". "Gemeint sind die oft durchgesagten Verzögerungen im Betriebsablauf, wenn ein ICE überholt oder die Bahn hinter einem Güterzug herfahren muss", erklärt der Würzburger.

21,7 Prozent der Verzugsminuten sind der Infrastruktur zuzurechnen. "Gemeint sind in der Regel Stellwerksstörungen, wie sie etwa in Hirschaid öfter auftraten, kaputte Weichen oder wenn sich, wie bei der Gräfenbergbahn in Mittelfranken geschehen, die Schienen wegen der Hitze verziehen", so Iffländer. Im Vergleich zu Ballungsräumen wie etwa München stehe Franken zwar noch gut da. Er sieht aber erhebliches Verbesserungspotenzial. "Dass es zu Störungen kommen kann, ist normal. Das Schlimme: Es wird zu langsam agiert." Eine Einschätzung, die regelmäßig Bahnfahrende teilen dürften. Einen Lösungsvorschlag hat Iffländer: mehr Personal, das sich um regelmäßige Wartung kümmert.

Wegen Bauarbeiten kommen nur wenige Züge (10,7 Prozent) zu spät. Und das, obwohl die Bahn 2019 fast elf Milliarden Euro in die Infrastruktur investieren will, alleine in Bayern 1,6 Milliarden. Fließen soll das Geld vor allem in den Ausbau des Schienennetzes, die Sanierung von Brücken, die Erneuerung von Bahnhofsanlagen und Barrierefreiheit.

An mehr als jeder fünften verspäteten Minute sind Probleme an den Fahrzeugen schuld. Für ein paar Minuten zeitlichen Verzug reichen da schon Kleinigkeiten wie etwa eine Türstörung. Dass Züge komplett ausfallen, kommt eher selten vor. Laut BEG konnten im vergangenen Jahr nur weniger als zwei Prozent der bestellten Zugkilometer nicht gefahren werden. "Falls doch einmal Ersatzzüge anrollen müssen, könne es aber passieren, dass die nicht die erforderliche Leistung für die Strecke bringen", erklärt Iffländer. "Das führt wieder zu Verspätungen." Defekte Klos sind dagegen kein Grund, dass ein Zug nicht mehr fahren darf.

Auch externe Einflüsse behindern regelmäßig den Bahnbetrieb. Oftmals führen die aber gleich zu einem Ausfall, statt zu einer Verspätung. Sei es eine Extremwetterlage mit umgestürzten Bäumen, ein Lkw-Unfall im Gleisbereich oder ein Suizid. "Letzteres erlebt ein durchschnittlicher Lokführer mehr als zwei Mal in seinem Berufsleben."

Erreichen Verkehrsunternehmen die vertraglich vereinbarte Pünktlichkeit nicht, müssen sie Strafe an die BEG zahlen. 2017 kamen 11,8 Millionen Euro zusammen. Zum Teil fließt das Geld in Projekte, die Bahnen künftig pünktlicher fahren lassen sollen. Wie viel der Main-Spessart-Express aktuell abdrücken muss, will die BEG nicht verraten. Nur so viel: die Zahlungen waren "erheblich".

Ab 60 Minuten Verspätung gibt's Geld zurück

Entschädigung Die Bahn erstattet Ticketkosten ab einer Verspätung von 60 Minuten, und zwar 25 Prozent des Fahrkartenpreises. Ab 120 Minuten gibt es 50 Prozent zurück. Beiträge unter vier Euro werden nicht ausgezahlt.

Formular Das sogenannte Fahrgastrechte-Formular gibt es im Zug, an der DB-Information, im DB-Reisezentrum oder lässt sich hier herunterladen.

Bestätigung Wenn möglich, sollten sich Reisende die Verspätung auf dem Formular bestätigen lassen.

Belege Zum ausgefüllten und unterschriebenen Formular gehören Belege wie Originalfahrkarte, Kopie der Zeitkarte oder Quittung für Übernachtungskosten.

Abgabe Das Formular können Sie in einem Reisezentrum der Bahn persönlich abgeben. Oder Sie schicken es per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte, 60647 Frankfurt am Main.

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