Franken
Nachgefragt

Keine Blitzer-Meldungen mehr im Radio? Das sagen die Radiosender in Franken dazu

"radioeins" vom rbb in Berlin hat zu Beginn der Woche verkündet, dass der Sender ab sofort auf den beliebten Service der Blitzermeldungen im Radioprogramm verzichtet. Kommt das für die fränkischen Sender auch in Betracht? inFranken.de hat nachgefragt.
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Zahlreiche Sender melden aktuelle Blitzerstandorte über das Radio. Ein Sender aus Berlin hat damit Schluss gemacht. Wie stehen die Radiosender in der Region Franken dazu? Symbolfoto: David Ebener/dpa
Zahlreiche Sender melden aktuelle Blitzerstandorte über das Radio. Ein Sender aus Berlin hat damit Schluss gemacht. Wie stehen die Radiosender in der Region Franken dazu? Symbolfoto: David Ebener/dpa

"Die Blitzer sind weg und sie kommen auch nicht wieder" - dieses Statement von Jan Vesper, Leiter der Nachrichten- und Serviceredaktion beim Berliner Radiosender "radioeins", hat am Montag für Diskussionen gesorgt. Die Meinungen, ob dieser Schritt sinnvoll ist, gehen auseinander. Unter einem Facebook-Post auf unserer Seite wurde heiß diskutiert.

Seit Beginn der Woche verzichtet der öffentlich-rechtliche Sender komplett auf Blitzermeldungen in den Verkehrsnachrichten. "Wir halten sie für ein Relikt, also nicht mehr zeitgemäß", sagt Vesper. Ganz anderer Meinung sind da die Programmverantwortlichen der Radiosender in Franken.

Wie stehen die Sender in Franken zu Blitzermeldungen?

Die Redaktion von inFranken.de hat es sich zur Aufgabe gemacht, bei sämtlichen Sendern in der Region nachzufragen, ob sie schon einmal darüber nachgedacht haben, Blitzermeldungen aus dem laufenden Programm zu schmeißen. Außerdem wollten wir wissen, warum an diesem Service festgehalten wird.

Thomas Apfel, Programmchef beim Coburger Sender "Radio Eins", sagt ganz deutlich: "Blitzer bleiben definitiv weiterhin Bestandteil unserer Sendungen. Als privater Lokalsender ist das ein zentraler Baustein." Diese Meinung vertritt auch Julia Zeilinger von "Radio Euroherz" im oberfränkischen Hof. "Blitzermeldungen zählen zu unseren größten Stärken und sind extrem wichtig für die regionale Nähe zum Hörer", sagt sie.

Für Matthias Steger, der bei "Radio Bamberg" verantwortlich für das Programm ist, steht auch ganz klar fest: "Wir werden nicht auf die Blitzermeldungen verzichten - für uns sind sie ein wichtiges Steckenpferd." Zudem ist der Morningshow-Moderator "mächtig stolz auf das Netzwerk an Hörern", die den Sender täglich informieren. Steger sieht in diesem Service einen "absoluten Mehrwert" für sich und die Radiohörer.

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Blitzermeldungen: Sender wollen Autofahrer sensibilisieren

Es herrscht Einigkeit bei den fränkischen Sendern. Blitzermeldungen aus dem Programm zu nehmen, "steht nicht zur Debatte", versichert auch Luca Bauer von Radio "Primaton" in Schweinfurt. Die durchgegebenen Radarfallen "sollen die Autofahrer ähnlich wie die Polizei sensibilisieren", betont auch Gerald Kappler, der im Funkhaus Nürnberg programmverantwortlich für den Sender "Charivari" ist. Er spricht auch für Sender wie "Radio F" und die Kollegen von "N1" oder "Radio Gong", wenn er sagt, dass sie die "Verkehrs- und Blitzermeldungen als zentralen Bestandteil des Programms" sehen.

"Der regelmäßige Hinweis, dass geblitzt wird, erinnert eine große Zahl von Autofahrern immer wieder daran, auf die Verkehrsregeln zu achten und den Fuß vom Gas zu nehmen", erzählt Morningshow-Moderatorin Yase Schaub von Radio "Energy" in Nürnberg. "Deshalb wird Energy auch weiterhin Blitzer melden."

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Bernd Rasser von "Radio Mainwelle" in Bayreuth sieht ganz klar die Unterschiede zu Berlin und dem Sender "radioeins": "Die Hörgewohnheiten auf dem flachen Land, wie der fränkischen Schweiz, sind vollkommen anders, als in Berlin." Blitzermeldungen seien hier "immer noch eins der ganz wichtigen Einschaltkriterien und werden das wahrscheinlich auch noch fünf bis zehn Jahre bleiben". Als Programmchef des Lokalsenders sieht Rasser die Blitzer als "Instrument die Hörer aktiv einzubinden und mit ihnen in Kontakt zu bleiben". Unter diesen Gesichtspunkten gibt es auch für Nicolas Peter von "Radio Plassenburg" in Kulmbach "keine Überlegungen, die Meldungen aus dem Programm zu nehmen."

Zu jeder vollen und halben Stunde, im Nachrichten- und Serviceblock der Sender, werden die Hörer der Lokalsender in Franken wohl weiterhin nicht auf die Hinweise, wo aktuell ein Blitzer steht, verzichten müssen. Und so bekommen Autofahrer nicht nur mit, wenn es Straßensperrungen oder Staus gibt, sondern auch, wo die teuren Blitzerfotos gemacht werden.

Deutliche Unterschiede bei "Bayern 1" und "Antenne Bayern"

Weil die Franken aber nicht nur lokale Radiosender hören, sondern Media-Analysen zufolge die landesweiten Sender "Antenne Bayern" und "Bayern 1" zu den meistgehörten Sendern zählen, hat inFranken.de auch dort nachgefragt. Während der öffentlich-rechtliche Sender "Bayern 1" noch nie Blitzermeldungen im Programm hatte und darin auch "keinen Mehrwert für den Hörer" sieht, wie ein Sprecher betonte, setzt "Antenne Bayern" ganz auf diesen Zusatz-Service.

Die Ansichten der beiden landesweiten Radiosender könnten nicht unterschiedlicher sein. Weil die Senderverantwortlichen laut Bayern-1-Sprecher nicht wüssten, wo sie "überhaupt anfangen und wo aufhören sollten, Blitzer bayernweit zu vermelden", haben es die Blitzermeldungen bei "Bayern 1" also gar nicht erst ins Programm geschafft. "Die, die nicht im Auto sitzen, interessiert es sowieso nicht", so der Sprecher des öffentlich-rechtlichen Senders. Ein Widerspruch? Andere Verkehrsmeldungen werden schließlich auch durchgesagt.

Blitzermeldungen im Radio haben positiven Effekt

"Antenne Bayern" als landesweiter Privatsender sieht neben den Stau- und Gefahrenmeldungen auch Blitzermeldungen als festen Bestandteil des laufenden Programms. Hinweise zu Radarfallen nimmt der Sender sowohl von der bayerischen Polizei als auch von Hörern entgegen. Laut Christian Franz aus dem "Antenne Bayern"-Verkehrszentrum "trägt der Sender damit zur Sicherheit auf Bayerns Straßen bei.Psychologen bestätigen, dass Autofahrer durch Blitzermeldungen im Radio immer wieder daran erinnert werden, auf ihren eigenen Tacho zu schauen. Viele reduzieren daraufhin ihre Geschwindigkeit, weil sie unabsichtlich zu schnell sind oder aber auch, um selbst nicht in die Radarfalle zu tappen."

Blitzer oder nicht - Fahrt ordentlich!

Ob nun vor Blitzern gewarnt wird oder nicht, eine den Straßenverhältnissen angepasste Fahrweise sollten Autofahrer immer beherzigen. Durch Raserei gefährden sich Fahrer nicht nur selbst, sondern auch andere, unbeteiligte Verkehrsteilnehmer. Geschwindigkeit ist und bleibt in Deutschland die Unfallursache Nummer eins. In Berlin beispielsweise machten illegale Autorennen Schlagzeilen, bei denen ein Mann sogar starb.

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Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die genannten Sender bilden einen umfassenden Querschnitt der relevanten Radioanstalten in der Region Franken.

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