Nürnberg
Goldfisch-Umzug in Nürnberger Stadtpark

Haustiere in Nürnberger Weiher ausgesetzt: Goldfisch-Invasion wird zum Problem

Bis zu 25 Zentimeter sind sie groß: Die Goldfische, die Nürnberger in den vergangenen Jahren im Weiher im Stadtpark "entsorgt" haben. Doch die werden immer mehr zum Problem - auch für sich selbst.
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Es sind zu viele geworden: Nürnberger haben im Stadtparkweiher ihre ungeliebten Hausfische entsorgt. Foto: Servicebetrieb Öffentlicher Raum
Es sind zu viele geworden: Nürnberger haben im Stadtparkweiher ihre ungeliebten Hausfische entsorgt. Foto: Servicebetrieb Öffentlicher Raum

Nürnberg hat Goldfischen den Kampf angesagt. Mit großen Netzen hat die Stadt die orange leuchtenden Karpfenfische aus dem Weiher im Stadtpark einfangen lassen. Besondere kulinarische Vorlieben der Nürnberger sind nicht der Hintergrund der Angelaktion, die immerhin einen Fischfang in Höhe von rund 1,6 Tonnen ergeben hat. Vielmehr haben die Ratsherren die aus China stammenden Flossentiere in der fränkischen Metropole vor dem sicheren Tod retten wollen.

Im Sommer ging den Fischen fast die Luft aus

"Der Stadtparkweiher war so voll, dass die Fische schon nach Luft geschnappt haben", erklärt Hans Padberg vom Fischereiverband Mittelfranken, der das Abfischen des Stadtparkweihers im Auftrag der Stadt Nürnberg organisiert hat. "Im Sommer haben wir schon einmal Fisch aus dem Weiher entnommen", erinnert sich der Diplom-Biologe an die erste Rettungsmaßnahme während des diesjährigen Jahrhundertsommers zurück. Den Fischen unter Wasser drohte während des Supersommers langsam aber sicher die Luft im Stadtparkweiher auszugehen.

Die Ursache liegt in der Natur des Teiches. Der Weiher hat zwar einen "Mönch" als Ablauf. Verfüge aber über keine Wasserzufuhr. Dadurch habe sich das stehende Gewässer in dem Sommermonaten stark erhitzen können, erklärt Hans Padberg vom Fischereiverband Mittelfranken. Angler würden sich im Stadtpark aus diesem Grund nicht verlaufen. "Der Dutzendteich ist unser Vereinsweiher", erklärt Padberg.

Kein Angler interessiert sich für Stadtparkweiher

Dort würden die fränkischen Fischer die Besatzfische wie Karpfen und Hechte aufziehen. Diese würden nach der Aufzucht in den großen Anglerrevieren beispielsweise im Fränkischen Seenland oder am Happurger Stausee wieder freigelassen. Knapp zehn Tonnen Fisch "produziert" der Fischereiverband auf diese Art und Weise. Ganz zur Freude der Petrijünger, die beim Hobbyangeln auch mal etwas am Haken haben wollen.

Für den Teich im Stadtpark interessieren sich die Sportangler dagegen nicht. Geschweige denn könne die Stadt einen Pächter für das seichte Fischgewässer finden. Deshalb habe sich die Stadt hilfesuchend an den Fischereiverband gewendet, um das Goldfisch-Problem mit Netz und Käscher aus der urbanen Welt zu schaffen.

Ungeliebte Hausfische wachsen im Stadtparkweiher

Schuld an der Nürnberger Goldfisch-Misere ist selbstverständlich der Mensch. Der hat den Stadtparkweiher in den letzten Jahren offensichtlich dazu missbraucht, ungeliebte Hausfische unsachgerecht in der vermeintlichen Natur zu entsorgen. "Das ist wirklich schlimm", ärgert sich Hans Padberg und verweist neben der moralischen Komponente auf die tierische Rechtslage.

Die Verordnungen zur Tiergesundheit und zum Seuchenschutz würden das Einbringen von Fremdfischen verbieten. Heißt im Klartext, dass sich alle Nürnberger, die ihren armen, kleinen Goldfisch in den letzten Jahren im Stadtparkweiher ausgesetzt haben, nicht korrekt verhalten haben.

1,6 Tonnen Goldfische ziehen um

Glücklicherweise hätten laut Padberg die medizinischen Untersuchungen der Fische ergeben, dass es den Flossentieren im Stadtparkweiher trotz aller Gefahren saugut gegangen ist. Gefährliche Fischkrankheiten seien laut Padberg jedenfalls nicht festgestellt worden. Diesem glücklichen Befund verdanken die nun gefangenen Fische jetzt nicht weniger als ihre Freiheit. Die dürfte allerdings nicht ewig dauern. Denn die insgesamt nun abgefischten rund 1,6 Tonnen Goldfisch, Karausche und Giebel werden vom Fischereiverband in umliegende Gewässer umgesiedelt.

"Die meisten Fische kommen in den Main-Donau-Kanal", sagt Hans Padberg und spricht von Goldfisch-Prachtexemplaren mit einer Größe von bis zu 25 Zentimeter, die man aus dem Weiher im Stadtpark gerettet habe. Dort können die Fische aus China nun das Wasser goldgelb zum Leuchten bringen. Allerdings wohl nur für kurze Zeit. Bis der Hecht dem neuen Mitbewohner vor die Nase schwimmt und das Goldfisch-Problem mit einem kurzen "Schnapp" für immer aus der Welt schafft. Die Welt der Unterwassertiere ist nicht nur schön sondern auch ein bisschen brutal.

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