Franken
Analyse

Fränkische Funklöcher: So ist die Netzqualität in der Region

Deutschland, 2019: Das Zeitalter der Digitalisierung ist allgegenwärtig. Die mobile Netzqualität lässt in Teilen der Republik allerdings zu wünschen übrig. Ein Blick auf die fränkischen Regionen verrät, wo Nachholbedarf besteht: So schneidet Franken im Bayern-Vergleich ab.
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Funklöcher im Fokus: Das viertgrößte Industrieland der Welt schneidet schlecht ab. Im internationalen Vergleich schmückt Deutschland kein gutes Ergebnis. Die Abdeckung von 4G als auch die Übertragungsraten sind vergleichsweise dürftig. Zukünftig soll das superschnelle 5G-Netz Abhilfe leisten. Erst im Juni 2019 versteigerte die Bundesnetzagentur Netzanteile bei einer Auktion. Folgende Unternehmen sind in Zukunft am 5G-Netz beteiligt:

Zwar stellt die Vergabe der Netzanteile einen entscheidenden Schritt der Digitalisierung in Deutschland dar, da 5G maßgeblich die Entwicklung von künstlicher Intelligenz und autonomem Fahren in Deutschland vorantreiben wird. Allerdings spürt der Bürger im Herbst 2019 davon herzlich wenig.

In vielen Regionen Bayerns steht die Realität im Widerspruch zu digitalen Fantasien der

Industrie.

So schneidet Franken im Bayern-Vergleich ab

Tonfetzen und verpixelte Fotos - nicht ungewöhnlich, dass eine Verbindung des Video-Chats im Messenger plötzlich abschmiert. Eine Ausnahme? Nein. Die Daten des Londoner Unternehmens "Opensignal" zeigen, dass es sich hier um ein strukturelles Problem handelt. Der Tagesspiegel hat dies für Berlin aufgeschlüsselt, inFranken.de konzentriert sich dabei auf Bayern.

Die Grundlage der Auswertung: "Opensignal" hat vom 1. Januar 2019 bis zum 31. März 2019 knapp 460.000 Smartphones in Deutschland auf deren Verbindungsqualität untersucht. Dabei wurde errechnet, in wie vielen Fällen innerhalb der drei Monate, 4G-fähige Smartphones wirklich eine 4G-Verbindung aufbauen konnten. Dies wird in einem Prozentsatz ausgedrückt. Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Mittelfranken an der Spitze

Die Top 3 des Rankings sind fränkisch dominiert. Drei Städte aus Mittelfranken besitzen die beste 4G-Abdeckung im Freistaat. Auf Platz 1 landet die Stadt Fürth mit einer 89,87-prozentigen Abdeckung an 4G-Verfügbarkeit. Auf Fürth folgt die Stadt Erlangen: Dort ergab die Auswertung, dass 4G-fähige Smartphones in 87,29 Prozent des Untersuchungszeitraumes die Möglichkeit hatten, eine LTE-Verbindung aufzubauen. Auf dem dritten Platz rangiert die Stadt Nürnberg. 86,98 Prozent lautet das Ergebnis für die größte Stadt in Nordbayern. Selbst der vierte Platz des Ranking ist in fränkischer Hand: Der Landkreis Bayreuth landet mit 86,97 Prozent nur knapp hinter Nürnberg. Erst auf dem fünften Platz taucht ein nicht-fränkisches Gebiet auf: Pfaffenhofen an der Ilm (Oberbayern) besitzt mit 86,95 Prozent ebenfalls eine vergleichsweise sehr hohe Abdeckungsdichte.

Die mittelfränkischen Städte Fürth, Erlangen und Nürnberg sind nicht nur dicht besiedelt, sondern beherbergen auch Industriestandorte großer Unternehmen: Mit Werten zwischen 87 und 89 Prozent der Mobilfunk-Abdeckung im LTE-Bereich brauchen sich die Mittelfranken nicht zu verstecken. Allerdings kommt selbst Spitzenreiter Fürth nicht an Werte von Berlin heran. Dort herrschen Zustände nahe der hundertprozentigen Abdeckung: Beispielsweise ist der Stadtteil Malchow-Lichtenberg zu 97,93 Prozent abgedeckt.

Die fränkischen Flop-3 stammen allesamt aus dem ländlichen Raum. Die benachbarten Landkreise Rhön-Grabfeld (62,1 Prozent), Haßberge (61,85 Prozent) und der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen (61,78 Prozent) schneiden im nordbayerischen Vergleich am schlechtesten ab. Werte an der 60-Prozent-Marke sind besorgniserregend. Diese Landkreise hinken infrastrukturell hinterher und drohen weiter abgehängt zu werden.

Fränkische Funklöcher im Bayern-Vergleich

Im Bayern-Vergleich geht es allerdings noch schlechter: Das Schlusslicht der Untersuchung ist Cham (Oberpfalz). Dort haben Nutzer in fast jeden zweiten Fall keine Chance eine LTE-Verbindung aufzubauen. Eine 54,2-prozentige Abdeckung offenbart noch größere Mängel, als es in den Standorten der fränkischen Schlusslichter der Fall ist. Ähnlich schlecht schnitt das Berchtesgadener Land ab (55,89 Prozent).

Große Teile Unterfrankens im Funkloch

Die Ergebnisse der Flop-3 aus Franken sind keine Ausreißer oder Einzelfälle. Die komplette unterfränkische Region steht im Kontrast zu anderen Teilen Bayerns schlecht da. Neben den genannten mangelhaften Abdeckungen, haben es Nutzer auch in Bad Kissingen (63,10 Prozent), Schweinfurt (62,57 Prozent) oder auch Miltenberg (69,76 Prozent) schwer eine stabile 4G-Verbindung aufzubauen. Selbst in Würzburg, der größten Stadt der Region, erscheint eine LTE-Abdeckung von 77,76 Prozent dürftig. Im Würzburger Land sind es 70,73 Prozent. Einziger positiver Lichtblick ist die Aschaffenburger Gegend: Stadt und Landkreis kommen auf 86,8 beziehungsweise 80,32 Prozent.

Dieses regionale Phänomen taucht in den Daten lediglich ein weiteres Mal auf: Neben der Region Unterfranken gibt es ein weiteres Beispiel mit nur einem Bereich über 80 Prozent Abdeckung und vielen Bereichen unter beziehungsweise nahe der 70 Prozent: Es handelt sich um das oberbayerische Alpenvorland. Nicht nur das Negativbeispiel par excellence Berchtesgadener Land (zur Erinnerung: 55,89 Prozent 4G-Abdeckung), sondern auch angrenzende Gebiete wie der Landkreis Traunstein mit 66,2 Prozent oder der Landkreis Rosenheim mit 70,6 Prozent, zeigen, dass auch in Teilen Oberbayern Nachholbedarf besteht. Das Aschaffenburg des Voralpenlandes heißt Rosenheim - in der Stadt selbst herrscht eine relative gute Netzabdeckung mit 85,86 Prozent.

Funklöcher? Oberfranken und Metropolregion München stehen gut da

Starke Werte liefert die Region rund um die bayerische Landeshauptstadt: Die Metropolregion München weist vergleichsweise sehr gute Abdeckungsraten auf. Nicht nur in München selbst (86,88 Prozent), sondern zum Beispiel auch in Freising (86,25 Prozent) oder Dachau (86,20 Prozent) haben Nutzer aller Anbieter in vielen Fällen 4G-Empfang.

Ergebnisse oberhalb der 80-Prozent-Marke liefern auch die Städte und Landkreise aus Oberfranken: Wie eingangs erwähnt, symbolisiert der Landkreis Bayreuth die oberfränkische Speerspitze. Eine Abdeckung von 86,97 Prozent liegt dort vor. Damit ist dieses Gebiet allerdings nicht alleine. Auch der Landkreis Lichtenfels mit 85,59 Prozent, die Stadt Coburg mit 85,15 Prozent, der Landkreis Kulmbach mit 85 Prozent oder der Kreis Bamberg mit 84,05 Prozentpunkten, machen diese Region zu einer strukturell starken Mobilfunkregion.

Einziger negativer Höhepunkt Oberfrankens ist der Landkreis Kronach. Dort konnte nur in 66,42 Prozent aller gemessenen Fälle eine LTE-Verbindung aufgebaut werden. Nicht nur für das oberfränkische Kronach, sondern auch in den weiteren Flop-Bereichen der Funkloch-Analyse, besteht die Möglichkeit der Bundesnetzagentur die Missstände zu melden.

Neue Funkloch-App der Bundesnetzagentur

Andreas Scheuer (CSU), Minister für digitale Infrastruktur im Bundeskabinett, präsentierte im Oktober 2018 ein Update für die Melde-App der Bundesnetzagentur. Auf dieser konnten bislang Breitbandmessung für Städte und Landkreise abgerufen werden. Mittlerweile können dort auch Lücken in der Mobilfunkabdeckung gemeldet werden. "Auf Grundlage dieser Informationen werden wir mit den Mobilfunk-Anbietern darüber sprechen, wo die Netze noch weiter verbessert werden müssen", sagte der CSU-Politiker im Rahmen der Präsentation. Der aktuelle Zustand sei für eine Wirtschaftsnation "untragbar", spitzte Scheuer zusätzlich zu.

Die Deutsche Telekom, der größte Mobilfunkanbieter in Deutschland, möchte sich nun auch an der Suche auf Funklöcher beteiligen. Mit "Wir jagen Funklöcher" klopft die Telekom an der Basis an: "Kommunen können durch die Aktion aktiver Partner in unserem Mobilfunkausbau werden", sagte Technikvorstand Walter Goldenits der Deutschen Presse-Agentur.

Bis zum 30. November 2019 können sich Kommunen melden und fehlendes Mobilnetz monieren. Die Telekom ließ verlauten, dass zunächst an 50 Standorten in Deutschland, die "immer wieder durchs Raster fallen" geholfen werden soll. Grundlage einer "Bewerbung" sei der Beschluss des jeweiligen Gemeinderats, einen Funkmast auf einer freien Fläche aufstellen zu dürfen. Am 7. November 2019 hat die Bundesnetzagentur die vorläufigen Ergebnisse der Funkloch-App veröffentlicht. Knapp 160 Millionen Messpunkte wurden demnach durch Nutzer ermittelt. Eine Funkloch-Karte zeigt die Ergebnisse.

Funklöcher: Koalitionsvertrag mit Versprechen

Im Koalitionsvertrag der CDU/CSU und der SPD heißt es: "Wir werden bestehende Funklöcher und weiße Flecken beim Mobilfunk und mobilen Internet zügig schließen." Ein Versprechen, dass auf der Verpflichtung von Telekom, O2 und Vodafone fußt. Die Anbieter haben sich gegenüber Scheuer dazu verpflichtet, bis Ende 2020 mindestens 99 Prozent der deutschen Haushalte mit LTE beziehungsweise 4G zu versorgen.

Das Problem: Diese Verpflichtung betrifft die Haushalte - nicht die Fläche. Die Abmachung zwischen Scheuer und den Anbietern könnte so dafür sorgen, dass ländliche Gebiete im Vergleich zu Ballungsräumen erneut auf der Strecke bleiben. Die Orientierung an Haushalten ist Grundlage der Kritik von Frank Sitta. Der 41-jährige Politiker sitzt für die FDP im Deutschen Bundestag und im Verkehrsausschuss. Haushalte als Orientierung im Mobilfunk zu nutzen, sei veraltet und nicht förderlich. "Die Bundesregierung scheitert an ihren eigenen, ambitionslosen Zielen" sagte Sitta zur Stuttgarter Zeitung.

Sittas Kritik betrifft in Franken vor allem viele unterfränkische Bereiche. Im südlichen Baden-Württemberg und im östlichen Mecklenburg-Vorpommern ist die Lage allerdings deutlich brisanter im ländlichen Raum.

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