Coburg
Schienenverkehr

Fahrplan 2019: Bahn will in Franken noch schneller werden

In ganz Europa werden am 9. Dezember die Bahn-Fahrpläne umgestellt. An diesem Tag jährt sich auch die Inbetriebnahme der Schnellfahrstrecke zwischen Ebensfeld und Erfurt. Zeit für ein Fazit.
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Mit dem neuen Fahrplan ab 9. Dezember soll die Region noch besser angebunden werden - auch an den Fernverkehr. Stephan Großmann
Mit dem neuen Fahrplan ab 9. Dezember soll die Region noch besser angebunden werden - auch an den Fernverkehr. Stephan Großmann

Felix Wohlleben nickt zufrieden. Nicht lange musste der Neustädter warten, um von Coburg aus einen Zug in seine Heimatstadt zu erwischen. Insgesamt ist der gesamte oberfränkische Raum gut ans Schienennetz angebunden - und wird sich weiter verbessern. Das zumindest verspricht der neue Fahrplan, der ab dem 9. Dezember gelten wird. Am selben Tag feiert auch die ICE-Schnellfahrstrecke zwischen Ebensfeld und Erfurt ihren ersten Geburtstag.

"Nach einem Jahr ist das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit (VDE Projekt Nr. 8) aus dem Bahnangebot des Bayern-Takts im nördlichen Franken nicht mehr wegzudenken", erklärt der Planungschef der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) Florian Liese. Er hatte sich mit weiteren Vertretern der Schienenzunft am Mittwoch in Coburg getroffen, um ein Fazit über die vergangenen zwölf Monate zu ziehen. Das lautet: Nicht nur ICE-Reisende profitierten von den neuen Verbindungen. Auch Nahverkehrsfahrer entlang der nachfragestarken Achse Nürnberg-Bamberg-Coburg seien häufiger und schneller mit dem Franken-Thüringen-Express (FTX) unterwegs.

Wie Gerd Schörner von DB-Regio mitteilt, säßen mehr als 6000 Reisende pro Werktag in den neuen Doppelstockzügen zwischen Nürnberg und Sonneberg. Im Gegensatz zum bundesweiten Trend führen die Züge in der Region sogar pünktlich (93 Prozent). Auch der Fernverkehr laufe laut Bahn hervorragend. "Die Reisezahlen haben sich mit der Neubaustrecke verdoppelt", heißt es. In der Regel sei sogar die Werbeformel "Von München nach Berlin in unter vier Stunden" einhaltbar.

Verbesserungen kosten Geld. Daher nutzen die Gesellschaften DB Regio und DB Fernverkehr die neuen Fahrpläne wieder dazu, um bei den Tickets an den Preisschrauben zu drehen. Im Fernverkehr sollen die Aufschläge laut Bahnchef Richard Lutz weniger als zwei Prozent betragen, auch im verbundfreien Nahverkehr soll der Aufschlag nur 1,6 Prozent betragen. "Zumal nur ein Bruchteil der Kunden keine Sparpreise oder sonstigen Angebote nutzt", wie Bahnsprecher Michael-Ernst Schmidt erläutert.

Den Planern der BEG ist durchaus bewusst, dass sie es nicht jedem Anwohner entlang aller fränkischer Zugkilometer recht machen können. Florian Liese spielt den Ball weiter an den Bund, der seiner Meinung nach für einen funktionierenden Deutschlandtakt verantwortlich sei: "Wir brauchen Signale, wie es regional weitergehen soll". Nur mit Planungssicherheit könne man Anbindungskonzepte weiter verbessern.

"Die Neubaustrecke hat sich überraschend gut bewährt, aber es gibt außen herum noch viel zu optimieren", kommentiert der Sprecher des Fahrgastverbandes ProBahn Lukas Iffländer. So gebe es auch beim neuen Fahrplan noch zu viele weiße Flecken, was erreichbare Anschlüsse betreffe. Vor allem in Richtung Thüringen und bei Nahverkehren im Frankenwald. Außerdem gebe es in puncto Infrastruktur, vor allem im Bereich Barrierefreiheit noch viel Luft nach oben.

Die erkennt auch Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer. Die Vestestadt hat sich vor einem Jahr am meisten über die neue Schnellfahrstrecke gefreut, wurde sie doch mit einigen ICE-Halten belohnt. Die würden auch angenommen, etwa 300 Reisende steigen in Coburg täglich aus oder in einen Schnellzug. Gerade anfangs sei es chaotisch zugegangen, noch heute würden Fernverkehrszüge manchmal einfach nicht kommen. Doch Tessmer erkennt, dass die Stadt mit dem neuen Plan "dennoch gut bedient" sei. Trotz offener Baustellen.

Und davon gibt und gab es reichlich. Zahlreiche Trassen wurden erweitert oder neu gebaut, etliche Stationen wurden modernisiert. Von Beginn an hatte es daher Widerstände gegen das Zehn-Milliarden-Euro schwere Projekt VDE gegeben. Teils aus finanzieller Sicht, teils aus Blickwinkel der Naturschützer. Dabei ist das Großbauprojekt noch lange nicht beendet. Mit einem vollständigen Lückenschluss wird nicht vor 2028 gerechnet.

Bis dahin wird es auch noch einige Fahrplanänderungen geben. Zugfahrer wie Felix Wohlleben freut's, wenn für die Bahnreisenden etwas getan wird. Schließlich gebe es kaum eine umweltschonendere Art und Weise, weitere Strecken zurückzulegen, sagt er.

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