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Europäische Union

Europawahl: Fünf Frauen aus Franken haben Brüssel fest im Blick

Am Sonntag gehen die Deutschen für ein neues EU-Parlament an die Wahlurnen. Dann entscheidet sich, wer von den insgesamt 64 fränkischen Kandidaten einen Sitz in Brüssel und Straßburg bekommen wird. Die größten Chancen haben fünf Frauen. Wir sagen, wer.
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64 Kandidaten aus Franken wollen ins Europäische Parlament. Eine sussichtsreiche Chance haben die wenigsten. Frauenanteil: 100 Prozent. Foto: Carsten Rehder/dpa
64 Kandidaten aus Franken wollen ins Europäische Parlament. Eine sussichtsreiche Chance haben die wenigsten. Frauenanteil: 100 Prozent. Foto: Carsten Rehder/dpa
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Insgesamt 64 Männer und Frauen aus Franken haben sich für 22 Parteien um einen Sitz im künftigen Europaparlament beworben. Am eifrigsten füllen die CSU (14 Namen), die FDP (12) und die ÖDP (8) ihre Listen. Deutschlandweit stellen sich 1380 Kandidaten zur Wahl. 96 bekommen einen Platz.

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Aktuelle Wahlprognosen zugrundelegend können sich aus unserer Region danke ihres guten Listenplatzes voraussichtlich fünf Frauen berechtigte Hoffnungen auf ein Mandat machen. Aus der CSU sind das die Lichtenfelser Europaabgeordnete Monika Hohlmeier, die ihren Sitz auf Listenplatz 4 wohl verteidigen wird, und Marlene Mortler (Platz 5) aus Lauf. Je nach Abschneiden ihrer Parteien könnten es auch die Grünen-Politikerin aus Erlangen, Pierette Herzberger-Fonfana (21), und die Pressecker AfD-Kandidatin Sylvia Limmer (9) schaffen. Die SPD-Europaabgeordnete Kerstin Westphal aus Schweinfurt muss indes bangen, weiterhin im Parlament vertreten zu sein.

Wir haben die fünf Frauen nach ihrer vorab gefragt, wie ihr Europa aussehen sollte

Monika Hohlmeier (CSU), Lichtenfels, Listenplatz 4:

Europa bedeutet für mich die Sicherung von Frieden, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Nur gemeinsam sind wir in der Lage, unsere europäischen und auch deutschen Grundrechte zu verteidigen, unsere Standards für den sozialen Aus-gleich, für Umwelt- und Klimaschutz, für Technik und Wirtschaft und für einen fairen Wettbewerb durchzusetzen; ein einzelnes Land würde zum Spielball der Großmächte.

Europa bedeutet für Franken Wohlstand durch die Sicherung und Ausbau des sozialen und wirtschaftlichen Wohlstands, da unsere Betriebe über die Hälfte ihrer Produkte in den europäischen Binnenmarkt oder in Drittstaaten exportieren können und da unsere fränkischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen mit über 235 Millionen Euro für Innovation gefördert wurden. Europa bedeutet jedoch auch den Erhalt unserer Kulturlandschaft und Umwelt sowie die Sicherung der Qualität unserer alltäglichen Lebensmittel durch Förderung einer nachhaltigen und umweltorientierten Landwirtschaft, die die hervorragende Arbeit unserer Bauern und Bäuerinnen unterstützt.

Europa muss sich um die großen Fragen der Außen-, der Sicherheits-, der Entwicklungshilfe-, der Wirtschafts- und Handels- sowie der Klimaschutzpolitik kümmern! Den Menschen und den Regionen aber müssen wir mehr Raum für eigene Wege lassen.

Marlene Mortler (CSU), Lauf, Listenplatz 6:

Europa bedeutet für mich viel mehr als nur ein gemeinsamer Markt: Es bedeutet, dass alle Menschen in Frieden, Toleranz und Freiheit, demokratisch, gleich und rechtssicher leben können. So, wie es das Motto der EU so treffend formuliert: In Vielfalt geeint!

Europa bedeutet für Franken wirtschaftliche Chancen, Jobs und eine Schlüsselstellung auf dem Kontinent zwischen Ost- und Westeuropa. Franken profitiert in großem Maß vom gemeinsamen EU-Binnenmarkt und von EU-Fördermitteln, die junge Menschen in Lohn und Brot bringen oder den Klimawandel bekämpfen.

Europa ist die größte zivile Errungenschaft der Neuzeit, die beste Garantie für Demokratie, Frieden und für Wohlstand. Wir haben ein vereintes Europa was die Wirtschaft betrifft, was bisher fehlt, ist ein soziales Europa.

Kerstin Westphal (SPD), Schweinfurt, Listenplatz 23:

Europa bedeutet für mich viel mehr als nur ein gemeinsamer Markt: Es bedeutet, dass alle Menschen in Frieden, Toleranz und Freiheit, demokratisch, gleich und rechtssicher leben können. So, wie es das Motto der EU so treffend formuliert: In Vielfalt geeint!

Europa bedeutet für Franken wirtschaftliche Chancen, Jobs und eine Schlüsselstellung auf dem Kontinent zwischen Ost- und Westeuropa. Franken profitiert in großem Maß vom gemeinsamen EU-Binnenmarkt und von EU-Fördermitteln, die junge Menschen in Lohn und Brot bringen oder den Klimawandel bekämpfen.

Europa ist die größte zivile Errungenschaft der Neuzeit, die beste Garantie für Demokratie, Frieden und für Wohlstand. Wir haben ein vereintes Europa was die Wirtschaft betrifft, was bisher fehlt, ist ein soziales Europa.

Pierette Herzberger-Fofana (Grüne), Erlangen, Listenplatz 21:

Europa bedeutet für mich einen Prozess auf dem Weg zur Verwirklichung der Menschenrechte, auch wenn einige Hürde zu überwinden sind.

Europa bedeutet für Franken den Jugend-Austausch zu fördern und garantiert die Freizügigkeit der Arbeitnehmer*innen. Dies wird auch in Erlangen deutlich, wo internationale gut ausgebildete Fachkräfte eine neue Heimat gefunden haben.

Europa ist bunt, vielfältig und dies muss sich auch im Europa-Parlament widerspiegeln. Politische Partizipation aller Segmente der Gesellschaft ist ein Zeichen, dass wir zusammengehören und eröffnet den Weg zu einer echten Teilhabe.

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Sylvia Limmer (AfD), Presseck, Listenplatz 9:

Europa bedeutet für mich das, was es schon immer war, ein Kontinent mit einer wunderbaren Fülle an Ländern, Sprachen, Kulturen und gewachsenen Traditionen, das nicht gleichzusetzen ist mit einer

künstlich geschaffenen Brüsseler Bürokratie, deren Reform Gegenstand unserer Politik ist.

Europa bedeutet für Franken auch den Verlust von Arbeitsplätzen (siehe Bosch, Schaeffler, Hörmann) durch über unsere Köpfe hinweg entschiedene und unsinnige Grenzwerte. Generell ist Politik, die Franken betrifft, nach dem Subsidiaritätsprinzip in Franken, bzw. im Freistaat Bayern und natürlich im Deutschen Bundestag am besten aufgehoben.

Europas Vielfalt ist unsere Chance. Die AfD tritt für eine EU als Wirtschafts- und Interessengemeinschaft souveräner Staaten ein, in der nicht in Brüssel entschieden wird, wie die Bürger in Deutschland und den anderen EU-Mitgliederländern zu leben haben.

Die EU ist weit weg? Stimmt gar nicht!

1. Mittelpunkt der EU: Die Gemeinde Westerngrund im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg ist seit dem 1. Juli 2013 der geografische Mittelpunkt der Europäischen Union. Sollte Großbritannien eines Tages tatsächlich die EU verlassen, verschiebt sich das Zentrum etwa 65 Kilometer nach Osten, bleibt aber weiterhin in Unterfranken. Neuer Mittelpunkt wäre dann ein Acker in der Nähe des Veitshöchheimer Ortsteils Gadheim.

2. EU-Gütezeichen: Wer zum Aischgründer Karpfen am liebsten Fränkische Grünkern und Bamberger Hörnla isst, sein Mahl gerne mit Nürnberger Lebkuchen garniert und das ganze mit Kulmbacher Bier runterspült, bekommt dank der EU immer genau das, was drauf steht. Diese Leckereien gehören zu einer Liste mit aktuell 96 landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Lebensmittel, die durch EU-Recht besonders geschützt sind. Das Gütezeichen verspricht, dass die Produkte in einer bestimmten Region erzeugt, verarbeitet oder hergestellt worden sind.

3. Mensch, Franke: In Franken leben ungefähr 4,14 Millionen Menschen (31. Dezember 2017). Das sind etwa so viele wie in Kroatien. Zur Verdeutlichung: Mit dieser Anzahl ließe sich die Brose-Arena beim Heimspielen der Bamberger sich mehr als 600 und das Nürnberger Max-Morlock-Stadion immerhin 94 Mal füllen. Ganz schön groß: Frankens Fläche von 23 000 Quadratkilometern entspricht in etwa der von Luxemburg und Slowenien zusammen.

4. Geld für die Region: Je nach Förderbereich können Unternehmen, Forschungseinrichtungen und

öffentliche Akteure einen Antrag auf Förderung stellen. Bayernweit sind im EFRE-Programm "Investitionen in Wachstum und Beschäftigung" 2014-2020 (IWB) schon 495 Millionen Euro geflossen. Weil die fränkischen Regierungsbezirke zu großen Teilen als EFRE-Schwerpunktregionen gelten, kommt ihnen ein hoher Anteil zu. Bisher waren es 161 Millionen Euro. Beispiele sind der Hochwasserschutz am Weißen Main in Kulmbach und der Umbau eines alten Gründerzentrums in ein Weiterbildungszentrum in Würzburg.

5. Bio: In der EU betreiben mehr 270 000 Landwirte bewusst ökologischen Landbau und reagieren damit auf die steigende Nachfrage nach Bioerzeugnissen. In Mittelfranken werden fünf Prozent, on Ober- und Unterfranken immerhin jeder zehnte Hektar landwirtschaftliche Fläche ökologisch bewirtschaftet. Die EU fördert den ökologischen Landbau, indem sie es den Biolandwirten ermöglicht, ihre Erzeugnisse mit dem EU-Bio-Logo eindeutig zu kennzeichnen. Zudem gibt es hektarbezogene Beihilfen, damit sie dem ökologischen Landbau treu bleiben oder ihren Betrieb darauf umstellen. Mit sogenannten Ökologisierungszahlungen werden umweltfreundliche Erzeugungsmethoden bezuschusst.

6.Frankens Forscher: Über das Programm Horizont 2020 erhalten Forschungseinrichtungen Zuschüsse. Bisher sind mehr als 190 Millionen Euro nach Franken geflossen. Geld gibt es für Projekte zu gesellschaftlichen Fragen und für angewandte Forschung. Zwei Beispiele aus der Region: Geologen der FAU Erlangen-Nürnberg untersuchen etwa, wie sich Geothermie als marktfähige alternative Wärmequelle für Privathaushalte eignen könnte. Am Bayreuther Lehrstuhl für Hydrologie forscht Bouchra Marouane gerade an einer neuen ökologischen, günstigen und effizienten Technik, um kontaminiertes Wasser aufzubereiten.

EU wirkt sich auch positiv aus:

7. Wirtschaft: 57 Prozent der bayerischen Wirtschaft gehen laut Zahlen des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages in die EU (107 Mrd. Euro), 62 Prozent der Importe kommen aus der EU (116 Mrd. Euro).

8. Einkommen: Jeder Bayern verdient dank des EU-Binnenmarktes 1198 Euro mehr im Jahr, wie aus einer Studie der Bertelsmann Studie hervorgeht. Einkommensplus bayernweit: 15,4 Milliarden Euro.

9. Studium: Insgesamt konnten 2015/2016 7202 Bayern dank Erasmus ins EU-Ausland gehen. 4170 Personen kamen mithilfe der Erasmus-Förderung für einen Studienaufenthalt in den Freistaat.

10. Reisen: Durch die Abschaffung der Grenzkontrollen und der Roaminggebühren wurde das Reisen innerhalb der Europäischen Union erleichtert. Von Bayern aus betrifft das vor allem die Nachbarländer Österreich und Tschechien. Nicht zu vergessen: Dank des Euro fällt in vielen Fällen die nervige Geldtauscherei weg.

11. Datenschutz: Nicht jeder ist über die seit knapp einem Jahr gültige Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) erfreut. Aber: Im internationalen Vergleich sind Daten und digitale Privatsphäre der EU-Bürger besser geschützt. Gilt auch für die 13 Millionen Bayern.

"Es steht viel auf dem Spiel": Kommentar von unserem Redakteur Stephan Großmann

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