Nürnberg
Weltbienentag

Ein Hoch auf die Bestäuber

Großer Tag für ein kleines Tier: Am Sonntag ist Weltbienentag. Ohne die emsigen kleinen Fluginsekten sähe die Zukunft der Menschheit düster aus.
Artikel drucken Artikel einbetten
Am Weltbienentag soll auf die Bedeutung der Blütenbestäuber aufmerksam gemacht werden. Weitere wichtige Bestäuber sind zum Beispiel Wildbienen wie die Graue Sandbiene. Bahmer
Am Weltbienentag soll auf die Bedeutung der Blütenbestäuber aufmerksam gemacht werden. Weitere wichtige Bestäuber sind zum Beispiel Wildbienen wie die Graue Sandbiene. Bahmer
+12 Bilder
S ie sorgen für Biodiversität, also Pflanzenvielfalt in Wald, Feld und Flur. Und sie geben uns Menschen Ernährungssicherheit. Bienen sind als Bestäuber unersetzlich. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat den 20. Mai als "World Bee Day", Weltbienentag, ausgerufen. Damit will die Weltgemeinschaft zeigen, wie bedrohlich der Rückgang der weltweiten Bienenpopulation ist - und wie dringend die kleinen Tiere geschützt werden müssen.
Der erste Weltbienentag ist der Initiative des über 140 Jahre alten slowenischen Imkerverbandes und der Regierung dieses kleinen EU-Landes zu verdanken. Dass Slowenien hier so aktiv ist, liegt ganz einfach daran, dass in diesem Land fünf Imker auf 1 000 Einwohner kommen. Damit ist Slowenien eine Imkerhochburg und nimmt in der Welt eine Spitzenposition ein. Aber nicht nur heute hat Slowenien auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle, sondern schon in der Vergangenheit gab es in diesem Land innovative Imker. Einst wirkte dort der Imker Anton Janscha (1734-1773), ein bekannter Honigbienenfachmann seiner Zeit. Er brachte es sogar zum Hofimker Maria Theresias und lehrte an einer Imkerschule in Wien. Janscha machte durch diverse Erfindungen in der Bienenhaltung auf sich aufmerksam und verbreitete seine Erkenntnisse in Büchern.
Mit dem Weltbienentag schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Es wird nicht nur Aufmerksamkeit auf die Bienen gelenkt, sondern auch auf den frühen Bienenspezialisten, auf dessen Geburtstag man den Gedenktag legte.
Dass die größte Bedeutung der Honigbiene für den Menschen nicht in der Gewinnung der Bienenprodukte Honig, Wachs, Pollen, Propolis, Gelée royale und Bienengift liegt, gehört inzwischen zum Allgemeinwissen. Die eigentliche Meisterleistung, die die Honigbienen vollbringen, ist die Bestäubung der Blütenpflanzen. Mit ihren aus Tausenden und Abertausenden von hungrigen Individuen bestehenden Völkern bilden sie eine besonders schlagkräftige Truppe, die über den Winter gebracht werden muss und daher eine Vorratswirtschaft betreibt.
Hinzu kommen eine fast 100-prozentig Blütenstetigkeit - das heißt, die Bienen bevorzugen jeweils eine bestimmte Blütenform und erhöhen damit die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Bestäubung - und eine ausgefeilte innerartliche Kommunikation, was den Wirkungsgrad dieser Insekten beim Bestäuben der Blüten noch einmal beträchtlich verbessert. So können die 20 000 Flugbienen eines Bienenvolkes an einem Tag gut drei Millionen Obstblüten bestäuben. Grandios, oder?
Zumindest die Slowenen haben aus solchen Erkenntnissen längst die Konsequenzen gezogen und die Honigbiene gesetzlich geschützt. Allerdings gehen die Bestäubungsleistungen nicht nur auf das Konto der inzwischen zum Haustier gewordenen Honigbienen, sondern beteiligt sind ebenso die Wildbienen, von denen allein in Deutschland über 500 Arten, weltweit etwa 20 000 Arten im Luftraum unterwegs sind. Diese Bienenarten bestäuben etwa 170 000 verschiedene Pflanzenarten.
Zu den allgemein bekannten Wildbienen zählen die auffälligen Hummeln, deren besondere Fähigkeit unter anderem darin liegt, auch bei schlechten Witterungs- und Sichtbedingungen fliegen zu können, bei denen sich Honigbienen noch oder schon wieder in ihrem Stock verkriechen. In Sachen Bestäubung ist die Leistung der Wildbienen nicht zu unterschätzen. Zumal sie auch abseits von Bienenstock-Standorten vorkommen und dort blühende Wild- und Kulturpflanzen aufsuchen. Längst weiß man um diese Bedeutung und züchtet bestimmte Wildbienenarten, um sie als Bestäuber im Gartenbau und in der Landwirtschaft gezielt einzusetzen.


Wichtiges Glied in der Nahrungskette

Mit den Blütenbesuchen, um den eigenen Hunger zu stillen, trägt diese Insektengruppe in hohem Maße dazu bei, die Versorgung der Weltbevölkerung mit Früchten und Gemüse zu sichern. Glaubt man den Fachleuten, dann verdanken wir jeden dritten Esslöffel Nahrung der Bestäubungsleistung von Bienen. Der Wert, der durch die Bestäuber der Tierwelt jährlich erwirtschaftet wird, soll zwischen 235 und 577 Milliarden US-Dollar liegen.
Alle Bestäuber der Blütenpflanzen tragen also einen wichtigen Teil zur Nahrungssicherung der Erdbevölkerung bei. Dazu zählen neben den Bienen hauptsächlich Schwebfliegen und andere Zweiflügler, Schmetterlinge mit ihren langen Rüsseln und sogar Wespen und Käfer. Zwischen einer ganzen Reihe von Blütenpflanzen und Insekten gibt es so enge Verbindungen, dass sie auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen sind.
Der inzwischen gut belegbare weltweite Rückgang der Insekten durch die verschiedensten Aktivitäten des Menschen kann sich langfristig auf dessen eigene Nahrungsmittelversorgung auswirken. Auf die Bedeutung der Honigbienen und der anderen Bestäuber sowie auf ihre Gefährdung aufmerksam zu machen, ist das Ziel der Initiatoren des "World Bee Day".
Zu diesem Gedenktag hat Slowenien eine 2-Euro-Münze herausgebracht, auf der die Weltkugel als Bienenwabenmotiv zu sehen ist. Slowenien hat bereits den Einsatz diverser bienenschädlicher Pestizide verboten, was in der EU als vorbildlich gilt! Die EU hat inzwischen nachgezogen und drei Ne onikotinoide für die Verwendung im Freiland untersagt.
Doch das allein reicht nicht, um die Bestäuber auf Dauer zu retten. Jeder von uns Menschen kann einen kleinen Teil dazu beitragen, dass seine Umwelt grün und blühend bleibt. Oder wird.
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren