Bamberg
Tag der Kriminalitätsopfer

Diese fränkischen Kriminalfälle sind bis heute ungelöst

Am 22. März ist der Tag der Kriminalitätsopfer. Der Weiße Ring erinnert an das Trauma, unter dem Betroffene oft ein Leben lang leiden. Auch in Franken gibt es ungelöst Fälle, die bis heute großes Aufsehen erregen.
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Foto: imago, Illustration: Klaus Heim
Foto: imago, Illustration: Klaus Heim

Tat wühlt bis heute auf

Es war der erste warme Tag des Jahres 1971, der Martina S. und ihre drei Freundinnen ins Freie lockte. Die Mädchen aus Obertheres im unterfränkischen Landkreis Haßberge, elf und zwölf Jahre alt, radelten zum Baden an einen nahen Baggersee. Dann geschah das, was die 1200-Seelen-Gemeinde bis heute aufrührt: Ein Unbekannter verging sich an Martina und tötete sie.

Die Leiche wurde am Baggersee gefunden, vom Mörder fehlte jede Spur. Warum blieb Martina am See, versprach, nachzukommen, als ihre Freundinnen nach Hause fuhren? Hat sie ihren Mörder an diesem Tag zum ersten Mal gesehen oder schon gekannt? Die Ermittlungen wurden 1971 zu einer Nervenprobe für den Ort, weil plötzlich viele verdächtig schienen. 2010 wurde das Trauma wieder an die Oberfläche gespült, als die Polizei an der Kleidung des Mädchens neue Spuren sichern konnte und mehrere hundert Männer zu einem DNA-Test bat. Wie 1971 blieb die Fahndung ergebnislos.

Mysteriöser Fahrgast
Rätsel gibt bis heute dieser Mordfall aus dem Jahr 1997 auf: Auf einem Waldparkplatz bei Nürnberg/Feucht wurden in der Nacht zum 8. Juni 1997 in einem ausgebrannten Wohnmobil die Leichen von Truus und Harry Langendonk gefunden. Das holländische Urlauber-Ehepaar, 61 und 63 Jahre alt, war Opfer eines Gewaltverbrechens geworden, und zwar bei Traunstein. Nach der Tat fuhren der oder die Täter mit dem Wohnmobil nach Mittelfranken.

In diesem Fall gibt es die Spur eines Verdächtigen: Am Sonntag, 8. Juni, gegen 2 Uhr nachts, nahm ein Taxifahrer unweit des Brandortes einen männlichen Fahrgast auf, der am Hauptbahnhof in Nürnberg ausstieg. Von dort aus fuhr dieser Mann mit einem anderen Taxi in den Landkreis Traunstein und ließ sich kurz nach 5 Uhr in der Nähe des Tatortes absetzen. Dort allerdings verliert sich seine Spur. Die Taxifahrer erinnern sich an einen schweigsamen Unbekannten, gut gekleidet, aber mit schmutzigen Fingern und einem penetranten Schweißgeruch.


Der Fall Peggy
Es ist der wohl spektakulärste ungeklärte Kriminalfall in Franken, sieht man von der Mordserie des NSU ab: Peggy in Lichtenberg im Landkreis Hof. Ein Mord, von dem man lange nicht einmal sicher sagen konnte, dass es ein Mord war, denn sowohl vom Täter als auch vom Opfer gab es lange Zeit keine Spur.

Am 7. Mai 2001 verschwand die neun Jahre alte Peggy Knobloch aus Lichtenberg. Sie wurde am Abend zuletzt gesehen. Der Fall schien geklärt, als ein geistig Behinderter gestand, Peggy missbraucht und getötet zu haben. Von Anfang hatten nicht zuletzt auch Peggys Angehörige Zweifel an der Schuld des damals 23-Jährigen; das Verfahren gegen ihn wurde im Jahr 2014 neu aufgerollt und er wurde freigesprochen.

Nachdem man nach Jahren die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben hatte, fand man im Sommer 2016 die Leiche des Mädchens. Ein Pilzsammler hatte das Skelett am 2. Juli 2016 in einem Waldstück bei Rodacherbrunn in Thüringen gefunden. 

Ein Jahr nach Leichenfund: Mordfall weiter ungeklärt - Was geschah mit Peggy?


Leiche unter Laub
Am 30. Dezember 2002 wurde in einem Waldstück unweit des Nürnberger Tiergartens die Leiche der 33 Jahre alten Studentin Lusine Margaryan gefunden. Spaziergänger machten den grausigen Fund: Der Täter hatte sein Opfer erwürgt und unter Laub verscharrt. Vermisst wurde die Armenierin, die aus einer wohlhabenden Familie stammte, seit Anfang Dezember; erst Anfang 2002 war sie nach Deutschland gekommen.

In der Tatnacht am 1. Dezember ging Lusine aus. Wenige Wochen vorher hatte sie in einer Disco einen Mann namens "Fillip" kennen gelernt. Vier Wochen lang suchte die Kripo nach Fillip - doch als sie endlich fündig wurde, hatte sie keinen Täter, sondern nur einen wichtigen Zeugen, denn er war in der Tatnacht wohl der Letzte vor dem Mörder, der Lusine gesehen hatte. Die Suche geht weiter, und viele Fragen sind offen: Kannte Lusine Margaryan ihren Mörder? War er mit ihr in das Wäldchen gefahren? Wurde er zudringlich, hat sie sich gewehrt - drehte er durch?

Torso ohne Namen
Der Tote hat keinen Namen, und auch sein Mörder ist unbekannt: Seit Mai 2013 liegen im Kühlraum der Rechtsmedizin in Würzburg Gewebeproben, die die einzigen Zeugen eines schaurigen Verbrechens sind. Am 13. Mai 2003 hatte ein Arbeiter am Mainkraftwerk in Knetzgau eine verstümmelte Leiche entdeckt. Kopf, Arme und Beine fehlten, der Torso war in einer Plastikplane verschnürt in den Main geworfen worden.

Bis heute ist nicht bekannt, wo das blutige Verbrechen passiert war - es kann überall in Deutschland gewesen sein, sagt das Polizeipräsidium in Würzburg. Dank modernster kriminaltechnischer Methoden weiß man bislang nur, dass der Tote wohl aus einer Stadt in Litauen stammte - und was er in den letzten Stunden seines Lebens gegessen hatte. Warum er nach Deutschland kam, weshalb er sterben musste, warum ihn niemand vermisst: Niemand weiß es. Vielleicht kann die Wissenschaft eines Tages die Gewebeproben des unbekannten Toten besser auswerten.

Wer tötete Simone?
Dreizehn Jahre nach dem gewaltsamen Tod von Simone Strobel aus Rieden (Landkreis Würzburg) in Australien, sind die Umstände wie die junge Frau ums Leben gekommen ist, immer noch ungeklärt. Die deutsche und die australische Polizei sowie die Staatsanwaltschaft Würzburg haben die Hoffnung nicht aufgegeben, den gewaltsamen Tod von Simone Strobel auch nach der langen Zeit noch aufklären zu können.

Simone Strobel war am 3. August 2004 zusammen mit ihrem Freund nach Australien aufgebrochen. Geplant war ein einjähriger Aufenthalt. Simone Strobels Leiche wurde am 17. Februar 2005 in der Nähe des Campingplatzes entdeckt, auf dem sie zuletzt gesehen worden war. Die 25-Jährige wurde vermutlich erstickt. Die Ermittlungen konzentrierten sich zunächst auf die Begleiter der jungen Frau, die sich bei den Vernehmungen in Widersprüche verstrickt hatten. Bis heute gibt es allerdings nicht genug Beweise für eine Anklage.

Virginia Peters setzt sich 2014 in einem Buch mit Simones Strobels Tod auseinander. Das Buch können Sie hier auf englisch bei Amazon kaufen.*

Doppelmord in Hof
Eine Mordserie erschütterte 2006 die oberfränkische Stadt Hof: Mehrere Prostituierte starben durch die Hand eines unbekannten Mörders, dessen Taten durch außergewöhnliche Brutalität gekennzeichnet waren. Eine der Bluttaten konnte geklärt werden; ob der Verurteilte, der seither hinter Gittern sitzt, für weitere Morde verantwortlich ist, bleibt offen. Nach wie vor ungeklärt ist der gewaltsame Tod der beiden Thailänderinnen Samruay Senst, genannt "Som" (zur Tatzeit 54) und Bunnam "Tuk" Leinert (49), die in Hof als Prostituierte arbeiteten.

Ein Unbekannter tötete die beiden Frauen in ihrer Wohnung in der Alsenberger Straße 42 in der Nacht zum Samstag, 10. Juni 2006 - unmittelbar nach dem Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft. Die beiden Frauen erlagen ihren Verletzungen, nachdem der Täter ihnen eine Vielzahl von Messerstichen zugefügt hatte. Die bis heute einzige Spur: Aus der Wohnung der Opfer verschwanden zwei Handys, ein Nokia 6510 und ein i-Mobile 510.

Mord im Supermarkt
Zwei Jahre lang suchte die Sonderkommission "Kreisel" nach dem Mörder von Norbert Ottinger - ohne Ergebnis. Der 61 Jahre alte Betreiber eines Supermarktes im oberfränkischen Mitwitz wurde am 13. November 2006 zum Opfer eines unfassbar brutalen Raubmords. Der Täter lauerte dem Geschäftsmann nach Ladenschluss aus und tötete ihn mit einem Baseballschläger und Messerstichen.

Der Unbekannte entkam mit mehreren Einsätzen aus den Supermarktkassen. Die Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft in Coburg verfolgten mit größtmöglichem Aufwand mehr als 700 Spuren. 28 000 Verbindungsdaten von Handys wurden überprüft und von 2250 Männern Speichelproben für einen DNA-Test genommen.

Wo ist Richard Ha?
Es ist einer der Fälle, die noch lange Rätsel aufgeben werden, auch wenn bislang noch gar nicht klar ist, ob ein Verbrechen im Raum steht: Wie kann ein Mensch in dieser scheinbar lückenlos überwachten und vernetzten Welt spurlos verschwinden? Mit dem 49-jährigen Richard Ha aus Nürnberg ist genau das passiert: Er wird seit 28. Februar 2012 vermisst. Lange Zeit fehlte von ihm jede Spur, zwischenzeitlich wurde sein Auto auf einem Parkplatz in Schlüsselfeld gefunden. Aber mehr auch nicht.

Die Hintergründe seines Verschwindens sind völlig unklar, sagt das Polizeipräsidium in Mittelfranken. Verwandte des Mannes erstatteten Vermisstenanzeige, nachdem sich Ha, der sich gerne "David" nennen ließ, eine Woche lang nicht gemeldet hatte. Eine groß angelegte Suchaktion verlief ergebnislos, nach wie vor ist die Polizei selbst für kleinste Hinweise dankbar. Ha hat eine kräftige Figur und eine auffallend tiefe Stimme. Zwischen den Schulterblättern trägt er Tätowierungen.

 

Wie gehen Ermittler in solchen Fällen vor? Alex Petermann war Mordkommissar und berichtet von Profiling und Fallgeschichten. Das Buch können Sie hier bei Amazon kaufen.*

 

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