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Bornavirus

Pferdevirus auch für Menschen tödlich: Student aus Mittelfranken stirbt an Hirnhautentzündung

Ein 25-Jähriger aus Mittelfranken ist an einer Gehirnhautentzündung gestorben. Ursache war laut Forschern der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg das von Pferden und Schafen bekannte Bornavirus.
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Gefährliches Pferdevirus BoDV-1: Das von Pferden und Schafen bekannte Bornavirus hat in Mittelfranken ein erstes Todesopfer gefordert.Das fanden Forsch heraus. Symbolbild: pixabay.com
Gefährliches Pferdevirus BoDV-1: Das von Pferden und Schafen bekannte Bornavirus hat in Mittelfranken ein erstes Todesopfer gefordert.Das fanden Forsch heraus. Symbolbild: pixabay.com

Bisher war lediglich bekannt, dass es für Erkrankungen bei Pferden und Schafen verantwortlich ist - jetzt hat das klassische Bornavirus (BoDV-1) auch bei gesunden Menschen eine tödliche Gehirnentzündungen ausgelöst. Dies hat eine Forschergruppe der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg herausgefunden. "Die von uns untersuchten tödlichen Krankheitsfälle zeigten das Krankheitsbild einer schweren Gehirnentzündung, die eindeutig von einer Bornavirus-Infektion ausgelöst wurde", berichtet die Forschergruppe um Prof. Dr. Armin Ensser vom Virologischen Institut des Universitätsklinikums Erlangen in einer jetzt im New England Journal of Medicine veröffentlichten Arbeit.

Bornavirus auch für Menschen tödlich: 25-Jähriger aus Mittelfranken stirbt an Gehirnhautentzündung

Die Mediziner konnten das Virus jetzt bei einem jungen Mann aus Mittelfranken feststellen. Der Student klagte bei seiner Einlieferung ins Krankenhaus über Fieber, starken Kopfschmerzen, Müdigkeit und Verwirrung. Nach wenigen Tagen im Krankenhaus begannen seine Muskeln willkürlich zu zucken und er konnte nicht mehr laufen. Er litt unter einer Gehirnentzündung, die schließlich zum Tod führte.

Warum der 25–Jährige tödlich erkrankte, ist nicht bekannt. Nachdem zwei Patienten ohne bekannte Risikofaktoren und trotz intensiver Behandlung an der Neurologischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen an einer schweren Gehirnentzündung unbekannter Ursache verstorben waren, hatte das Forscherteam aus Neuropathologen und Virologen unter Federführung von Professor Ensser deren Gewebeproben mittels moderner Next-Generation-Sequencing-Verfahren untersucht. Hierdurch identifizierten die Wissenschaftler im Gehirn eines der verstorbenen Patienten große Mengen der Erbsubstanz eines Virus.

Spendeorgane eines 70-Jährigen

Von einer anderen Forschergruppe konnte das Bornavirus auch bei drei Empfängern von Spenderorganen eines postmortalen Organspenders nachgewiesen werden, der als Virusüberträger gilt. Zwei der immunsupprimierten Organempfänger verstarben im weiteren Verlauf, der Dritte überlebte mit schweren Gehirnschäden. Alle drei Patienten hatten Organe eines 70-jährigen verstorbenen Mann bekommen. Dieser, so die Forscher, hatte vor seinem Tod keine Anzeichen einer neurologischen Erkrankung gezeigt.

Das untersuchte Krankheitsbild habe große Ähnlichkeit mit der Bornaschen Krankheit bei Pferd und Schaf sowie mit den sehr seltenen Bornavirus-Infektionen bei Haltern exotischer Bunthörnchen in Deutschland. Nach heutigem Wissensstand ist das ursächliche Bornavirus regional begrenzt in Teilen Ost- und Süddeutschlands, Österreichs, der Schweiz und Liechtensteins verbreitet. "Bei Patienten mit schweren neurologischen Erkrankungen sollte daher das Bornavirus insbesondere in diesen Risikogebieten als möglicher Erreger berücksichtigt werden", sagt Prof. Ensser.

"Die Dunkelziffer von Bornavirus-Infektionen bei tödlichen Gehirnentzündungen ist unbekannt, da die Infektion bislang bei Routineuntersuchungen nicht in Betracht gezogen wurde." Weitere Forschungen sollen nun unter anderem klären, wie häufig Bornavirus-Infektionen beim Menschen tatsächlich sind, wie das Virus rechtzeitig diagnostiziert und der tödliche Infektionsverlauf verhindert werden kann. Derzeit gibt es noch keine zugelassene antivirale Therapie.

Bornavirus: Woher kommt der Name und die Krankheit?

  • Die "hitzige Kopfkrankheit der Pferde", die durch das Virus der Bornaschen Krankheit ausgelöst wird, wurde erstmals 1813 beschrieben. Ihren Namen erhielt die Krankheit 1894, als ein ganzer Stall voller Kavalleriepferde in der Stadt Borna erkrankte.
  • Das natürliche Reservoir des Bornavirus ist die Feldspitzmaus. Bisher war bekannt, dass das Virus von Spitzmäusen über den Urin und Speichel ausgeschieden und gelegentlich auf andere Säugetiere - sogenannte Fehlwirte dieses Virus - übertragen wird, bei denen es dann zur Bornaschen Krankheit kommen kann.
  • Vor allem Pferde und Schafe sind davon betroffen. Während infizierte Feldspitzmäuse keine Anzeichen einer Erkrankung zeigen, befällt das Virus bei den Fehlwirten das zentrale Nervensystem und es kommt, wahrscheinlich durch den Angriff von körpereigenen Immunzellen, zu umfangreichen Zerstörungen im Gehirn.
  • Eine Übertragung des Virus von infizierten Pferden oder Schafen untereinander oder auf andere Säugetiere wurde bisher nicht nachgewiesen. Das Virus wird von den Fehlwirten nicht ausgeschieden und ist auch in ihrem Blut kaum nachweisbar.

Die untersuchten Fälle stellen keine Bestätigung der in der Vergangenheit veröffentlichten Studien zu einem weitverbreiteten Vorkommen von BoDV-1-Infektionen beim Menschen und bei bestimmten neuropsychiatrischen Erkrankungen dar. "Insbesondere waren - außer im Gehirn - kein Virus und keine Virusbestandteile in anderen Geweben und Körperflüssigkeiten nachweisbar, sodass eine Übertragung des Virus über normale zwischenmenschliche Kontakte auszuschließen ist", so Prof. Ensser. Alle Patienten und der Organspender stammten aus einem der bekannten Verbreitungsgebiete von BoDV-1.

Ein weiteres Virus, das in den vergangenen Monaten für Todesfälle verantwortlich war, ist das von Stechmücken übertragene West-Nil-Virus.



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