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Statistik

Bayern: Gewalt gegen Polizisten - Innenminister Herrmann stellt Zahlen vor

Während in Bayern die Zahl der Angriffe auf Polizisten leicht zurückgegangen ist, stieg sie in Oberfranken an. Die Zahlen sind laut Innenminister Joachim Herrmann (CSU) weiterhin auf einem "bedenklich hohen Niveau".
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Die Zahl der gewalttätigen Angriffe auf Polizisten ist zwar leicht zurückgegangen, ist aber immer noch auf einem hohen Niveau. Symbolfoto: Carsten Rehder/dpa
Die Zahl der gewalttätigen Angriffe auf Polizisten ist zwar leicht zurückgegangen, ist aber immer noch auf einem hohen Niveau. Symbolfoto: Carsten Rehder/dpa
Beleidigungen, Körperverletzungen und versuchte Tötungen: Immer mehr Polizisten in Bayern werden selbst angegriffen. Innenminister Herrmann nennt dies "inakzeptabel". Mehr Polizisten in Bayern sind im vergangenen Jahr Opfer von Gewalt geworden als im Vorjahr.

Die Zahl der Fälle ging dagegen leicht zurück, wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitag in Nürnberg sagte. 2017 wurden im Freistaat mehr als 16.500 Beamte körperlich oder verbal angegriffen - das waren 80 Betroffene mehr als 2016. Landesweit wurden mehr als 7300 Fälle gezählt - knapp 90 weniger als im Vorjahr. Die Zahlen blieben damit dennoch auf "bedenklich hohem Niveau", sagte Herrmann.


Steigende Gewalt in Oberfranken

627 Attacken gegen oberfränkische Polizisten im Jahr 2017 belegen laut dem aktuell veröffentlichten Lagebild "Gewalt gegen Polizeibeamte" erneut, dass Einsatzkräfte vermehrt in das Visier von Gewalttätern geraten. Im Vergleich zu 2016 bedeutet dies für Oberfranken eine Steigerung um 3,8 Prozent.

Bei den 627 Übergriffen im Jahr 2017 in Oberfranken (2016: 604) waren 1.470 Beamte und damit rund 70 Prozent der oberfränkischen Polizeivollzugsbeamten betroffen. Während zwar der Großteil dieser Polizisten die Attacken körperlich unbeschadet überstand, zogen sich dennoch 178 Beamte bei körperlichen Übergriffen zum Teil schwere Verletzungen zu, die insgesamt etwa 240 krankheitsbedingte Ausfalltage nach sich zogen. Dies entspräche umgerechnet dem Ausfall eines Polizeibeamten für ein ganzes Jahr.

Mit welcher Gewaltbereitschaft oberfränkische Beamten konfrontiert werden, zeigte die statistische Auswertung auch für das Jahr 2017 wieder deutlich. In einem Fall stellten Polizisten sogar einen Angreifer mit einer scharfen Schusswaffe fest und acht Mal hatte das polizeiliche Gegenüber eine Hieb- oder Stichwaffe dabei, mit der der Täter zum Teil gedroht oder sie sogar gegen die Beamten eingesetzt hatte.

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Die sonstigen körperlichen Übergriffe erfolgten in 118 Fällen durch Schläge mit der Hand oder Faust und 112 Mal durch Treten. 15 Mal führten die Angreifer einen Kopfstoß aus und in 23 Fällen wurden die Polizisten vom Gegenüber gebissen. In sieben Fällen setzten Personen ein Kraftfahrzeug gegen die Ordnungshüter ein.


Versuchte Tötung in Bamberg im Oktober

Zu einem versuchten Tötungsdelikte zum Nachteil einer Polizeibeamtin kam es Anfang Oktober 2017, als eine Streife der Bamberger Polizei zu einer Streitigkeit unter zwei Männern in eine Disko in der Lange Straße gerufen wurde. Als die Kontrahenten von den Einsatzkräften getrennt und fixiert wurden, kam ein 25-Jähriger seinem Bekannten zu Hilfe und griff eine 26-jährige Polizeibeamtin an.

Er würgte die Polizistin mit bloßen Händen bis zur Atemnot, bevor weitere Unterstützungskräfte ihre Kollegin aus den Griffen des 25-Jährigen befreien konnten. Der Mann aus dem Landkreis Bamberg muss sich unter anderem wegen versuchten Totschlags strafrechtlich verantworten.


14 versuchte Tötungsdelikte in ganz Bayern

"Besonders erschreckend ist, dass 2017 14 versuchte Tötungsdelikte erfasst wurden", sagte Herrmann. Ihm bereite die Entwicklung große Sorgen. "Ein solches Ausmaß an Hass und Gewalt gegen unsere Einsatzkräfte ist absolut inakzeptabel."


Situationen eskalieren "aus dem Stand"

Der mittelfränkische Polizeipräsident Roman Fertinger ergänzte, die Situation eskaliere oft "aus dem Stand". Die Kollegen, die gerufen würden, um einen Konflikt zu klären, hätten es mit "Gewalttätern zu tun, die sich eruptionsartig an den Einsatzkräften ausleben".

Mehr als drei Viertel der etwa 6100 registrierten Verdächtigen waren schon zuvor polizeibekannt. Mehr als zwei Drittel hatten vor der Tat Alkohol oder Drogen konsumiert. Knapp 4400 der Verdächtigen waren Deutsche. Der Anteil der ausländischen Beschuldigten stieg leicht auf rund 28 Prozent. Hier spiele ein steigender Anteil von Zuwanderern eine Rolle, sagte Herrmann - also Asylbewerber, Geduldete, Flüchtlinge.


Über 3100 Ausfalltage

90 Prozent der Fälle waren einfache Körperverletzungen, Widerstandshandlungen und Beleidigungen. In 24 Fällen nutzten die Angreifer eine Schusswaffe. Mehr als 2300 Beamte wurden verletzt, was bayernweit zu mehr als 3100 Ausfalltagen führte. Polizisten des Wach- und Streifendienstes wurden am häufigsten angegriffen - meist in der Nacht und an Wochenenden sowie in den größeren Städten.

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