Kersbach
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Fünf Meter hoher Zaun vor Kersbacher Schule spaltet die Gemüter

Die Schüler im Kersbacher Schulhaus sollen sich in ihrem neuen Pausenhof austoben können. Dafür wurde vor einigen Wochen ein fünf Meter hoher Zaun aufgestellt. "Uns gefällt dieses Gefängnis nicht", beklagen sich Anwohner.
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Ungläubig blicken die Stadträte an dem fünf Meter hohen Zaun vor dem Kersbacher Schulgebäude hoch. Franziska Rieger
Ungläubig blicken die Stadträte an dem fünf Meter hohen Zaun vor dem Kersbacher Schulgebäude hoch. Franziska Rieger

Gertrud und Peter Dreßel wohnen direkt neben der Kersbacher Schule, nur einige Zentimeter trennen ihr Grundstück von dem Schulgelände. Seit einigen Wochen blickt das Ehepaar nicht mehr nur auf den Neubau, sondern auch auf einen fünf Meter hohen Metallzaun. "Wir sagen nur noch: Das schaut aus wie in Stadelheim", sagt Gertrud Dreßel.

Das Ehepaar fordert nicht, dass der Zaun vollständig beseitigt wird, aber zumindest einen Rückbau auf die ursprünglich genannte Höhe. Auch sei anfangs die Rede von einem Netz gewesen. Das hätte zumindest nicht so gescheppert, wenn Bälle dagegen knallen. "Ein Ballfangzaun muss wohl sein, wenn man die Schule auf ein kleines Grundstück mitten im Wohngebiet reinpresst", schreibt das Ehepaar in einem Brief an die Stadträte. Mit der Höhe des Zauns wollen sich die Dreßels aber nicht abfinden.

An der Süd-Westseite ist der Zaun 5,10 Meter hoch. Auf Grund des ansteigenden Nachbargeländes reduziert sich der Zaun in Richtung Turnhalle auf eine Höhe von 3,75 Meter. Im unteren Bereich des Zaunes soll ein Sichtschutz aus Holz vor neugierigen Blicken schützen.

Baurechtlich nicht genehmigt

Die Baugenehmigung für die neue Kersbacher Schule wurde im Jahr 2015 erteilt. Allerdings wurde "versäumt, im damaligen Bauantrag die Ansicht des Zaunes darzustellen", erklärte Stefan Schelter, Leiter des Bauordnungsamtes der Stadt Forchheim, in der Sitzung des Bauausschusses. Deshalb ist der Zaun baurechtlich nicht genehmigt. Inzwischen wurde ein Bauantrag eingereicht.

Dass der Zaun überhaupt in die enge Lücke zwischen Schule und Nachbargrundstück gebaut wurde, sei jedoch zulässig: Weil der Zaun mit seinen Stabmatten durchlässig ist und somit nicht als Gebäude gilt, bedarf es keiner Abstandsfläche, so Schelter.

"Da fehlt noch die Beleuchtung und ein Wachturm, dann hätten wir da ein super Gefängnis", sprach Holger Lehnard (CSU) aus, was die meisten Stadträte dachten. Die Höhe sei überdimensional. Es müsse dringend nachgebessert werden. Lehnard schlug vor, einen Meter des Zaunes abzubauen.

Martina Hebendanz (CSU) erinnerte daran, dass dort bald eine Offene Ganztagsschule eingeführt werden soll: Dann gehe der Lärm auch nach 13 Uhr weiter. "Der Lärm wird auch den Unterricht beeinflussen", merkte Hebendanz an.

Schelter räumte ein, dass man die Festverschraubung entfernen und Gummipuffer in den Zaun einbauen könnte, die dann zumindest das Scheppern dämpfen. Verzichtet werden könne auf den Zaun aber nicht, es gebe DIN-Normen und die Versicherungspflicht einzuhalten.

Heike Schade (FGL) meinte, dass der Zaun zumindest an der Seite zum Haus begrünt werden sollte. Die Krux dabei: Es dürften keine Pflanzen verwendet werden, die den Zaun empor ranken. Dann wäre dieser nicht mehr durchlässig und bräuchte eine größere Abstandsfläche.

Zankapfel Standortwahl

Auf die Debatte mancher Stadträte, ob das Schulhaus überhaupt in das Wohngebiet passt, wollte sich Markus Schmidt (CSU) nicht einlassen: "Ich wehre mich dagegen, dass wir die Schule dermaßen schlechtreden." Die Lösung mit dem Zaun sei unglücklich, aber für die Schule hätte es eben keinen anderen Standort in Kersbach gegeben.

Das bekräftigte auch Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD): "Dass die Schule mitten im Wohngebiet steht, wussten wir. Es gab genau diese eine Lösung." Schmidt regte nach der hitzigen Diskussion an, den Tagesordnungspunkt "Ballfangzaun" als Wiedervorlage zu vertagen und sich dafür erst mit allen Beteiligten zusammenzusetzen. Dem stimmten alle Stadträte zu. Eine Wendung, die die Dreßels nicht zufriedenstellt: "Es ist nicht viel dabei rausgekommen."

Schüler beklagen sich noch nicht

Wie im Gefängnis - so könnten sich nicht nur die Anwohner, sondern auch die Schüler in Kersbach fühlen. An die Schulleitung sei bis jetzt wegen des hohen Zaunes weder von Eltern noch von Kindern Kritik herangetragen worden, sagt Kerstin Friedrich, Leiterin der Martinschule Forchheim.

Gespielt haben die Kinder auf dem Pausenhof, der von dem Zaun umrahmt wird, noch nicht. "Da ist noch Baustelle", sagt Friedrich. Dass die Nachbarn nicht beeinträchtig werden sollen, dafür hat Friedrich Verständnis. Weil es an der Schule eng zugeht, sei ein solcher Schutz aber absolut wichtig, sowohl für die Kinder als auch für die Nachbarn, betont die Schulleiterin. "Ich bin hin- und hergerissen", sagt sie. Ob die Höhe tatsächlich zu enorm ist, das müssten Fachleute prüfen.fr

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