Ebermannstadt
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Wozu braucht man eigentlich ... Agrar?

Das Schulprojekt klar.text fragt Lehrer, warum sich Schüler mit bestimmten Fächern beschäftigen müssen. Petra Stiegeler, Biologielehrerin in Ebermannstadt, erklärt, warum man sich auch in den Ferien Gedanken machen sollte über alles, was mit der Landwirtschaft zusammenhängt.
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Petra Stiegeler (r.) unterrichtet Schüler im Labor.  Foto: Malbrich
Petra Stiegeler (r.) unterrichtet Schüler im Labor. Foto: Malbrich
Man braucht nicht unbedingt eine eigene Landwirtschaft, um sich für das Thema "Agrar" zu interessieren. Aber auch die Landwirtschaft ist heute viel mehr, als nur Felder zu bewirtschaften und Nutztiere zu halten. Spezialkenntnisse und auch viel Expertentum muss haben, wer heute in der Landwirtschaft sein Geld verdienen möchte.

Und selbst, wer überhaupt keinen persönlichen Bezug zur Landwirtschaft hat, beschäftigt sich viel öfters mit dem Thema, als er vielleicht denkt. Dann geht es um genetisch manipulierte Pflanzen und Tiere, die mit Hormonen behandelt werden. Dann geht es um Solar- und Windkraftanlagen, um Landschaftsschutz oder die sogenannte Altlastentsorgung.

Vielschichtiges Thema

Die Vielschichtigkeit des Begriffs "Agrar" spiegelt sich auch im Unterrichtsfach gleichen Namens wider. Im Grunde ist es auch gar kein Fach, sondern ein Ausbildungszweig.
Er setzt sich zusammen aus den Bereichen Forstwirtschaft, Gartenbau, Ernährung und Umweltsicherung.

Im Landkreis Forchheim kann man sich in allem, was mit Agrar zu tun hat, nur in zwei Einrichtungen ausbilden. In Triesdorf bei Gunzenhausen sowie in der SeniVita Fachoberschule in Ebermannstadt.

Erst kürzlich konnten die Ebermannstadter ihren ersten Abiturientenjahrgang verabschieden.
Einblicke in den Berufsalltag bekommen die Schüler in der elften Klasse. Dann stehen die Praktika an. "In verschiedenen Betrieben schauen die Schüler, ob der gewählte Schwerpunkt auch passt", erklärt Petra Stiegeler.
Sie unterrichtet als Biologielehrerin der SeniVita Fachoberschule.

Ob im Unterricht oder im Praktikum: Die Schüler bewegen sich immer mitten im Leben, wo neben Landwirten, Tieren und Pflanzen auch die Konsumenten vorkommen. Zum Beispiel in der Teeverarbeitung oder in der Milchwirtschaft: "Man nimmt Stichproben, um zu schauen, ob die Zusammensetzung stimmt oder welche Zutaten zusammengefügt werden, damit ein Produkt besser schmeckt", berichtet Petra Stiegeler. Kontrovers geht in der Regel bei der Gentechnik zu. Welches Handwerkszeug braucht man, um Pflanzen oder Tiere gentechnisch zu verändern? Was ist erlaubt? Welche Gefahren gibt es und welche Vorteile?

Umgang mit der Kettensäge

Um Krankheiten, Parasiten und Bakterien geht es vor allem in der Mikrobiologie. "Manche Bakterien haben umsonst einen schlechten Ruf. Viele braucht man, um leben zu können", sagt Petra Stiegeler.

Die SeniVita Schule bietet ihren Schülern ein gut eingerichtetes Labor. Die Schüler nutzen das Labor, um Pflanzen und Bodenarten bestimmen. Wenn sie gut sind, können die Schüler auch erkennen, wann ein Boden zum Beispiel überdüngt ist.

Wer sich dagegen für die Forstwirtschaft entschieden hat, absolviert sein Praktikum meist in einer Försterei. "Die Schüler bekommen einen Kettensägekurs oder einen Holzverarbeitungskurs", sagt Stiegeler.

Sicher möchte nicht jeder Förster werden. Auf der anderen Seite heizen wieder mehr Menschen mit Holz, weil sie sich damit weniger Kosten versprechen. Vor diesem Hintergrund habe der Beruf des Försters durchaus Zukunft, sagt Stiegeler.

Alles vollautomatisch

Petra Stiegeler ermuntert ihre Schüler auch dazu, sich beides genau anzusehen: kleinere und größere Landwirtschaftsbetriebe. Die Unterschiede seien zum Teil enorm. "Bei den Großbetrieben läuft alles vollautomatisch. Die Futterrationen, die automatische Bodenreinigung, selbst das Melken", berichtet die Biologin.

Auch wie man Werkstoffeinsatz ökologisch einsetzt, lernen die Schüler in Ebermannstadt. Sie lernen dabei beispielsweise, welche Kunststoffe und Metalle sie beim Emissionsschutz verwendet werden können.

Die Schüler haben in Ebermannstadt die Pflicht, drei Kurse zu belegen. Einer davon ist der Schweißkurs.
Ob man an seinem Auto schweißt oder ein Treppengeländer bauen möchte: Wer schweißen kann, hat im Leben ein paar Vorteile. Im Schlepperkurs nehmen die Schüler einen Motor auseinander und bauen ihn wieder zusammen. Das ist auch interessant für Menschen, die keinen Traktor fahren.
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